Ein ganzer Jahrgang lernt jetzt digital

Artikel vom 09.11.2021

Arne Jürgens

In dieser siebten Klasse arbeiten die Schüler ab jetzt mit ihren iPads: Lehrerin Manuela Hillje kontrolliert den Klassenraum mit ihrem eigenen Tablet. Bild: Arne Jürgens

Der komplette siebte Jahrgang des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht arbeitet jetzt im Unterricht mit iPads. Das kommt bei den Schülern gut an, bringt aber auch einige Hindernisse mit sich

Wie der Unterricht der Zukunft aussehen könnte, kann man jetzt am Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht beobachten. Einzelne Klassen, die mit iPads ausgestattet werden, hat es im Ammerland schon vorher gegeben. Dass nun aber ein kompletter Jahrgang den Unterricht umstellt und die Schüler allesamt iPads benutzen, ist eine Besonderheit.

Ergebnisse vorgestellt

In der Klasse von Lehrerin Manuela Hillje stellt Luca (12) seine Ergebnisse des Tages vor. Mit einer digitalen Schnitzeljagd sind die Schüler ins iPad-Zeitalter gestartet. Dabei wurde der Titel eines Klassenbuchs von den Schülern gestaltet, sie machten Fotos ihres Jahrgangsflurs, scannten Regeln für den Umgang mit dem Internet oder zeichneten auf einer Karte verschiedene Standorte der Schule ein – und das alles mit dem Tablet. „Es ist cool, dass wir jetzt einfach mit dem iPad lernen können“, sagt Luca.

Erfahrungen mit Tablets hatten fast alle aus der Klasse schon vorher. „Jetzt brauchen wir keine Bücher mehr, deshalb ist der Schulranzen leichter“, freut sich Lasse (12). Klassenkameradin Marie (12) erzählt, dass das iPad in den Arbeiten statt eines Taschenrechners verwendet werden darf. Bei der Einführung habe es zwar ein paar Schwierigkeiten gegeben: „Aber die Lehrer wussten immer eine Lösung.“

Laut Schulleiter Klaus Friedrich ist der erste Eindruck „äußerst positiv“. Die Erkenntnis, dass es mit der Digitalisierung vorangehen muss, sei durch die Corona-Pandemie weiter gereift. Ende 2020 wurde deshalb der Beschluss gefasst, Tablets im Unterricht einzuführen. Knapp ein Jahr später ist es nun soweit. Seit Montag arbeiten die Schüler der siebten Klassen mit den iPads – das sind genau 198 Schüler. „Es gibt so viele kreative Möglichkeiten für die Schüler“, freut sich Lehrerin Evelin Marquart.

An der Schule gibt es eigens ein sechsköpfiges „iPad-Team“, das sich mit der Einführung der Tabletcomputer befasst. Dazu gehören auch Hillje und Marquart. Einige Lehrkräfte wie Anja Luther hatten sich darüber hinaus selbstständig in die Technik eingearbeitet. Im Unterricht kommt die Software „Jamf School“ zum Einsatz. Damit werden alle Geräte im Klassenraum kontrolliert. „So können wir Apps oder Dokumente an die Schüler verteilen. Arbeitsblätter werden über die AirDrop-Funktion verschickt“, erklärt Luther.

Nicht weit verbreitet

Digitale Schulbücher sind bisher noch nicht weit verbreitet. Deshalb müssen die Schüler mit der Papierform vorliebnehmen. „Teilweise gibt es Bedenken, bei denen, die noch mit Schulbüchern aufgewachsen sind – auch weil die Darstellung so klein sein soll“, meint Hillje. Die Schüler seien es aber gewohnt und würden ganz selbstverständlich mit dem Finger in die Texte hereinzoomen.

Auf eigene Kosten hat die Schule bereits digitale Schulbücher für die Hauptfächer bestellt, um Erfahrungen damit zu sammeln. Ein Problem gab es allerdings bei der Ausstattung der Lehrer: Deren iPads sind noch nicht angekommen. „Viele von uns mussten sich deshalb privat Geräte anschaffen“, bedauert Hillje. Sonst hätten sie nicht mit der Umstellung beginnen können.

Die Schule hat darüber hinaus 90 iPads gekauft, mit denen weitere Klassen ausgestattet werden können. Allerdings gibt es in der Schule keinen Glasfaseranschluss, weshalb die Leitungen gleich in den ersten Tagen etwas überlastet waren – obwohl sich die Schule sogar zwei Internetanschlüsse leistet.

KEINE PRIVATEN APPS

Jedes der Geräte ist mit einem Schülerprofil ausgestattet. Dieses verhindert, dass während der Schulzeit private Apps genutzt werden. Die Zeitschaltung aktiviert sich immer von 7.55 Uhr bis zum Schulende um 13.15 Uhr. Die Schüler könnten also auch zu Hause in der Zeit private Apps nicht nutzen. Der Browser ist aber freigeschaltet. Anders sei das technisch nicht möglich.

Die iPads mussten privat von den Eltern angeschafft werden. Bei der kleinsten Ausführung mit 32 Gigabyte kommen inklusive Hülle und Stift rund 450 Euro zusammen. Allerdings hat der Förderkreis der Schule Familien unterstützt, die finanzielle Probleme bei der Anschaffung hatten. Und: „Andere Kosten wie zum Beispiel für einen Taschenrechner in Höhe von 120 Euro fallen weg“, sagt Schulleiter Klaus Friedrich.


 

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