Im Aper Wintergarten auf die Welt gekommen

Artikel vom 17.01.2022

Doris Grove-Mittwede

Hatte es besonders eilig, auf die Welt zu kommen: Der kleine Rashid im Arm seiner Eltern Kadrieh und Jwan Medwir, dahinter (v.l.) deren Tochter Siham und Hebamme Ewa Junker-Jasiurska sowie Kristina Kirchner und auf ihrem Arm Rashids Schwester , Gulbuhar. Bild: Doris Grove-Mittwede

Hausgeburten sind selten geworden: Doch manchmal haben es Kinder, wie der kleine Rashid aus Apen, eilig und sind schneller, als der Rettungswagen kommen kann.

Silvester ist für viele Menschen ein aufregender Tag: Das gilt auch für die Familie Medwir, die aus Syrien stammt, Ende 2015 ins Ammerland kam und seit Februar 2016 in Apen lebt. Der letzte Tag des Jahres 2021 wird für Jwan (34) und seine Frau Kadrieh (25) immer etwas Besonderes bleiben: Frühmorgens – um 1.27 Uhr – kam ihr Sohn Rashid zur Welt: bei einer spontanen Hausgeburt im Wintergarten.

Schnelle Geburt

„Ich plane keine Hausgeburten, aber in einigen Fällen sind die Kinder eben schneller als der Rettungswagen“, sagt Hebamme Ewa Junker-Jasiurska, die Kadrieh Medwir betreut. Die Familie kennt die Aperin schon seit einigen Jahren, stand sie doch der jungen Mutter auch schon vor und nach der Geburt von Rashids älteren Schwestern Siham (3) und Gulbuhar (2) zur Seite.

Schnell zur Stelle

„Rashid hatte es eilig, auf die Welt zu kommen. Es war eine rasche, schöne und komplikationslose Geburt“, berichtet die Hebamme. Mitten in der Nacht – „Ich schlafe immer neben dem Handy und habe meinen Koffer mit meinen Sachen immer griffbereit“ – hatte die Hebamme einen Anruf von Kristina Kirchner bekommen. Die 35-jährige Altenpflegerin wohnt auf der Nachbarschaft der Medwirs in Apen und kümmert sich zusammen mit ihrem Vater schon seit Jahren um die syrische Familie. Zustande kam dieser Nachbarschaftskontakt, der längst zu einer Freundschaft wurde, über die älteste Tochter – die sechsjährige Meryem. Das Mädchen hatte sich oft in der Nähe des Kirchnerschen Hauses aufgehalten, Kristina Kirchner angesprochen und sie zum Kaffeetrinken nach Hause eingeladen. Über das Kind, das Kristina Kirchner auch bei den Hausaufgaben unterstützt, entstanden enge Familienkontakte.

„Ich hatte Jwan gebeten, sich sofort zu melden, wenn die Geburt seines vierten Kindes bevorsteht“, berichtet die Altenpflegerin. Das tat der Familienvater auch in der Nacht vom 30. auf dem 31. Dezember.

Mit dem Auto wollte der Syrer, der seit über zwei Jahren als Bauarbeiter beim Aper Bauunternehmen Fepa arbeitet und stetig seine Deutschkenntnisse verbessert, seine hochschwangere Frau ins Krankenhaus bringen. Doch dazu kam es gar nicht mehr.

Schon Presswehen

Kristina Kirchner hatte nach dem nächtlichen Anruf sofort Hebamme Ewa Junker-Jasiurska informiert und den Rettungswagen gerufen, bevor sie zu den Medwirs eilte. Drei, vier Minuten später war auch die Aper Hebamme bei der Familie: Kadrieh saß in einem Stuhl im Wintergarten und bekam bereits Presswehen, das Köpfchen des Kindes war schon zu sehen. Wenig später war das Rettungswagen-Team vor Ort und eine Rettungssanitäterin namens Lisa habe – zum ersten Mal in ihrem Leben – eine Nabelschnur durchtrennen dürfen, wie die Hebamme berichtet. „Ich selbst war gerade zwölf Minuten da, dann war Rashid bereits geboren“, sagt Ewa Junker-Jasiurska, der die Familie Medwir wegen ihres schnellen Kommens und der tollen Betreuung sehr dankbar ist. Mutter und Kind kamen anschließend ins Krankenhaus, wo sie vier Tage blieben.

Eilige Geburten

Riesig ist die Freude bei allen über den gesunden Jungen, der bei seiner Geburt 2980 Gramm wog und 51 Zentimeter groß war. In der Familie Medwir ist Rashid nicht der einzige, der es eilig hatte und nicht in einem Krankenhaus geboren wurde: Seine Eltern kamen in Syrien auch jeweils daheim zu Welt. Und Rashids Schwester Gulbuhar ist wie er ein echtes „Aper Kind“: Das Mädchen wurde vor zwei Jahren im Rettungswagen vor der Haustür geboren.


 

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