Planerische Unwägbarkeiten

Sven Hunger-Weiland

Dichtes Gedränge herrscht alljährlich im beliebten „Kinderstede“ auf dem Westersteder Marktplatz. Aber genau das ist auch das Problem, weshalb die Aktion für das Corona-Jahr abgesagt werden musste.BILD: ARCHIV

AMMERLAND  – Die Corona-Krise würfelt auch die Urlaubsplanung der allermeisten Eltern gehörig durcheinander. Viele Kinder werden die Ferien in diesem Jahr zu Hause verbringen müssen. Umso mehr sind sie angewiesen auf Angebote in den eigenen Gemeinden. Doch diese haben mit planerischen Unwägbarkeit zu kämpfen, da niemand weiß, wie sich die Krise in den kommenden Wochen und Monaten entwickelt. Die ersten Konsequenzen wurden gezogen.
Die Gemeinde Apen hat als erste die Reißleine gezogen: Hier wird der begehrte Ferienpass auf jeden Fall nicht stattfinden. „Wir haben uns dazu entschlossen, damit auch die Vereine Planungssicherheit haben. Außerdem gehören viele der Vereinsaktiven zur sogenannten Risikogruppe“, begründet Gemeindejugendpflegerin Annegret Abermann-Plagge diese frühzeitige Entscheidung. Im Gegenzug soll das Hortangebot zur Betreuung von Kindern im Grundschulalter aufgestockt werden – von 20 auf 30 Plätze.

Optionen offen halten

Ganz anders wird in den anderen Ammerländer Gemeinden mit dem Problem Corona umgegangen. In der Kreisstadt Westerstede beispielsweise will man sich noch alle Optionen offen halten und eine endgültige Entscheidung so lange wie möglich herauszögern. „Wir planen zur Zeit mit einem Ferienpassangebot. Allerdings wissen wir noch nicht, wie dieses konkret aussehen wird. Bestimmte Veranstaltung werden sicherlich ausfallen“, erklärt Sozialdezernent Rico Busch. Dazu gehört beispielsweise die beliebte Aktion „Kinderstede“, bei der es in den vergangenen Jahre zahlreiche Kinder in die Zeltstadt auf dem Westersteder Marktplatz gezogen hat. Auch über ein erweitertes Betreuungsangebot in den Ferien wird nachgedacht – wie dies ist allerdings konkret aussehen kann, ist noch völlig offen, erklärt Rico Busch.
Auch die Gemeinde Edewecht möchte den Ferien passt nicht missen. Sie plant bisher mit einer Durchführung, allerdings auch hier mit der Einschränkung, dass bestimmte Veranstaltungen nicht stattfinden werden. „Letztendlich werden wir auch hier den Vereinen Entscheidungsfreiraum einräumen, denn sie sind für die Angebote verantwortlich“, erklärt Jugendpflegerin Carmen Rohe. Auch über eine Erweiterung der Ferienbetreuung wird nachgedacht – konkrete Zahlen gibt es aber noch nicht.

Kurzfristig reagieren

Ebenfalls mit einem Ferienpass-Angebot plant die Gemeinde Wiefelstede, auch hier nach den offiziellen Vorgaben: „Natürlich müssen Abstands- und Hygieneregeln einhaltbar sein. Einige Vereine wurden bereits angesprochen, ihre geplanten Aktionen entsprechend zu modifizieren“, erläutert Jugendpflegerin Maren-Isabell Meyer. Vorteil in Wiefelstede: In diesem Jahr wird erstmals ein komplettes Online-System eingeführt. „Damit können wir wesentlich kurzfristiger reagieren“, erhofft sich die Jugendpflegerin. Zeltlager oder Busfahrten werden entfallen, insgesamt müsse man sehr flexibel reagieren. Und auch eine Ferienbetreuung wird es wieder geben. An einen Ausbau wird allerdings nicht gedacht, so die zuständige Mitarbeiterin Sigrid Lemp.
Für die Gemeinde Bad Zwischenahn wäre eine Komplettabsage des Ferienpasses ebenfalls verfrüht: „Auch bei uns ist das Angebot getragen durch die Vereine, oft durch langjährige Teams, die zu den Risikogruppen gehören. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen“, erläutert der zuständige Dezernent Wilfried Fischer. Auch Hortangebote wird es in Ofen, Petersfehn und Kayhauserfeld wieder geben, eventuell sogar erweitert. Aber hier seien die Planungen noch ganz am Anfang und müsste auch die Entwicklung der Krise genau im Auge behalten werden.
Bedeckt hält sich auch die Gemeinde Rastede: „Für gewöhnlich halten wir zwei Angebote, die Ferienaktionen und eine Ferienbetreuung, vor. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und anderer Regeln lassen sich die meisten Aktionen so nicht umsetzen. Und auch die Ferienbetreuung, die zusammen mit dem Jugendwerk der AWO in der Grundschule Kleibrok stattfindet, muss noch abgeklärt werden“, so Gemeindepressesprecher Karsten Tenbrink.
Viel Unsicherheit für die Eltern also, die in den Ferien zumeist daheim bleiben und vielfach auch arbeiten müssen.


 

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