Fahrdienstleiter der Bahn als Zeuge geladen

Artikel vom 13.06.2024

Frank Jacob

Hier ereignete sich am 3. August 2022 der tragische Unfall: der Bahnübergang Liethe zwischen Rastede und Hahn-Lehmden. Bild: Archiv/Frank Jacob

Im Prozess um den tödlichen Bahnunfall in Liethe hat der Fahrdienstleiter der Bahn als Zeuge ausgesagt. Angeklagt ist ein Bahnsicherungsposten wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Welche Rolle spielten Handys dabei?

Liethe - Was geschah am 3. August 2022 am Bahnübergang Liethe? Wie konnte es dazu kommen, dass gegen 11 Uhr ein Kleintransporter mit einem Zug der Nordwest-Bahn kollidieren konnte? Wer trägt die Schuld daran, dass der 52-jährige Lkw-Fahrer aus Rastede sterben musste? Antworten darauf soll ein Prozess geben, der gerade am Amtsgericht Westerstede läuft. Dort muss sich ein Bahnsicherungsposten verantworten, der an jenem tragischen Tag für die manuelle Sicherung des Bahnübergangs verantwortlich war. Die Schranken waren wegen Bauarbeiten nicht in Betrieb. Gegen den 40-Jährigen aus Essen im Ruhrgebiet wurde Anklage wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung erhoben.

Am Smartphone gedaddelt

Am jüngsten Verhandlungstag verlas Richter Christopher Emden zwei Aussagen von Zeugen, die gegenüber der Polizei gemacht worden waren. Kurz vor dem Unglück passierte demnach eine Polizistin den Bahnübergang. Sie habe gesehen, dass einer der Bahnsicherungsposten im Schatten des Andreaskreuzes hockte und auf seinem Smartphone daddelte. Als die Polizistin, die zu diesem Zeitpunkt nicht im Dienst war, vorbeifuhr, habe der Mann nicht einmal aufgeschaut. Ihre Beobachtung meldete sie an die Polizeistation Rastede.

Eine weitere Zeugin, die den Bahnübergang regelmäßig passiert und ihn auch am Tag des Unglücks, kurz vor dem Zusammenstoß zwischen Zug und Lkw, querte, berichtete der Polizei, dass sie schon häufiger gesehen habe, wie die Sicherungsposten auf ihre Handys schauten. Am 3. August hatte sie den Eindruck, dass etwas passieren könnte. Sie habe gesehen, dass einer der Männer bei geschlossenen Fenstern im Auto lag – trotz der Hitze an jenem Sommertag. Die Situation habe auf sie einen merkwürdigen Eindruck gemacht.

Fahrdienstleiter als Zeuge

Weitere Erkenntnisse über das Geschehen, das zu dem schrecklichen Unfall führte, erhoffte sich das Gericht von der Aussage des Fahrdienstleiters, der am 3. August für den Bahnabschnitt zwischen Rastede und Jaderberg zuständig war. Der 26-Jährige aus Hannover schilderte, dass er die Züge an die Bahnsicherungsposten melden musste. Dies erfolge jeweils in einer Konferenzschaltung über den eigens dafür vorgesehenen GSM-R-Funk der Bahn. Die Gespräche werden aufgezeichnet und gesichert, waren bislang aber noch nicht Gegenstand des Verfahrens, was von der Verteidigung bemängelt wurde.

In der Konferenzschaltung informiert der Fahrdienstleiter die Bahnsicherungsposten über Zugnummer, Fahrtrichtung, die voraussichtliche Abfahrtszeit und die zulässige Geschwindigkeit des nächsten Zuges – im konkreten Fall fünf Minuten vor der Abfahrt im Bahnhof Rastede. Erst, wenn der letzte Streckenposten die Meldung richtig wiederholt hat, darf der Fahrdienstleiter, der in diesem Fall in Hannover saß, dem Zug das Signal zur Abfahrt geben. Einer Tabelle können die Streckenposten dann entnehmen, wann genau sie den Bahnübergang sichern müssen.

Prozess wird fortgesetzt

Kurz vor dem Unfall am 3. August passierte offenbar ein Zug in Richtung Rastede den Bahnübergang, hieß es in der Verhandlung. Richter Emden verlas Angaben eines für die Bahnsicherheit zuständigen Mannes, der gesagt habe, dass der Bahnübergang nach dieser Durchfahrt gar nicht wieder hätte geöffnet werden dürfen, weil die Zeit zwischen den beiden Zügen sehr kurz war. Um weitere Klarheit zu erlangen, soll dieser Mann nun als Zeuge vorgeladen und der Prozess dann fortgesetzt werden.


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