Quartett bringt junges Blut in den „Spohler Krug“ – Alles über die neuen Pächter

Artikel vom 25.03.2024

Karsten Röhr

Führen jetzt den „Spohler Krug“ (v.li.): Tomasz Schymanowksi und Lea Steffen-Schymanowski mit Kati Steffen und Timor Razag.

Der „Spohler Krug“ ist eine Institution. Nach dem Abschied von Gerold Müller hat die große Traditionsgaststätte jetzt den Eigentümer gewechselt und neue Betreiber. Wir stellen die neuen Pächter vor.

Oldenburg - Marie und Jonas Bredehorn stehen an der Theke, aber nicht für ein Bier: „Wir hätten gerne drei Karten für den 1. Mai.“ Jonas ist gerade 18 geworden, jetzt können die Geschwister das erste Mal zusammen auf die große Frühtanz-Party des „Spohler Krugs“. Marie Bredehorn sagt: „Wir kommen aus Zetel. Unsere Eltern waren hier früher auch schon, die haben sich hier bei der Mai-Party kennengelernt.“

Dass am „Spohler Krug“ auch künftig so schön gefeiert werden kann, stellen jetzt Lea Steffen-Schymanowski (24) und Tomasz Schymanowski sicher. Das junge Paar, das noch in Oldenburg wohnt, hat den Betrieb gepachtet und nahtlos übernommen.

Der „Krug“ mit Saal, Hotel und Restaurant war für 1,35 Millionen Euro vom Westersteder Immobilienunternehmen Ahting & Eilers angeboten worden. Monatelang herrschte Unklarheit, ob es für die große Traditionsgaststätte weitergehen würde. Auch Wiefelstedes Bürgermeister Jörg Pieper hatte sich dafür stark gemacht. Nun soll ein Oldenburger Gastronom die Gaststätte erworben haben und verpachtet sie.

Paar zieht in „Krug“

Gerd Schmidt von Ahting & Eilers hatte im Vorfeld gesagt: „„Wenn das jemand anpackt, hat so eine Gaststätte Zukunft.“ Und dieses Paar packt an. Es sieht und mag die Mischung aus großer Aufgabe und großem Potenzial. Tomasz Schymanowski sagt: „Wer nichts riskiert, kommt auch nicht voran. Wir haben natürlich Respekt davor, aber auch große Lust darauf.“ Der neue Eigentümer ist ein Freund der beiden. Auch er wolle, dass die Sache gelinge und im Spohler Krug mit seinen Säulen aus Hotel, Kneipe, Restaurant, Saalbetrieb und dem Gelände ein weiteres, gutes Kapitel aufgeschlagen werden könne, sagt Schymanowski.

Der 42-Jährige wartet seit vielen Jahren die Roboter-Anlagen im Mercedes-Werk in Bremen, im „Technischen Zentrum Dach“, dort, wo alle Dächer verbaut werden, von GLC über EQC bis zum GT, für 365 Autos pro Schicht. Diese Stelle wird er jetzt stark reduzieren, aber aus Sicherheitsgründen nicht ganz aufgeben. Seine Frau wird mit Kati Steffen, ihrer Mutter, und deren Lebensgefährten Timor Razag, der aus der Gastronomie kommt, mit dem Team die ganze Zeit vor Ort sein. Das junge Paar, das im vergangenen August im „Patentkrug“ in Etzhorn geheiratet hat, baut drei Hotelzimmer der Gaststätte um und zieht von Oldenburg in den Spohler Krug, schon am 1. April.

„Komme vom Dorf“

Lea Steffen-Schymanowski sagt: „Wir beide lieben alte Sachen. Wir finden es schön, wenn man so etwas erhalten kann. Wir sind hier direkt mit dem Schnitzelbuffet gestartet und haben mit jedem Tisch einen getrunken, na gut, mit fast jedem, sonst wäre es zu viel gewesen“, lacht sie. „Das Schöne hier ist das Persönliche. Ich komme auch so richtig vom Dorf, aus Helmste, da kennt jeder jeden, man hilft sich. Das ist eine Geborgenheit. Das liebe ich.“ Natürlich dauere es, „bis man in so eine Dorfgemeinschaft reinkommt“.

Schon mal helfen wird es, dass sie hier nicht nur mit Energie und Freude starten, sondern am „Spohler Krug“ auch praktisch alles weiterführen: „Natürlich bleiben das Alu-Schnitzel, das Schnitzelbuffet, die Spargeltouren, ab Januar die Kohlfahrten, zehn Discos im Jahr, auch eine Teenie-Disco, die Freiluftfete, der Hotelbetrieb“, sagt Lea Steffen-Schymanowski. „Ausbauen wollen wir den Event-Bereich für Hochzeiten, Junggesellenabschiede, Tagungen, alles, was im großen Stil möglich ist, wir machen aber auch Sommerfeste für Familien mit Kindern. Die Anfragen nehmen schon zu, von der kleinen Familienfeier bis zum Seniorennachmittag mit 350 bis 400 Teilnehmern, der zuletzt 2019 stattgefunden hat.“

„Stück für Stück“

Die junge Wirtin, die in Hamburg in einem Dualen Studium an der Uni „Sozialpädagogik und Management“ studiert und in einem Wohnheim für psychisch Erkrankte gearbeitet hat, hat Voltigieren als Leistungssport betrieben, bis zur Deutschen Meisterschaft. Fürs Studium hat sie in der Gastronomie gejobbt. Tomasz Schymanowski ist als kleiner Junge mit seinen Eltern über Nacht von Danzig nach Hamburg gezogen, als sein Vater, ein Kfz-Meister, von den Machthabern für sein Solidarno??-Engagement bestraft werden sollte. Er sagt: „Wir haben hier bei Null angefangen.“

Stück für Stück will sich das Paar nun in Spohle etwas aufbauen. Seine Frau sagt: „Egal mit wem wir es zu tun haben, ob das die Gäste sind, ob das der Landkreis Ammerland ist, alle sind supernett zu uns, und alle sind froh, dass es hier weitergeht.“ Und das Team ziehe mit, angefangen von Olaf Düser, der 33 Jahre in der Küche ist, über Long Hoang, der 20 Jahre dabei ist, bis zu Insa Bönkendorf im Service. Tomasz Schymanowski sagt: „Das funktioniert wie eingeschmierte Zahnräder.“ Drehen werden die sich in diesem Jahr auch an Ostern. Marie Bredehorn aus Zetel sagt: „Wir freuen uns, dass es hier weitergeht, egal ob Disco oder Freiluftfete, hierher kommt nicht nur die Jugend, auch das mittlere Alter, im ,Spohler Krug’ hat jeder Spaß.“


 

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