Sie zeigen Zivilcourage im Schulbus

Artikel vom 25.11.2022

Thilo Schröder

Engagieren sich künftig als Schulbusbegleiter an der Oberschule Bookholzberg: (vorne von links) Hendrik Hucht, Lukas Mowitz, Kai Ole Droste, Zoe Becker und Yakira Leppert sowie (hinten von links) Myron Martins, Niklas Voigt und Thorge Schröder. Es fehlen: Florian Stoessel und Nadzeya Minich. Bild: Thilo Schröder

Streitereien im Schulbus bekommen Fahrer selten mit. An der Oberschule Bookholzberg wurden jetzt erstmals im Landkreis Schüler als Schulbusbegleiter ausgebildet: Über Zivilcourage und wo sie endet.

Ein Mädchen reserviert im Schulbus einen Platz mit seinem Rucksack. Ein anderes Mädchen setzt sich auf diesen Platz. Es kommt zum Streit. Das reservierende Mädchen holt daraufhin seinen großen Bruder, der dem sitzenden Mädchen Schläge androht. Myron Martins erinnert sich an diese Szene, die er so als Unbeteiligter miterlebt hat, wie er sagt. Zu dem Zeitpunkt habe er Angst gehabt, etwas zu unternehmen, heute würde er den Busfahrer auf die drohende Eskalation ansprechen. Martins und neun weitere Siebt- und Achtklässler der Oberschule Bookholzberg sind gerade vom Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) als ehrenamtliche Schulbusbegleiter ausgebildet worden – als erste im Landkreis Oldenburg, so Veronika Schlierf vom VBN bei der Übergabe der Teilnahmebescheinigungen am Ende der einwöchigen Schulung.

Hingucken und handeln

Ziel des Projekts VBN-Schulbusbegleiter ist es, dass die geschulten Schüler künftig im Schulbus Konfliktsituationen erkennen und lösen, beziehungsweise andere um Hilfe bitten. Trainer von Polizei und Busunternehmen hätten dafür mit den Oberschülern Streitsituationen nachgespielt, die potenziell im Schulbus auftreten können, erklärte Trainer Andre Gieschen von der Verdener Verkehrsgesellschaft „Allerbus“. Das Gelernte könnten diese auch in anderen Alltagssituationen anwenden, etwa am Bahnhof.

Ein solches Ehrenamt sei heutzutage „nicht mehr selbstverständlich“, betonte Schlierf. Mit der Schulung sei nun aber eine Grundlage gelegt, im Zweifelsfall gewaltfrei Zivilcourage zu zeigen: „Man könnte ja auch weggucken“, sagte sie zu den Schülern, „ihr könnt jetzt nicht mehr so tun, als ob nichts wäre.“ Bei allem Engagement gelte jedoch zuvorderst, sich nicht selbst zu gefährden. Schlierf rät den Schülern: „Nehmt Euch nicht zu viel vor, geht nicht davon aus, dass ihr immer alles regeln könnt.“

Andere sollen nachziehen

Geht es nach Schlierf und dem VBN, werden in den kommenden Jahren weitere Schulbusbegleiter an der Bookholzberger Oberschule ausgebildet. Damit die Mitschüler von dem Projekt erfahren, hängt die Schule ein Plakat mit den Namen und Fotos der jetzt Ausgebildeten unter dem Titel „Gib Zivilcourage dein Gesicht“ auf. Außerdem bekommen die Schulbusbegleiter Ausweise und – wenn sie sich in ihrer Aufgabe bewährt haben – Zertifikate, die sie später für Jobbewerbungen verwenden können.

Vor ein paar Jahren habe es schon mal einen Aufruf zur Teilnahme an dem Projekt in der Region gegeben, sagte Schulamtsleiter Maik Ehlers. Als Vertreter des Landkreises Oldenburgs, der Träger der Schülerbeförderung ist, hoffe er, für die Schulbusbegleitung nun „weitere Schulen motivieren zu können“. Auch in der Wesermarsch nehmen bereits Schulen teil. Für Schulen ist die Ausbildung kostenlos. Es gibt sie seit dem Schuljahr 2011/12, mehr als 900 Schülerinnen und Schüler im Verkehrsverbund haben bislang teilgenommen, teilt der VBN mit. Das Konzept dafür stammt ursprünglich aus Bochum und wird inzwischen deutschlandweit übernommen.


 

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