Hier werden männliche Küken nicht geschreddert

Artikel vom 13.01.2022

Arne Jürgens

Er bietet Fleischprodukte aus der Aufzucht von Bruderhähnen an: Hofbetreiber Stefan Claus aus Bad Zwischenahn. In der Fleischbranche ist er damit einer der Vorreiter. Bild: Privat

Seit dem 1. Januar dürfen männliche Küken nicht mehr nach dem Schlüpfen getötet werden. Ein Hofbetreiber aus Bad Zwischenahn will andere Wege finden und dafür auch höhere Kosten auf sich nehmen.

Inzwischen hat wohl jeder einmal die Bilder gesehen, wie ein Haufen männlicher Küken kurz nach dem Schlüpfen fiepend im Schredder landet. Allein in Deutschland wurden laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr etwa 45 Millionen Hühnerküken getötet.

Das Schreddern wurde hierzulande zwar nicht mehr praktiziert, dafür wurden die männlichen Küken mit CO2 erstickt. Die Schwestern werden zu Legehennen, die für unsere Frühstückseier sorgen. Seit dem 1. Januar ist diese Praxis gesetzlich verboten, um das Töten der Hühnerküken einheitlich zu unterbinden.

Alle Küken aufziehen

Die Landwirtschaft muss nun nach anderen Möglichkeiten suchen. Beispielsweise ist eine Geschlechtsbestimmung im Brutei möglich, wonach männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden. Ein Hofbetreiber aus Bad Zwischenahn geht einen eigenen Weg: Stefan Claus will mit seinem Hof Landgenuss zukünftig auch männliche Küken aufziehen. „Mit der artgerechten Aufzucht von Bruderhähnen wollen wir ein Zeichen setzen und das Tierwohl unterstützen“, sagt Claus.

Klar ist aber auch: Der Hofbetreiber lässt die männlichen Küken nicht heranwachsen, damit sie ihr Leben lang auf einer grünen Wiese Körner picken können. Also werden sie geschlachtet, wenn sie einige Wochen alt sind. Da diese Zuchtlinien nicht auf Fleischansatz, sondern auf Legeleistung ausgerichtet sind, eignen sie sich nicht als Brathähnchen. Die Hähne werden stattdessen weiterverarbeitet. Der Hof Landgenuss will zuerst Geflügelfleischwurst, -bratwurst, -salami und Mini-Geflügelfrikadellen anbieten. Laut Stefan Claus sollen weitere Produkte folgen.

Hoher Kostenaufwand

Für Hofbetreiber bedeutet das Aufziehen der männlichen Küken einen erheblichen Kostenaufwand. Denn sie legen keine Eier wie ihre Schwestern, brauchen aber viel mehr Futter und müssen etwa viermal so lang gemästet werden. Aus diesem Grund sieht sich Stefan Claus auch als Vorreiter in der Fleischbranche. Seine Produkte laufen unter der Linie „Oskar, der Bruderhahn, ER ist es uns wert!“. Von der aufwendigen Aufzucht bis zur komplizierten Verarbeitung bleibe alles unter Federführung von Hof Landgenuss.

„Es ist eine Marke mit einer wahren Geschichte. Ich bin auf dem Bauernhof meiner Großeltern aufgewachsen, dort hatten wir viele Hühner und einen Hahn namens Oskar“, erzählt Claus. Dieser sei ein kleiner Rebell gewesen, der immer wieder ausbüxte und sich nur schwer einfangen ließ: „Dieser tapfere Hahn gab mir die Idee zu der Marke.“

Mit seinen Produkten wolle der Hofbetreiber aus Bad Zwischenahn vor allem qualitätsbewusste Kunden ansprechen. Denn klar ist auch: Sie werden etwas mehr kosten, um den Mehraufwand zu finanzieren.


 

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