Oldenburger Straße gesperrt – Bäckerei gehen Kunden aus

Artikel vom 02.11.2022

Arne Jürgens

Bäckermeister Leroy Boehm gehen die Kunden aus: Wegen der Vollsperrung an der Oldenburger Straße ist der Umsatz der Meisterbäckerei Bohne enorm zurückgegangen – und die Arbeiten könnten sogar noch länger dauern als angekündigt. Bild: Arne Jürgens

Die Sperrung der Oldenburger Straße in Bad Zwischenahn hat Auswirkungen auf die dortigen Geschäfte. Der Meisterbäckerei Bohne gehen die Kunden aus. Hilfen bekäme der junge Bäckermeister nicht.

Seit die Oldenburger Straße in Bad Zwischenahn gesperrt ist, gehen einigen dort ansässigen Geschäften die Kunden aus. Eines davon ist die Meisterbäckerei Bohne in Kayhausen, die sich mitten innerhalb des gesperrten Bereichs befindet. Der 29-jährige Bäckermeister Leroy Boehm fühlt sich in seiner Situation alleingelassen: „Egal, wen ich kontaktiert habe, es gibt keine Unterstützung.“ Aktuell halte er nur durch, weil er die Corona-Hilfen noch nicht zurückzahlen müsse. Also muss der Bäcker sprichwörtlich kleinere Brötchen backen.

Von Krise zu Krise

Seit Juli 2019 steht der junge Bäckermeister in seiner Backstube am Backofen. Er hatte also direkt die Corona-Jahre zu verkraften – und nun kommt die Vollsperrung dazu. „Ich habe noch keine vernünftige Saison gehabt“, sagt Boehm. Neben ihm arbeiten noch sein Bruder als Auslieferungsfahrer, seine Frau im Büro und eine Aushilfskraft für den Verkauf im kleinen Betrieb. „Wären wir größer, hätten wir uns von Mitarbeitern trennen müssen. Es gab nie die Gelegenheit, Rücklagen aufzubauen.“

Zu allem Überfluss kommen noch die stark gestiegenen Strom- und Energiekosten dazu. Ein großer Backofen verbraucht viel Starkstrom, dementsprechend hoch fällt die Rechnung aus. „Der Strompreis hat sich von 6,2 auf 33,8 Cent pro Kilowattstunde erhöht – das ist mehr als das Fünffache“, rechnet Boehm vor. Und da weniger verkauft wird, weshalb weniger produziert werden muss, kann er den Ofen auch nicht mehr so effektiv nutzen.

Zwar könnte man die Bäckerei über den Weethornweg oder den Jückenweg erreichen und auch die Streckenposten an der gesperrten Oldenburger Straße sind angehalten, die Kunden passieren zu lassen, doch nur wenige Kunden machen von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Umweg zum Bäcker

Das liegt laut Bäckermeister Leroy Boehm auch an den Beschilderungen: „Wenn dort steht, dass es keine Durchfahrt und keine Wendemöglichkeit gibt, fährt niemand in die Straße herein.“

Von ihm an den Absperrungen angebrachte Zettel, die auf den geöffneten Bäcker hinweisen, seien wieder entfernt worden. „Man hat uns gesagt, das sei Sachbeschädigung“, so Boehm. Zudem würden der „Durchfahrtsverkehr“ in Richtung Bad Zwischenahn und andersrum normalerweise für viele Kunden sorgen.

Mit den Streckenposten müsste man diskutieren, ob man passieren darf, meint Boehm. Dabei sei er in seinem Firmenfahrzeug eindeutig zu erkennen. Auch Kunden könnten nicht immer passieren – obwohl dies angekündigt worden war.

Der 29-Jährige kann die aktuelle Misere in Zahlen bemessen: So würde die Bäckerei normalerweise rund 600 Euro Umsatz am Tag machen, nun seien es nur noch rund 70 Euro. „Ich verliere rund 24 000 Euro Umsatz in dieser Zeit“, sagt Boehm. Für ihn sei klar: „Im November startet das Weihnachtsgeschäft. Wenn das kaputt gemacht wird, brauche ich gar nicht wieder aufmachen.“ Nur dank seiner Großkunden, wie dem Rewe Center in Bad Zwischenahn, könne sich die Bäckerei über Wasser halten. Dort wird ein Teil der Ware verkauft.

Aus Zeitung erfahren

Von der Sperrung der Oldenburger Straße hatte Boehm erst in einem Artikel auf NWZonline erfahren. Daraufhin habe er sofort die Gemeinde und den Landkreis kontaktiert. Zwei Tage später sei ein Zettel mit der Sperrungs-Ankündigung im Briefkasten gewesen.

Angekündigt wurde die Sperrung gegenüber unserer Redaktion zunächst bis zu diesem Samstag, 29. Oktober. Allerdings hat Boehm die Information, dass die Straße bis zum 11. November gesperrt bleibt – mindestens. Denn man gehe bereits davon aus, dass die Arbeiten noch länger dauern könnten.


 

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