Neurologie als dritte Säule in Zwischenahn

von Christian Quapp

PRÄSENTIEREN DIE PLÄNE FÜR DIE NEUE NEUROLOGISCHE REHA (VON LINKS): DR. NORBERT HEMKEN, AXEL WEBER, DR. ANTONIO SANTORO UND DR. GÜNTER DIETZ. BILD: CHRISTIAN QUAPP

Kooperationsvereinbarung zwischen Reha-Zentrum am Meer und Ammerland-Klinik

Das Reha-Zentrum am Meer in Bad Zwischenahn bekommt ein zusätzliches Standbein. Neben der Orthopädischen und der Onkologischen Klinik wird es zukünftig auch eine Neurologische Rehabilitation im Kurort geben. Starten sollen die Behandlungen von Patienten, die sich beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einem schweren Unfall in Bad Zwischenahn erholen sollen, bereits im zweiten Quartal 2024.

Kooperation vereinbart

Dafür kooperiert das Reha-Zentrum am Meer intensiv mit der Ammerland-Klinik, die zu den größten Neurologischen Einheiten im Nordwesten Deutschlands gehört. Dort gibt es bereits seit 2019 die Neurologische Früh-Reha unter Leitung von Dr. Antonio Santoro. In der Früh-Reha sind die Patienten in der Regel noch schwer pflegebedürftig, werden teilweise beatmet, eine Mitarbeit in der Therapie ist kaum möglich, wie Santoro erläutert. Für die Ammerland-Klinik war es bisher oft schwierig, nach dieser Behandlung den nahtlosen Übergang in die nächste Phase der Reha zu organisieren. Oft würden Anträge mit langem Vorlauf bei den Kostenträgern gestellt, um eine rechtzeitige Verlegung zu ermöglichen. Neurologische Reha-Angebote gibt es aktuell unter anderem in Oldenburg, Wilhelmshaven und Lingen.

Ein Bedarf an zusätzlichen Plätzen sei definitiv gegeben, erklären Reha-Geschäftsführer Dr. Norbert Hemken und Axel Weber, Hauptgeschäftsführer der Ammerland-Klinik.

Ortsnahe Versorgung

„Die Gespräche mit unseren Kostenträgern haben uns in unseren Plänen bestärkt“, sagt Dr. Norbert Hemken. Die Kooperation von Ammerland-Klinik und Reha-Zentrum am Meer sei ein entscheidender Schritt, um die optimale und wohnortnahe Versorgung von Patienten sicherzustellen, so Weber.

Geplant ist in der Kooperation auch die enge medizinische Zusammenarbeit zwischen Reha-Zentrum und Ammerland-Klinik. „Sobald es der medizinische Zustand der Patienten zulässt, erfolgt zukünftig die nahtlose Verlegung in das Reha-Zentrum am Meer“, sagt Dr. Günter Dietz, Ärztlicher Direktor im Reha-Zentrum am Meer.

Große Investition

Bevor die neurologische Reha ihren Betrieb voll aufnehmen kann, sind aber umfangreiche Baumaßnahmen nötig. Gebäudeteile aus den 1970er-Jahren werden teilweise abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Der erste Bauabschnitt soll im Januar 2022 starten, der zweite Ende 2024. Das Investitionsvolumen beträgt rund 44 Millionen Euro. Insgesamt wird es rund 120 neurologische Behandlungsplätze geben. 82 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.

Neue Infrastruktur und neues Personal

Neurologische Rehabilitation erfordert große Anstrengungen im Reha-Zentrum am Meer

Mit der Einrichtung einer Neurologischen Reha bekommt das Reha-Zentrum am Meer ein drittes Standbein. „Die Etablierung der Neurologischen Rehabilitation ist eine herausragende Chance für das Reha-Zentrum am Meer und die gesamte Region. Sie schließt eine Lücke in der medizinischen Versorgung im Nordwesten, sichert bestehende Arbeitsplätze und schafft auch neue“, sagt Geschäftsführer und Kurdirektor Dr. Norbert Hemken. Die Vorbereitungen dazu laufen seit mehreren Jahren – auch vor dem Hintergrund eines deutlichen Sanierungsbedarfs in den Altbauten aus den 1970er-Jahren.

Neue Kompetenzen

„Wir wissen seit zehn Jahren, dass wir die Gebäude erneuern müssen“, so Hemken. „Dann tat sich die Frage auf, ob wir in diesem Zuge auch unsere Kompetenzen erweitern.“ In der Orthopädie, dem Schwerpunkt des Reha-Zentrums, habe sich in den vergangenen 30 Jahren viel getan. Neue Operationstechniken und Implantate wurden entwickelt. „Es stellt sich die Frage, ob wir diese Größenordnung so halten können“, sagt Hemken.

Die Orthopädie solle wichtigstes Standbein des Reha-Zentrums bleiben. „Wir brauchen aber eine dritte Säule“, so Hemken. Bei den Neurologischen Erkrankungen gebe es nicht nur aktuell einen Bedarf an Reha-Plätzen, Prognosen wiesen auf eine weiter steigende Zahl von Patienten hin.

Optimaler Partner

Mit der Ammerland-Klinik sei der optimale Partner direkt in der Nachbarschaft. Deshalb habe es auch schon lange Gespräche gegeben, um die Kooperation vorzubereiten.

„Wir sind froh, dass wir eine so starke Klinik in der Region haben“, so Hemken. Jeder bringe seine Stärke in die Kooperation ein, die es im übrigen auch schon beim Aufbau der orthopädischen Rehabilitation gegeben habe. Für den Bereich der Neurologie soll sie aber noch deutlich intensiver werden. Auch die Krankenkassen hätten das Projekt einstimmig unterstützt.

Von ihnen sei sogar die Anregung gekommen, neben der Phase C, der zweiten Phase nach der Früh-Reha, auch noch Plätze für Phase D vorzusehen. In dieser Phase ähnele die Reha sehr der im orthopädischen Bereich, viele Therapien seien deckungsgleich, weshalb das zusätzlich gewünschte Angebot leicht anzubieten sei, so Dr. Norbert Hemken.

Neues Personal

Die erste Phase der neurologischen Therapie, die künftig in Bad Zwischenahn angeboten wird, weist dagegen erhebliche Unterschiede zum bisherigen Angebot auf. Anders als bei Orthopädie und Onkologie werde sich Therapie und Nahrungsaufnahme der Patienten fast komplett auf der Station abspielen, Gruppentherapien werde es in diesem Bereich kaum geben. Mehr als 80 neue Arbeitsplätze sollen geschaffen werden, mit teilweise neuen Berufsbildern für das Reha-Zentrum. „Logopäden gibt es bei uns bisher noch gar nicht.

Wir trauen uns aber zu, diese Fachkräfte am Markt zu finden, das haben wir auch bei der Onkologie mit 30 neuen Arbeitsplätzen geschafft“, so Hemken. Auch Dr. Günter Dietz als ärztlicher Direktor ist sicher, dass das Reha-Zentrum mit seinen Mitarbeitern den Anforderungen gewachsen sein wird. „Wir haben das bei allem Wandel in der Orthopädie bewiesen und zuletzt, als wir während der Corona-Krise Akut-Krankenhaus geworden sind.“


 

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