NWZ-Talk: Was der Tourismus für den Kurort Bad Zwischenahn bedeutet

Artikel vom 22.08.2023

Wolfgang Alexander Meyer

Im Gespräch über die Zukunft der Gemeinde Bad Zwischenahn: Bürgermeister Henning Dierks, Heike Thomas (Hotel Hansens Haus), Kurdirektor Dr. Norbert Hemken und NWZ-Chefreporter Jasper Rittner. Bild: Sascha Stüber

Wie entwickelt sich Bad Zwischenahn in den kommenden Jahren weiter? NWZ-Chefreporter Jasper Rittner hat mit Verantwortungsträger vor Ort im NWZ-Talk gesprochen.

Bad Zwischenahn - Wie wichtig das Thema Tourismus für die Gemeinde Bad Zwischenahn ist, hat sich beim NWZ-Talk auf der Bad Zwischenahner Woche gezeigt. NWZ-Chefreporter Jasper Rittner hat – unter der Überschrift „Kurort 4.0 – Entwicklung der Gemeinde Bad Zwischenahn“ – die Zukunft des Ortes im Herzen des Ammerlandes in den Fokus seiner Fragen gestellt. Die Antworten gab es vom Gemeindebürgermeister Henning Dierks, Kurdirektor Dr. Norbert Hemken und Heike Thomas, Direktorin vom Hotel Hansens Haus.

Zuallererst interessierte den Chefreporter der aktuelle Stand des ehemaligen Bundeswehr-Geländes in Rostrup, zu dem Bürgermeister Dierks ein Update geben konnte: „Der alte Gebäudebestand ist geräumt und es wurde auch sehr viel Sand gesiebt, um die Rückstände des Zweiten Weltkriegs zu entfernen. Jetzt liegt ein unterschriftsreifer städtebaulicher Vertrag vor und wir planen, das Bauleitverfahren anzustoßen. Wenn die Investoren ihre Hausaufgaben machen, kann es im übernächsten Jahr einen Baubeginn geben.“

Geplant sei eine touristische Nutzung des Geländes, auf dem 40 Ferienhäuser und ein Hotel mit 260 Betten entstehen sollen. Darüber hinaus seien Bauplätze vorgesehen und ein Bereich am Ufer des Meeres, der frei bleiben soll.

Eine Aufstockung der Bettenzahl begrüßte auch Heike Thomas, die keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung für die Wirtschaft und den Einzelhandel in Bezug auf das geplante Hotel sieht. Ihre Erkenntnis aus den vergangenen Monaten sei aber auch, dass die Branche noch mehr auf den angespannten Markt reagieren müsse.

Erfreulich ist laut Kurdirektor Norbert Hemken, dass nach dem Corona-Einbruch die Anzahl der Übernachtungen gestiegen ist. „Wir haben im Vergleich von 2021 zu 2022 ein Wachstum von 30 Prozent, das ist ein Top-Wert. Im Vergleich zu Vor-Corona haben wir aber einen Rückgang von 8,69 Prozent.“ Auch die Anzahl der Betten im Kurort sei mit Blick auf die Vergangenheit deutlich zurückgegangen – aktuell seien es 3600, im Jahr 2004 habe es rund 1000 Betten mehr gegeben.

Immer populärer werde bei den Kurort-Gästen der Radtourismus. „Etwa 20 Prozent unserer Gäste bringen mittlerweile ihre Räder mit“, berichtete Heike Thomas. Gute Nachrichten für die Radfahrer hatte Bürgermeister Henning Dierks, der auf Rittners Nachfrage betonte, dass es keine Planungen in Bezug auf Sperrungen des Radweges um das Meer für Radfahrer gebe. „Wir haben die vorhandenen Wege an vielen Stellen verbreitert und damit mehr Angebote geschaffen – für Radfahrer wie Fußgänger.“

Die Sperrung der „Meile“ im Kurort für Autos bewertet Dierks als erfolgreichen Versuch, auch wenn das Projekt gestoppt worden sei. „Ziel war es, die Aufenthaltsqualität zu steigern, das hat geklappt“, so das Fazit des Bürgermeisters.

Etwas anders hörte sich die Bewertung vom Kurdirektor an: „Eine dauerhafte Sperrung in diesem Bereich steht uns nicht gut zu Gesicht. Wir müssen für Besucher attraktiv bleiben.“ Schließlich bringe der Tourismus eine Wertschöpfung von 150 Millionen Euro im Jahr für die Gemeinde, sichere 2300 Vollzeit-Arbeitsplätze und sei damit eine entscheidende, wenn auch nicht die einzige bedeutende Branche für den Kurort.

Ein Faktor, der viele Betriebe der Tourismusbranche belastet und künftig noch mehr belasten wird, ist die Mehrwertsteuer. „Die liegt noch bei sieben Prozent, wird Ende des Jahres aber wieder auf 19 Prozent erhöht“, sagte Rittner. „Laut Schätzung der Dehoga werden aus diesem Grund eine fünfstellige Zahl von Betrieben in Niedersachsen schließen, weil Kunden ausbleiben“, berichtete Hoteldirektorin Heike Thomas. „Ich denke auch, dass Betriebe schließen werden, aber nicht in Bad Zwischenahn“, war sich in diesem Zusammenhang Kurdirektor Norbert Hemken sicher.


 

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