Für Klinikclowns ist Humor die beste Medizin

Artikel vom 05.09.2023

Kerstin Schumann

Sorgen für gute Laune: die Klinikclowns-Nordwest (von links): Armin Huwald, Andrea Voermann, Thorsten Franke und Nina Pohovski. Bild: Johannes Bichmann

Nina Pohovski gehört zu den Klinikclowns-Nordwest. Sie sind an Krankenbetten und in Altenheimen unterwegs.

Westerstede/Oldenburg - Wenn sich Nina Pohovski ihre Clownsnase aufsetzt, verwandelt sie sich in Marilyn. Mit bunter Schminke, witzigen Accessoires, losen Sprüchen und ziemlich vielen Grimassen erobert die Clownin so manches Herz von Kindern, aber auch von Erwachsenen. Denn Humor hilft in schwierigen Lebenslagen, sorgt für Ablenkung und bringt etwas Optimismus zurück. Davon ist die langjährige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Westerstede überzeugt. Sie ist in ihrer Freizeit hin und wieder in Krankenhäusern unterwegs, um kleine Patienten in ihren Krankenbetten aufzumuntern. Auch Hospize, Altenheime und andere Einrichtungen werden von professionellen Clowns besucht, die sich zu den Klinikclowns-Nordwest mit Sitz in Oldenburg zusammengeschlossen haben. Fest eingeplant sind unter anderem das Elisabeth-Kinderkrankenhaus in Oldenburg oder auch die Kinderstationen des Klinikums Leer.

Die Klinikclowns kommen aus der Pflege oder dem pädagogischen Bereich, haben eine Clownschule besucht und eine spezielle Fortbildung absolviert. Sie sind Profis. Für die Einsätze, bei denen sie immer zu zweit unterwegs sind, bekommen die Frauen und Männer eine Aufwandspauschale. „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit“, betont Pohovski, die schon vor mehr als 30 Jahren als Clownin an Krankenbetten stand und zu den Pionieren rund um Laura Fernandez, Gründerin des Vereins „Die Clown-Doktoren“, im Rhein-Main-Gebiet gehörte.

Klassenkasper

Und wie ist sie zu diesem besonderen Hobby gekommen? Begonnen habe alles mit einer hürdenreichen Kindheit, erzählt Pohovski, die als Tochter von Gastarbeitern aus dem ehemaligen Jugoslawien in Frankfurt am Main aufgewachsen ist. Als Kind habe sie mehrere Monate im Krankenhaus gelegen, teilweise isoliert. Auch in der Schule sei es wegen einer Lese- und Rechtschreibschwäche anfangs nicht gut gelaufen. „Ich war damals schon der Klassenkasper, aber dank meiner Lehrerin wurde ich nicht als Störenfried wahrgenommen. Sie hat darin meine Stärke gesehen und hat das gefördert.“ So folgten Aus- und Weiterbildungen und sogar ein Stipendium an einer Kunsthochschule, während sie das Abitur machte. Dann schloss sie ein Studium der Kunstpädagogik und Germanistik an. Humor habe sie ihr Leben lang begleitet, sagt sie.

Zaubertricks und Gesang

Und diese Stärke kommt nun den Kranken zugute. Bei Kindern sei der Zugang meist recht einfach, schildert sie ihre Erfahrungen. Einbezogen würden oft auch Eltern und manchmal sogar das Klinikpersonal. Aber auch Jugendliche und Erwachsene bekommen Besuch von den Klinikclowns.

„Wir klopfen an, gucken rein und merken sofort, ob wir willkommen sind.“ Dann heißt es: improvisieren. Ausgestattet mit den wichtigsten Infos vom Pflegepersonal, testen die Besucher mit den roten Nasen aus, worauf die Patienten positiv reagieren. Manche hörten nur zu, andere spielten gleich mit. Kleine Requisiten kämen zum Einsatz, manchmal Zaubertricks. „Seifenblasen gehen immer“, weiß die Fachfrau. Jeder Clown habe einen eigenen Schwerpunkt. „Ich singe zum Beispiel gerne“, nennt sie ein Beispiel.

Emotionale Distanz

Viele Menschen hat sie im Laufe der Zeit als Klinikclownin besucht. „Darunter waren auch schlimme Schicksale“, erinnert sie sich. Nicht immer sei das einfach zu verarbeiten. Daher sei es wichtig, nicht zu viele Termine zu haben und stets eine gewisse emotionale Distanz aufrecht zu erhalten. Auch eine Supervision könne helfen.

Am Kranksein oder dem Alter könne ein Clown nichts ändern, aber die Atmosphäre verändern und die gesunden Anteile im Menschen aktivieren, fördern, stärken und stützen, weiß die Clownin. „Humor hat eine positive Wirkung“ – davon ist Nina Pohovski überzeugt.

Die Klinikclowns-Nordwest

Ins Leben gerufen wurde das Angebot im Jahr 2000 von Andrea Voermann in Oldenburg. Ein halbes Jahr später kam Nina Pohovski dazu und der Grundstein für die Klinikclownarbeit war gefestigt. Nach und nach beteiligten sich weitere, speziell ausgebildete Frauen und Männer. Sie besuchen Kinderstationen, Alten- und Pflegeheime sowie weitere Einrichtungen in Oldenburg und Umgebung. Es wird gelacht, gezaubert, gespielt und gesungen. Die Klinikclowns sorgen für Leichtigkeit und Ablenkung am Kranken- und Pflegebett. Die Gruppe hat nach einer längeren Corona-Pause wieder ihre Arbeit aufgenommen.

Die Klinikclowns erhalten eine Aufwandsentschädigung. Daher ist der Verein auf Spenden angewiesen. Auf Anfrage können auch Vorträge zum Thema gehalten werden. Gesucht werden weitere interessierte Frauen und Männer aus der Pflege oder dem pädagogischen Bereich, die eine entsprechende Ausbildung zum Klinikclown absolvieren und sich dem Verein anschließen möchten.

Eine Kontaktaufnahme ist unter Tel. 0172/4526222 und per Mail an info@klinikclowns-nordwest.de möglich.


 

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