In dieser Grundschule lernen alle gemeinsam

Artikel vom 08.02.2024

Friederike Liebscher

Jan Reinder Freede, Matthias Welp und Dagmar Sachse (von links) stellten das Konzept der Grundschule auf dem Fliegerhorst vor. Bild: Friederike Liebscher

Vier Lerndörfer für acht Klassen: Die neue Grundschule auf dem Fliegerhorst wird ziemlich anders aussehen, als gewohnt. Auch das klassische „Sitzenbleiben“ wird es dort nicht mehr geben. 

Oldenburg - Diese Chance gibt es selten: Im neuen Stadtviertel auf dem Fliegerhorst in Oldenburg soll auch eine neue Grundschule gebaut werden. „Wir bekommen die Möglichkeit, eine Schule für moderne Anforderungen zu planen. Das schaffen wir bei den anderen Schulen durch Umbauten im Bestand. Hier können wir jetzt ganz neu auf das Thema gucken“, erklärt Sozialdezernentin Dagmar Sachse.

Vier Lerndörfer statt Klassenraum

Was das bedeutet, weiß Jan Reinder Freede, Leiter des Fachdienstes Schulentwicklung der Stadt Oldenburg. In der Fliegerhorst Grundschule sollen Kinder aller Jahrgangsstufen gemeinsam lernen. Die insgesamt acht Klassen der zweizügigen Schule werden dafür auf vier Lerndörfer verteilt. Dort lernen die Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam. „Es wird dann kein Sitzenbleiben mehr geben, man bleibt ein Jahr länger im Lerndorf. Der Klassenraum verliert in diesem Konzept an Bedeutung. Neben den Lerndörfern können sich die Lerngruppen auf einen sogenannten Marktplatz vor dem Raum und in Differenzierungsräume aufteilen“, erklärt er. Jedes Lerndorf habe eigene Toiletten, so entsteht ein geschlossener Bereich. Ziel ist es, dass die Kinder in Gruppen differenziert arbeiten können. „Der Klassenraum verliert an Bedeutung“, so Freede.

Laute und leise Bereiche getrennt

Den jahrgangsübergreifenden Unterricht hat sich die Planungskommission der Fliegerhorst Schule in Bremen-Nord angeschaut. „Wir waren beeindruckt, wie die Kinder zusammen lernen“, berichtet Dagmar Sachse. Am Konzept für die neue Schule in Oldenburg haben Lehrer, Eltern, Schüler und Fachleute zum Thema Inklusion mitgewirkt. Sie haben sich Gedanken gemacht, wie die Räume aufgeteilt werden sollen. Eine große Aula liegt neben den Musik- und Werkräumen und der Mensa mit Naschgarten, neben der Bibliothek gibt es einen Ruhebereich. „Es wird keine Flure zu den Lerndörfern geben, man erreicht sie über die einzelnen Marktplätze“, erklärt Matthias Welp, Leiter des Amtes für Schule und Entwicklung. Damit schaffe man es, dass die Schule trotz der vielen Differenzierungsräume mit nur zehn Prozent mehr Fläche auskomme als sonst üblich. Insgesamt hat man sich in Oldenburg für ein modernes, aber kein radikales Konzept entschieden, erklärt Jan Reinder Freede. „Eine Grundschule mit einer ganz offenen Lernlandschaft und ganz ohne festen Raum ist für Kinder im Grundschulalter nicht immer geeignet. Sie brauchen einen festen Bezugsraum als Heimat.“

Die Stadtverwaltung rechnet für die Fliegerhorst-Grundschule mit Kosten von 12,3 Millionen Euro. Baubeginn könnte 2026 sein, die Fertigstellung im Jahr 2028.


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