Geschichtsträchtige Nazi-Villa in Bad Zwischenahn wird abgerissen

Artikel vom 27.10.2021

Günter Marken

Soll abgerissen werden: das geschichtsträchtige Haus Nr. 34 an der Straße Unter den Eichen in Bad Zwischenahn. Hier lebte Sophie Charlotte von Oldenburg. Bild: Günter Marken

In der Villa lebte Sophie Charlotte von Oldenburg ab 1951. Die Schwiegertochter des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. war mit einer Nazi-Größe verheiratet und marschierte in NS-Uniform herum

Ein (weiteres) geschichtsträchtiges Wohnhaus in Bad Zwischenahn steht vor dem Abriss: Sophie Charlotte von Oldenburg (1879-1964), älteste Tochter des Großherzogs Friedrich August II. von Oldenburg und seiner Ehefrau Anna Elisabeth von Preußen und Schwiegertochter des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II., hatte von 1951 bis zu ihrem Tod im Jahre 1964 im Haus Nr. 34 an der Straße Unter den Eichen gewohnt. Der Unternehmer Vigimaran Albert aus Holdorf (Landkreis Vechta) plant nun den Abbruch des Gebäudes und die Errichtung eines Mehrfamilienhauses.

Aktive Nationalsozialistin

Sophie Charlotte von Oldenburg heiratete 1906 in Berlin Prinz Eitel Friedrich von Preußen. Er war der zweite Sohn des deutschen Kaisers Wilhelm II. und der Kaiserin Auguste Viktoria. Die Ehe blieb jedoch kinderlos und wurde 1926 geschieden. Schon im folgenden Jahr trat Sophie Charlotte mit dem Rittmeister Harald von Hedemann erneut vor den Traualtar. Zunächst wohnte das Paar im Palais in Rastede und ab 1933 in einer für sie erbauten Villa in Hankhausen am Rand des Rasteder Parks. Sophie Charlotte und Harald von Hedemann waren bereits sehr früh den Nationalsozialisten zugewandt. So trat Sophie Charlotte im Jahr 1930 unter der Mitgliedsnummer 306.866 der NSDAP bei. Als aktive Nationalsozialisten soll sie oft in NS-Uniform durch Rastede marschiert sein.

Ihr Ehemann Harald von Hedemann war ein hochrangiger SA-Mann, und es bestanden gute Kontakte zu Adolf Hitler, der öfter während seiner Propagandafahrten im Oldenburger Land in Rastede zu Besuch war. In einer Zeitung vom Mai 1932 ist zu lesen: „Auf seinen Agitationsfahrten durch das Oldenburger Land kam Hitler auch mehrere Male durch unseren Ort, wo er dann bei seinem Busenfreund, dem Schwiegersohn des ehemaligen Großherzogs, H. von Hedemann, abstieg. So auch gestern. (…) Im „Hof von Oldenburg“ fand dann eine Häuptlingsbesprechung statt. Dann aber schnell wieder zum Palais zum 3-Uhr-Tee.“

Synagoge angezündet

Harald von Hedemann trat ebenfalls 1930 in die NSDAP ein und war ab 1932 Führer der SA-Standarte 91 in Oldenburg, anschließend Führer der SA-Reiterstandarte 63 und ab 1934 Führer der SA-Brigade 63 in Oldenburg. 1938 wurde er Major der Schutzpolizei und im Oktober 1938 zum SA-Oberführer ernannt.

Im Synagogenbrandprozess 1949 wurden Hedemann und weitere Personen vor dem Oldenburger Landgericht angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Oldenburger Synagoge angezündet und am 10. November die Leichenhalle auf dem jüdischen Friedhof in Osternburg in Brand gesetzt hätten. Der ehemalige SA-Führer von Hedemann wurde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Villa übernommen

Als Hedemann 1951 verstarb, zog Sophie Charlotte nach Bad Zwischenahn in das Haus Unter den Eichen. Die Villa in Hankhausen wurde noch im selben Jahr von der 1949 durch Harry und Gert Helmers gegründeten Emsold-Gesellschaft übernommen. Nachdem sie 1964 verstarb, ging das Haus in Bad Zwischenahn in den Besitz der Kinder ihrer Schwägerin Asta von Hedemann als Erbengemeinschaft über. Inge Sarkander, geborene von Hedemann, lebte hier noch bis 1990.

Der Onkel von Sarkander war der bekannte General und Militärbefehlshaber in Frankreich, Otto von Stülpnagel, der Tausende von Juden verhaften ließ und die Erschießung von Geiseln in Frankreich befahl. Später wurde das Haus von Margret und Walter Bruns von der Ende 1980 stillgelegten Maschinenfabrik Bruns in Bad Zwischenahn bewohnt.

ERINNERUNG

In der Gemeinde Wardenburg erinnert heute noch der Ort Charlottendorf an Sophie Charlotte von Oldenburg, der nach ihr benannt wurde. In Oldenburg gibt es eine Charlottenstraße. Sie befindet sich im Stadtteil Osternburg, wo 1938 die Kapelle auf dem jüdischen Friedhof unter Mitwirkung von Harald von Hedemann angezündet wurde.


 

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