Zuschauer erleben „einen historischen Moment“

Artikel vom 28.09.2022

Klaus Händel

Mit dem Treckergespann transportiert Udo Janssen die Glocken vom Landgasthof „Alte Post“ zur hoteleigenen Hochzeitskapelle. Flankiert wird der Transport von den Spekendorfer Jungs. Bild: Klaus Händel

Von der Schnapsidee bis zur Wirklichkeit sind Jahre und Monate vergangen. Doch jetzt steht sie kurz vor ihrer Vollendung: die hoteleigene Hochzeitskapelle des Landgasthofes „Alte Post“ der Familie Janssen in Aurich-Middels, Ortsteil Ogenbargen. Dienstagabend erreichten die Glocken ihr Ziel. Die an der Errichtung der Kapelle Beteiligten und weitere Zuschauer erlebten das Einholen der Glocken als historischen Moment.

„Es ist der letzte große Schritt vor der offiziellen Eröffnung mit einem Tag der offenen Tür. Am Sonntag, 9. Oktober, wollen wir die Hochzeitkapelle der Öffentlichkeit präsentieren“, sagt der Initiator der Kapelle Gerhard Janssen Dienstagabend zu Beginn des feierlichen Einholens mit Pauken und Trompeten.

Vereine musizieren und feiern mit

Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Middels steht bereit, ebenso fünf der vor etwa 40 Jahren gegründeten Spekendorfer Jungs in Frack mit Zylinder sowie weißen Handschuhen. Sie flankieren das von Udo Janssen gefahrene Treckergespann – auf dem Anhänger die beiden Glocken, noch verhüllt.

Glockengießer Eike Scherler, Metallmanufaktur Nordschmiede in Wiesmoor, hatte die große, 140 Kilogramm schwere Glocke am 28. März in einer Glockengießerei in den Niederlanden gegossen. „Es ist schon ein sehr bewegender Augenblick zu sehen, wie die lange geplanten und im Detail ausgearbeiteten Glocken an ihren Platz und damit ihrer Bestimmung näher kommen“, sagt Scherler, bevor sich der Zug zum Einholen der Glocken vom Hotelparkplatz an der B210 zur Kapelle in Bewegung setzt. Auto- und Lkw-Fahrer hupen grüßend im Vorbeifahren.

An der Kapelle angekommen, werden die Glocken von den Spekendorfer Jungs enthüllt. Viele Zuschauer sehen die Glocken jetzt zum ersten Mal. Und während Eike Scherler zusammen mit seinem Vater beginnt, das Geläut in den Glockenturm zu schaffen, bittet die Familie Janssen zu Tisch. Bis die Glocken montiert sind und erstmals angeschlagen werden können, braucht es Zeit und Geduld. Die Hochzeitskapelle ist neu im Nordwesten. „Man muss neue Wege gehen“, sagt Udo Janssen. Der Idee seines Vaters entsprechend sieht er die Kapelle als alternativen Ort für Hochzeiten für Menschen frei von jeder Konfession, die aber nicht auf eine traditionelle Feier im Kreise ihrer Lieben verzichten möchten.

Viele Paarehaben bereits angefragt

Und davon gibt es scheinbar eine ganze Menge. „Nicht nur junge Leute fragen an. Wir haben sogar schon zwei Anmeldungen für Diamantene Hochzeiten im Jahr 2023“, sagt Olga Janssen. Und die erste Grüne Hochzeit sei für den Dezember geplant.

„Heute ist ein großer Tag“, sagt Gerhard Janssen. Er sei mächtig stolz, so weit gekommen zu sein. „Die Entscheidung, eine Hochzeitskapelle zu bauen, ist genau richtig gewesen. Die Nachfrage ist da. Die Anmeldungen laufen, sogar aus Hamburg.“ Gerhard Janssen dankt allen am Bau Beteiligten, dem Musikzug für die musikalische Begleitung.

Vom Glockenturm kommt das Zeichen. Es ist so weit, die Glocken sind montiert. Neugierig setzen sich Familie Janssen, der Musikzug, die Spekendorfer Jungs und Gäste erneut in Bewegung. Wie mögen die neuen Middelser Glocken wohl klingen? „Einfach wunderbar!“ Nicht nur Gerhard und Olga Janssen sind tief bewegt. „Die Glocken klingen exakt so, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Eike Scherler. Er ist hoch zufrieden, seinen ersten Großauftrag so erfüllt zu haben. Und Vater Jürgen Scherler ist stolz auf seinen Jungen.

„Wir hoffen jetzt auf die Befürwortung seitens der Stadt Aurich, dass wir wieder ein Standesamt in Middels bekommen“, sagt Gerhard Janssen. Vor 50 Jahren, vor der Gebietsreform, habe es ein Standesamt in Osterloog gegeben.

Während einer kurzen Festrede zitiert Sonja Müller für die Familie Janssen die Inschrift der großen Glocke: „Im Angesicht weltweiter Pandemie und Krieg in Europa setzen wir Vertrauen in die Menschheit und hoffen auf Gesundheit und Frieden.“


 

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