Stadthalle macht Kopfzerbrechen

Artikel vom 03.10.2022

Hartmut Siefken

Die geschlossene Stadthalle und das Parkhaus im Zentrum verursachen ein jährliches Defizit von zusammen rund 260 000 Euro. Sanierung oder Neubau an alter oder neuer Stelle – der Rat muss eine Entscheidung treffen. Bild: Dirk Gabriel-Jürgens

Das Thema Stadthalle wird Verwaltung und Rat in Wilhelmshaven weiter beschäftigen. Wieder hat die Verwaltung die Initiative ergriffen und dem Rat einen vier-Punkte-Vorschlag gemacht. Wieder wurde die Entscheidung vertagt.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Die Entscheidung über das Ob und Wie einer zukünftigen Stadthalle steht noch aus. Erneut hat die Verwaltung die Initiative ergriffen und dem Rat einen Vorschlag gemacht, der in vier Punkten untergliedert ist:

Vorschlag der Verwaltung

„1. Der Rat beschließt, das Grundstück Grenzstraße 24 als möglichen Standort für einen Neubau der Stadthalle auszuschließen.

2. Der Rat beauftragt die Verwaltung, den Verkauf der Liegenschaft Grenzstraße 24, Jadezentrum und Gerichtstraße 5, Parkhaus im Zentrum (PIZ) vorzubereiten.

3. Der Rat der Stadt Wilhelmshaven spricht sich für die Errichtung einer neuen Stadthalle aus.

4. Die Verwaltung wird beauftragt, die Machbarkeit unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen und personellen Ressourcen zu prüfen. Die vorliegende Nutzungs- und Entwicklungsstudie wird zu diesem Zweck aktualisiert und auf Grundlage dieser ein geeigneter Standort für einen Neubau ermittelt und das Ergebnis dem Rat zur endgültigen Entscheidung vorgelegt.“

Hohe Kosten des laufenden Betriebs

Vorausgegangen war dem die von externen Fachleuten untermauerte Feststellung des Eigenbetriebs Grundstücke und Gebäude der Stadt (GGS), dass ein Weiterbetrieb der Stadthalle wegen dann dringend erforderlicher Sanierungen, die mit über 15 Millionen Euro zu Buche schlagen würden, aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage komme. Zurzeit verursachen das leerstehende Gebäude und das Parkhaus im Zentrum jährliche Betriebskosten von insgesamt rund 260 000 Euro. Zuviel, um die Entscheidung noch länger auf die lange Bank zu schieben, wie Anja Mandt (CDU) im Ausschuss für Planen und Bauen, der am Dienstag in Sengwarden tagte, feststellte.

Der Ratsausschuss befasste sich als erster mit der Vorlage, vertagte aber die weitere Beratung, weil die Diskussion gezeigt hatte, dass es an Informationen fehlt und die Meinungen gegensätzlicher nicht sein könnten.

Was bislang passiert ist

Der Standort Banter See wurde von den von der Stadt beauftragten Gutachtern des Veranstalter-Beratungsunternehmens Bevenue GmbH mit Sitz in München favorisiert.

Das Gutachter-Votum aus dem Jahr 2019 rief eine Bürgerinitiative auf den Plan, die den Banter See-Park als Naherholungsfläche erhalten wissen wollte und rund 9000 Proteststimmen gegen diesen Stadthallenstandort sammelte. Gleichzeitig nahm die Stadt eine Einwohnerbefragung vor, die ebenfalls eine Ablehnung des Standortes Banter See zum Ergebnis hatte.

Darauf fasste der Rat im März 2021 den Beschluss, den Standort Banter See nicht weiter zu verfolgen. An seine Beschlüsse ist der Rat längstens zwei Jahre gebunden.

Meinung der Mehrheit

Detlef Schön (SPD) und Stefan Becker (WIN@WBV) sprachen sich in der jetzigen Planungsausschusssitzung dafür aus, den von den Bürgern in der Befragung favorisierten bisherigen Standort Grenzstraße beizubehalten, der ja auch von den Gutachtern auf Platz zwei gesetzt worden sei, so Schön.

Der Standort sei zentral und verkehrsgünstig. Schön schlug vor, den Abriss des Parkhauses und des Südlichen Teils des Stadthallengebäudes zu prüfen, um auf dem frei werdenden Gelände einen neuen Eingang zu schaffen. Den Baubestand teilweise zu erhalten, sei ökologischer als ein Neubau, meinte Schön.

Geprüft werden sollte auch, so Becker, ob der Abriss des Hochbaus und ein Neubau auf den alten Fundamenten machbar und sinnvoll ist. Namens seiner Fraktion beantragte er, ein Interessenbekundungsverfahren für private Investoren in die Wege zu leiten.

Anja Mandt (CDU) fordert eine baldige Entscheidung.


 

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