Zwei Kläger schlagen Alarm

Dierk Dettmers (links) und Leenert Cornelius haben für ihre Klage gegen die Weservertiefungen die negativen Auswirkungen der bisherigen Vertiefungen gesammelt. BILD: ARCHIV

NORDENHAM/BUTJADINGEN/STADLAND – Zwei Kläger gegen die geplante erneute Weservertiefung schlagen in einem Offenen Brief an etwa 70 Abgeordnete, Vertreter von Verwaltungen und Amtsträger – darunter Ministerpräsident Stephan Weil – Alarm.
Leenert Cornelius aus Butjadingen und Dierk Dettmers aus Rodenkirchen fordern die Adressaten zum Einsatz gegen die sich inzwischen angesammelten negativen Auswirkungen von bisher zehn Weservertiefungen auf – und zum Einsatz gegen die geplante erneute Vertiefung.

Zum Nachteil der Natur

Die negativen Folgen frühere Vertiefungen – insbesondere die ständig zunehmende Versalzung des Weserwassers, das über Sieltiefe und Gräben der Marsch als Zuwässerung zugeführt wird – haben sich ihrer Einschätzung nach angehäuft – „zum Nachteil für die Natur und die hier lebenden Menschen sowie die gesamte Landwirtschaft im Unterweserraum“. Betroffen sei eine Fläche von etwa 34?000 Hektar in der nördlichen und mittleren Wesermarsch.
Ins Feld führen die beiden Kläger auch eine Analyse von Dr. Wolfgang Meiners (Umweltstation Iffens in Butjadingen). Demnach schadet nicht nur der erhöhte Salzgehalt an sich, sondern auch der wechselnde Salzgehalt dem Ökosystem in der Marsch schwer.
In Butjadingen schwanken die Salzgehalte laut Wolfgang Meiners mindestens fünfmal pro Jahr zwischen 0,5 und mehr als 3 Prozent. Die frühere Vielfalt der Oganismen im Grabenwasser gehe verloren.
Leenert Cornelius und Dierk Dettmers kritisieren in ihrem Offenen Brief die bisherige Planung für die erneute Weservertiefung als mangelhaft. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig habe die Mängel gerügt. Doch sei es der Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes in sieben Jahren nicht gelungen, die Vorgaben des Gerichts zu erfüllen.
Nun solle die Planung mittels Anwendung des Maßnahmengesetz-Beschleunigungsgesetzes – quasi hintenherum durch die „kalte Küche“ – realisiert werden. Dabei solle der Verstoß gegen Recht der Europäischen Union (Wasserhaushaltsgesetz und Wasserrahmenrichtlinie) billigend in Kauf genommen werden.

Werte überschritten

Laut Leenert Cornelius und Dierk Dettmers haben die Salzgehalte in Gräben, Vorflutern, Verbandsgewässern und Gewässer-Randbereichen besonders seit der 1998 abgeschlossenen letzten Weservertiefung alle zulässigen Werte überschritten. Das habe, so die beiden Kläger, „dazu geführt, dass alle Tierhalter in etwa der Hälfte der Wesermarsch gegen die Laves-Richtlinien zur Tränkewasserversorgung, ferner gegen die EU-Futtermittelverordnung und Naturschutz- sowie Tierschutzrichtlinien verstoßen.“ Dies geschehe mit Wissen der Laves, des NLWKN, des Amtstierarztes, des Landkreises und auch der Adressaten des Offenen Briefes.
Die bereits vor zehn Jahren vom CDU-Landtagsabgeordneten Björn Thümler gegebene Zusage zur Schaffung eines neuen Systems der Zuwässerung für die mittlere und nördliche Wesermarsch mittels sogenanntem Generalplan Wesermarsch sei nicht eingehalten worden.
Zur Regulierung aller Folgeschäden der neuesten Elbvertiefung sei ein „Elbevertrag“ abgeschlossen worden. Die beiden Kläger fragen fordernd: Warum wurde und wird an der Weser – bei hier höheren negativen Auswirkungen – kein „Weservertrag“ abgeschlossen?


 

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