Ein Leben für die Seemannsmusik

Artikel vom 21.11.2022

Florian Fabozzi

Peter Mittwollen in einem Matrosenhemd aus der Anfangszeit des Shanty-Chors. Nach über 40 Jahren gibt er die Leitung des Chors ab. Bild: Florian Fabozzi

Nach über 40 Jahren ist Schluss: Peter Mittwollen gibt die Leitung des Shanty-Chors Friedrichsfehn ab. Im Gespräch mit der NWZ erinnert sich der 87-Jährige an die Anfänge und an besondere Auftritte.

Vom Ammerland über Cuxhaven und Hamburg bis in die Niederlande – Peter Mittwollen ist mit seinem Friedrichsfehner Shanty-Chor viel herumgekommen. Doch nun ist Schluss: Nach über 40 Jahren als Leiter des Shanty-Chors zieht sich der mittlerweile 87-Jährige aus der Leitung zurück.

Abschied mit Tränen

Ein emotionaler Abschied wie Mittwollen der NWZ verrät: „Bei meinem letzten Übungstag vor zwei Wochen stiegen mir Tränen in die Augen und den anderen ging es genauso.“ Eine Verabschiedung in großer Runde folgte am Mittwochabend im Landhaus Friedrichsfehn. Es ist eine Entscheidung, die dem einstigen Polizeibeamten nicht leicht gefallen war. „Es waren über 40 tolle Jahre und ich habe alle Sänger unwahrscheinlich gerne.“ Trotzdem sei der Rückzug unvermeidlich gewesen. „Da mich so viele Menschen kennen, läuft alles über mich, in meinem Alter wird mir das zu viel“, erklärt er. „Da hab ich mir gesagt: Mensch Peter, du musst auch mal Nein sagen.“

Übungsabende mit 45 Sängern

Mittwollens Weg zum lokal bekannten und geschätzten Chorleiter war nicht gerade typisch. Eine musikalische Ausbildung habe er nicht erfahren. „Anfangs konnte ich nur Akkordeon spielen.“ Das war 1975, als Mittwollen ohne Vorwarnung zum Dirigenten des gemischten Chors Wilhelmslust ernannt wurde, weil die Vorsitzenden sich sorgten, er werde sonst von anderen Chören abgeworben. „Und das nur, weil ich ein paar weiße und schwarze Tasten drücken konnte“, sagt Mittwollen. Das Klavierspielen hat er erst danach gelernt. Vier Jahre später wurde er schließlich auch Leiter vom Shanty-Chor, der schnell zur Erfolgsgeschichte wurde. „An Übungsabenden waren oft 45 bis 48 Sänger dabei“, erinnert er sich. In Gaststätten, in denen sie spielten, reichte Mittwollen Bierdeckel herum, auf denen Interessierte ihre Namen und Kontaktdaten notieren konnten. Papierkram war nicht nötig.

Viele Höhepunkte

Neben vielen kleinen Auftritten gab es ein paar Höhepunkte, auf die Mittwollen bis heute gerne zurückblickt. Einmal durfte der Chor in Oldenburg zu Ehren des langjährigen Landtagsabgeordneten Horst Milde singen. Vor über tausend Leuten spielte der Shanty-Chor einige Jahre später bei einem Jubiläum der Schiffswerft Blohm & Voss in Hamburg. Auch an die Konzerte mit der Blaskapelle Löningen hat Mittwollen gute Erinnerungen. „Die waren immer sehr anspruchsvoll, jeder wollte besser spielen als der andere.“ 35 bis 40 Auftritte im Jahr kamen in den besten Zeiten zusammen, der Chor hatte das ganze Jahr zu tun. Die Verbindung zum Publikum, es zu begeistern und zu animieren, ist das, was Mittwollen am meisten schätzt. „Die Seemannslieder können viele mitsingen, es sind Lieder aus der Heimat, mit denen man die Menschen gut zum Schunkeln bringen kann.“ Mittwollen hat im Laufe der Jahre auch Spaß daran gefunden, eigene Lieder zu schreiben.

Vertrauen in Nachfolger

Als kameradschaftlich, locker und gemütlich beschreiben die Mitglieder den Chor. Jeder, der singen will, darf singen und grundsätzlich könne jeder singen, sagt Mittwollen. Doch leider wollen es heute nicht mehr so viele wie vor 40 Jahren. „Im Shanty-Chor sind nur noch etwa 25 Sänger“, berichtet Mittwollen. Nachwuchs sei rar, das Interesse an Shanty-Musik nehme ab. Aktuell singe der Shanty-Chor nur noch zweistimmig. „Vor allem die Bass-Stimmen sind mit der Zeit weggestorben“, bedauert er. Doch Mittwollen vertraut seinen Nachfolger Jan Garms, dem er persönlich einst das Akkordeonspielen beigebracht hatte: „Er ist ein tüchtiger Bengel und ein guter Vertreter.“

Offizielle Verabschiedung

Im Landhaus Friedrichsfehn ist es am Mittwochabend zur Verabschiedung Mittwollens im großen Kreis gekommen. Nach einer Eingangsansprache der Vorsitzenden Christiane Schlenck-Drinkert, übergab Werner Anneken dem scheidenden Chorleiter einen großen Präsentkorb und zusammen blickten sie auf Veranstaltungen der vergangenen 40 Jahre zurück. Natürlich wurde auch gemeinsam gesungen.

Musik bleibt auch weiterhin der Lebensmittelpunkt für Peter Mittwollen. „Wenn bei größeren Auftritten des Shanty-Chors ein Instrument fehlt, springe ich gerne ein. Ich lasse die nicht in Stich.“ Außerdem leitet er gemeinsam mit einer Musiklehrerin weiterhin den Chor „Wilhelmslust“.

Zuhause nimmt Mittwollen weiterhin jeden Tag sein Akkordeon in die Hand, denn: „Die Finger müssen ja in Bewegung bleiben.“ Auch wenn Mittwollen mit anderen Dingen beschäftigt ist, läuft Musik im Hintergrund, Musiksendungen im Radio oder klassische Musik von Schubert und Brahms. „Musik muss immer dabei sein“, sagt er.


 

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