„Frau Gunstmann“ zieht in den „Pott“

Artikel vom 09.10.2021

Karsten Röhr Und Wolfgang Alexander Meyer

Kurz nach der Schlüsselübergabe: Jannik Kirchner, Jan Thie, Kolja Zinngrebe und Jan Frerichs haben mit den Umräumarbeiten in ihrer neuen Kneipe „Frau Gunstmann“ begonnen. Bild: Wolfgang Alexander Meyer

Ein junges Kneipen-Projekt hat am vergangenen Freitag im ehemaligen „Magee’s“, in dem davor lange der „Pott“ war eröffnet. Das relativ neue Döner-Lokal „Gümüs“ hat wieder geschlossen

„Frau Gunstmann“ ist der Name, unter dem die urige Eckkneipe an der Kreuzung Wallstraße/Mottenstraße ab diesem Freitag ihre Türen öffnen wird. Betrieben wird sie von einer guten Hand voll Leuten, die sich aus dem Organisationsteam des Einfach-Kultur-Festivals rekrutiert haben. „Eine direkte Verbindung zum Festival gibt es aber nicht. Das Kneipen-Projekt steht für sich“, sagt Jannik Kirchner.

„Wir wollen mit Frau Gunstmann ein Stück Kneipenkultur zurück nach Oldenburg bringen, ohne den nächsten hippen Laden zu eröffnen. Hier ist alles ganz rustikal, von den Räumlichkeiten bis zur Karte“, ergänzt Jan Frerichs. Auf der werden nur eine kleine Auswahl an Bier, Schnaps, Longdrinks und Limonade stehen, ist sich das Betreiberteam einig. Am Hahn sind OLs und Jever.

Ein Aspekt erinnert dann aber doch an das Einfach-Kultur-Festival: die Geschwindigkeit, mit der die Betreiber ihre Kneipe eröffnen wollen. Nachdem sie am Dienstag den Schlüssel erhalten haben, sollen die ersten Gäste schon drei Tage später empfangen werden. „Ab dann haben wir immer von 16 bis 2 Uhr geöffnet. Einzige Ausnahme ist der Montag, der ist unser Ruhetag“, sagt Kirchner.

Personalproblem

Zuvor hatte Gerry Magee dort – in der früheren „Oldenburger Klause“ (OK), später „Astra Pott“ und schließlich „Pott“ – das „Magee“ betrieben, seit Oktober 2018. Der Oldenburger Wirt, der über 20 Jahre den „Irish Pub“ geführt hat, bevor er ihn seiner Tochter übergab, sagte am Donnerstag: „Das ,Magee’ war ein Herzensprojekt für mich, in das ich viel Geld gesteckt habe. Es tut mir weh, dass es nicht mehr weitergeht. Wir haben es so lange gemacht, bis die Pandemie kam. Seit dem 17. März 2020 haben wir nicht mehr aufgehabt. Das war zu lange.“

Solch ein kleines Lokal mit seinen wenigen Tischen sei wirtschaftlich unter den geltenden Regeln nicht mehr zu führen gewesen. Es habe zwar sogar wieder eröffnet werden sollen, inzwischen gebe es aber auch ein massives Personalproblem in der Branche, das sich auch hier ausgewirkt habe.

Der „Irish Pub“ der Familie, der aber auf jeden Fall weiterlaufe, suche ebenfalls Personal. Magee: „Wegen der Schließungszeit in der Gastronomie waren die Leute zu lange arbeitslos und haben sich etwas Neues gesucht, zum Beispiel im Lebensmitteleinzelhandel und bei den Discountern, wo die Geschäfte weiter gelaufen sind. Dieses Problem hat die ganze Gastronomie zurzeit.“

Gümüs“ und „Orchidee“

Geschlossen haben sowohl die „Orchidee“ an der Bremer Straße – türkische Patisserie & Café – in der ehemaligen Bäckerei Hinrichs als auch das „Gümüs“ – Burger Döner – an der vorderen Nadorster Straße. Beide Betriebe wurden von Ali Osman Özgezer und seinen Partnern betrieben, die auch die ehemalige Rossmann-Fläche neben dem Lappan gastronomisch nutzen wollen.

Özgezer sagte am Donnerstag, er sei aus der Partnerschaft ausgestiegen, weil ihm die Projekte finanziell über den Kopf gewachsen seien, zusammen mit der Pandemie und ihren Folgen habe er sich zum Ausstieg entschlossen. Özgezer, der allerdings seinen „Berlin Döner“ an der Bremer Straße normal weiter betreibt, sagt: „Ich sehe da für mich kein Licht, und ich sehe keine Hoffnung.“

Weiter im Boot sind aber Mehmet und Mustafa Gümüs. Die Brüder haben am Großmarkt in Bremen ein Unternehmen für Gastronomiebedarf. „Für das ,Gümüs’ an der Nadorster Straße verhandeln wir gerade mit einem konkreten Interessenten, der in den Mietvertrag einsteigen würde“, sagte Mustafa Gümüs. Wenn es dazu komme, werde wohl erneut ein Imbiss oder eine Pizzeria dort eröffnen. Die genauen Pläne kenne er aber nicht. Die Fläche neben dem Lappan, die schon teuer gemietet sei, solle „so schnell wie möglich“ renoviert und vorbereitet werden. Eröffnet werden solle möglichst im Frühjahr – ein Lokal mit italienischer und türkischer Küche vom Frühstück bis zum Abendgeschäft.


 

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