Sprudelnde Masken-Quelle

Sven Hunger-Weiland

Kirsten Gräf freut sich, dass sie dank ihres Partners Stefan Willenborg den Umgang mit der Nähmaschine erlernen konnte.       BILD: HUN

EDEWECHT – Gesichtsmasken haben wahrscheinlich gerade Mehl, Hefe und Toilettenpapier den Begehrlichkeitsrang abgelaufen. Und gerade Pflegeeinrichtungen suchen händeringend. In Edewecht sprudelt gerade eine kleine Quelle, die unentwegt Masken produziert. „Ammerland Masken“ heißt das Projekt, das seinen Ursprung beim Heimatverein „Vergnögde Goodheit“ hat.

Gewöhnlich sitzen Kirsten Gräf und Stefan Willenborg eher selten an einer Nähmaschine. Ihre eigentliche Aufgabe ist es, das Gelände beim Freilichtmuseum des Heimatvereins „Vergnögde Goodheit“ in Schuss zu halten und die Gastronomie, die beispielsweise für Veranstaltungen aller Art genutzt wird, zu betreiben.
Doch mit Veranstaltungen ist es zu Coronazeiten eher schwierig. „Am Anfang überwog ein Gefühl der Hilflosigkeit, zumal ich selbst zur Risikogruppe gehöre. Per Zufall hörte ich von einer Freundin, die bei der Diakonie arbeitet, dass dort wie bei vielen anderen Einrichtungen auch Masken-Mangel herrscht. Daraus entstand die Idee, per Facebook einen Aufruf zu starten“, berichtet Kirsten Gräf.
Und die Idee schlug schnell Wellen: Waren es auf Anhieb 14 Engagierte, haben sich mittlerweile rund 90 freiwillige Näherinnen gefunden, um Masken herzustellen. Auch Kirsten Gräf ist kräftig dabei, obwohl sie eigentlich gar nicht nähen konnte. Das jedoch kann ihr Partner Stefan Willenborg als gelernter Textiler: „Er brachte mir den Umgang mit der Maschine bei“, freut sie sich. Rund 500 Masken gehen mittlerweile allein auf ihr Konto – weitere eindrucksvolle 2.500 Masken steuerten die übrigen Mitglieder bisher bei, jeder nach Lust und Fähigkeit. Zwang oder „Sollzahlen“ gibt es nicht, auf die gemeinsame Aktion komme es an. Es gibt auch Helfer, die fahren oder als Büglerinnen tätig sind.

Spenden sind willkommen

Für die Logistik wurde ein zentrales Lager in Edewecht gesucht und in der Pflegeeinrichtung von Thorsten Meilahn gefunden. Er stellte einen Raum als Lager zur Verfügung: „Das ist eine große Hilfe, dass viele Näherinnen und Näher auch aus Bad Zwischenahn kommen“, erläutert sie. Hier werden auch die fertigen Masken gelagert, die dann bei Bedarf an Pflegeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Kinderheime oder ähnliches verteilt werden. Sogar die Oldenburger Straßenengel, die Menschen in Oldenburg betreuen, die zur Corona-Risikogruppe zählen, erhielten 200 Stück. „Auch die eine oder andere Firma oder eine Arztpraxis haben angefragt. Hier bitten wir dann um eine Spende“, erläutert Stefan Willenborg. Davon wird dann Material gekauft, beispielsweise Gummibänder. Diese werden nämlich langsam zur Mangelware und selbst auf Auktionsplattformen zu Höchstpreisen versteigert. Auch Stoffspenden – Decken, Vorhänge, Bettlaken oder andere Textilien aus reiner Baumwolle – sind gerne genommen. Selbst der Draht wurde gespendet. Hier hatte sich die Firma Elektro-Vogel bereiterklärt, Drahtreste zur Verfügung zu stellen.
Wer Kontakt zur Initiative aufnehmen möchte, braucht nur „Ammerland Masken“ bei Facebook eingeben. Spenden kann man auch per Paypal unter ammerlandmasken@gmail.com.


 

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