Gemeinderat beendet Regenbogenflaggen-Eklat und setzt ein letztes Statement

Artikel vom 01.06.2023

Eyleen Thümler

In der Gemeinderatssitzung bekamen alle Mitglieder einen Regenbogenaufkleber für ihr Namensschild. So auch Ratsvorsitzender Dirk Warns. Bild: Eyleen Thümler

„Kulturelle Schande“: Die Aussage von Ratsherr Dr. Hans Hortig zur Regenbogenflagge hat Butjadingen in den vergangenen Wochen beschäftigt. In der Gemeinderatssitzung wurde nun eine letzte Stellungnahme ausgesprochen.

Der Butjadinger Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend noch einmal ein klares Zeichen gesetzt: Nicht nur vor dem Rathaus wurde eine Regenbogenflagge gehisst, auch auf ihren Namensschildern hatten die Ratsmitglieder Aufkleber in Regenbogenfarben angebracht. Mit den Aktionen wollten sie zeigen, dass sie offen und tolerant sind und sich von der Aussage ihres Ratskollegen Dr. Hans Hortig klar distanzieren.

Viel Aufsehen

Dieser hatte sich vor einigen Wochen in der Ausschusssitzung für Familie, Jugend, Sport und Kultur zu Wort gemeldet und eine Regenbogenflagge, die vor dem Gästehaus der katholischen Kirche in Burhave hängt, als „kulturelle Schande“ bezeichnet. Die Regenbogenfahne steht unter anderem für die LGBTQI*-Gemeinschaft sowie für Vielfalt und Toleranz. Die LGBTQI*-Gemeinschaft schließt etwa schwule und lesbische Menschen ein, aber auch Bisexuelle, Transmenschen oder Menschen, die sich als nicht-binär, also keinem Geschlecht zugehörig, bezeichnen. Da diese Menschen in der Minderheit seien, sehe Hans Hortig aus der Fraktion der Unabhängigen keine Notwendigkeit darin, diese Flagge hängen zu lassen und forderte die Entfernung.

Lesen Sie dazu„Kulturelle Schande“ – Butjadinger Ratsherr fordert Entfernung von Regenbogenflagge

Die Äußerung hat nicht nur in Butjadingen, sondern auch weit darüber hinaus Wellen geschlagen und für Aufsehen gesorgt. Es gab zahlreiche Reaktionen. Die katholische St.-Willehad-Gemeinde gab eine Stellungnahme ab und machte deutlich, dass der Regenbogen unter anderem auch ein uraltes christliches Symbol darstellt. Der Christopher-Street-Day-Verein Wesermarsch hatte eine Erklärung verfasst, die die Fraktionen des Gemeinderats und zahlreiche weitere Gruppen unterzeichneten. Zudem wurde eine Challenge ins Leben gerufen, mit der die Butjenter zeigen wollten, dass sie weltoffen und tolerant sind. Möglichst viele Regenbogenflaggen sollten dabei aufgehängt werden. Die Burhaver Ortsdurchfahrt glich zwischenzeitlich einer Allee aus Regenbogenfahnen.

Jetzt und in Zukunft

Mittlerweile ist das Thema in den Hintergrund gerückt. Trotzdem wollten sich der Ratsvorsitzende Dirk Warns und seine Kollegen die Möglichkeit nicht nehmen lassen, in der Sitzung des Gemeinderates am Donnerstag ein abschließendes Statement abzugeben. „Klar und deutlich festzustellen ist, dass die in Butjadingen lebenden Bürgerinnen und Bürger, im Moment und auch in Zukunft, ganz nach deren individuellen Lebensvorstellungen und Lebensinhalten uneingeschränkt leben können“, sagte Dirk Warns und fügte hinzu: „Für ein tolerantes Miteinander und Akzeptanz in der Lebensform gibt es genügend Beispiele in Butjadingen.“ Die Fahnen-Aufkleber auf den Namensschildern und die Flagge vor dem Rathaus verdeutlichten das Ganze.

Hans Hortig, der bei der Sitzung des Gemeinderates anwesend war, ließen die Aktionen augenscheinlich kalt. Eine Äußerung zu der Stellungnahme und den Aktionen gab es von seiner Seite aus nicht.


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