Ist die Pandemie überstanden, Herr Töpfel?

Artikel vom 13.04.2022

Jan-Michael Heimann

Stefan Töpfel aus Westerstede. Bild: Privat

So viele Maßnahmen sind weggefallen, wie nie seit der Pandemie. Intensivpfleger Stefan Töpfel spricht im Interview darüber, ob die Pandemie nun überstanden ist – und warum die Maske wichtig bleibt.

Seit zwei Jahren beschäftigt die Corona-Pandemie das Weltgeschehen. Aktuell ist eine Phase, in der so viele Einschränkungen weggefallen sind, wie noch nie in dieser Zeit. Es macht den Eindruck, die Pandemie sei überstanden. Aber ist das tatsächlich so? Die NWZ hat den Westersteder Stefan Töpfel nach seiner persönlichen Meinung gefragt.

Frage: Seit Omikron sind die Inzidenzen auf Werte angestiegen, die zu Beginn der Pandemie unvorstellbar waren. Nun sind die meisten Maßnahmen aber gekippt. Ist Omikron ungefährlich und haben wir die Pandemie nun überstanden?

Stefan TöpfelEine absolute Antwort, ob die Pandemie überstanden ist, kann ich nicht geben. Ich denke, dass es irgendwann eine weitere Variante geben wird. Es ist meines Erachtens nur eine Frage der Zeit. Jetzt Richtung Sommer ist es ruhiger, auch wenn die Inzidenzen sehr hoch sind.

Frage: Herbst und Winter waren in dieser Pandemie immer die härtesten Zeiten. Sollten wir im Hinterkopf behalten, dass das womöglich wieder so kommen wird?

Stefan Töpfel: Das sollte man unbedingt im Hinterkopf behalten. Es wird sicher so sein, dass die Maßnahmen noch mal verstärkt werden müssen. Wir haben im Moment eine hochansteckende Variante, die zum Glück gemäßigt ist in ihren Auswirkungen. Aber nicht folgenlos. Es gibt Menschen, die da wirklich sehr schwer erkranken. Wenn wir jetzt diese hohe Infektiosität behalten und dazu eine gefährlichere Variante haben und uns in der Zwischenzeit in Sicherheit gewogen haben, dann wird es schwerfallen, wieder anzufangen. Das Zurücklehnen ist gefährlich.

Ich denke, dass es im Herbst einen nächsten Schub geben wird. Deshalb hat das Tragen einer Maske auch Symbolcharakter, ähnlich wie der Eisbär für die Polschmelze steht, so steht die Maske derzeit für Corona. Die Maske muss gesellschaftlich akzeptiert bleiben. Sie visualisiert das ansonsten unsichtbare Virus. Wir dürfen nicht aufhören, uns mit Corona zu beschäftigen.

Frage: Gehen wir also aktuell zu leichtfertig mit der Situation um, oder sind die Lockerungen angebracht?

Stefan Töpfel: Der Mensch möchte schon, dass gelockert wird. Einigen geht es dann aber vielleicht zu schnell. Es stehen viele Leute im Konflikt mit sich. Ich mache das gerne an der Maskenpflicht fest. Sie ist weitestgehend gefallen. Im privaten Bereich mit zwei, drei Leuten, mit der Familie oder mit der Nachbarschaft, da spielt die Maske gar keine Rolle mehr.

Die Abstände zwischen den Leuten eigentlich auch nicht, da geht man relativ locker mit um. Wenn man aber einkaufen geht, da spreche ich auch von mir selbst, da setzt man sich als Erstes die Maske auf. Selbst wenn der Laden leer ist.

Das zeigt: der Mensch möchte beides. Ich möchte frei sein, aber ich möchte auch was gegen die Verbreitung von diesem Virus tun.

Frage: Die Maskenpflicht ist das eine, die Impfpflicht ist das andere. Sie wird auf absehbare Zeit nicht für alle kommen. Für Ihre Berufsgruppe gilt sie aber. Können Sie das nachvollziehen?

Stefan Töpfel: Ich sage mal so: Für den Bereich im Krankenhaus oder im Pflegeheim macht es absolut Sinn. In anderen Bereichen aber auch. Ob es nun eine Impfpflicht sein muss – ich glaube, es wäre richtig, wenn man die Leute anders abgeholt hätte. Viele sprechen sich weiter gegen das Impfen aus, auch in den Berufsfeldern der Krankenhäuser, der Arztpraxen und der Pflegeeinrichtungen. Da hat sich eine „Ich bin dagegen-Dynamik“ entwickelt. Das halte ich für schlecht, für „infektionsdienlich“.

Frage: Heißt: Impfen in Ihrer Berufsgruppe ist sinnvoll, aber es braucht keine Pflicht für alle?

Stefan Töpfel: Bei der nächsten Gelegenheit hole ich mir die nächste Impfung. Ich wurde mit drei verschiedenen Impfstoffen geimpft.

Bei der Impfpflicht für alle kann ich aber auch gut nachvollziehen, dass sich der Gesetzgeber damit schwertut. Ich bin gegen so eine Impfpflicht. Ich finde es eben besser, wenn die Leute anders abgeholt werden. Für mich ist die Sache eindeutig: Es geht im Moment nichts über das Impfen.

Frage: Wenn Sie es entscheiden würden, wären dann am Wochenende die Fußballstadien voll?

Stefan Töpfel: Nein. Auch wenn ich leidenschaftlicher Werder Bremen-Fan bin, das Stadion meide ich derzeit.

ZUR PERSON

Stefan Töpfel ist 50 Jahre alt und wohnt in Westerstede. Er arbeitet seit 25 Jahren in der Ammerland-Klinik. Neben seinem Beruf als Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege ist Töpfel auch in der Politik tätig. Für die Grünen sitzt er im Westersteder Stadtrat und im Kreistag. Er selbst hat vor etwa einem Monat eine Corona-Infektion durchgestanden.


 

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