Schwerkranker Bad Zwischenahner kämpft um seinen Hund Ben

Artikel vom 11.01.2022

Arne Jürgens

Glücklich zusammen: Torsten Krüger mit seinem Hund Ben. Der schwarz-weiße Mischlingsrüde wurde vom Veterinäramt als „gemeingefährlich“ eingestuft – zu Unrecht, wie sein Besitzer behauptet. Bild: Arne Jürgens

Nach einem Vorfall mit einer Katze hat das Veterinäramt Ben als „gemeingefährlich“ eingestuft - ohne das Tier jemals gesehen zu haben. Das bringt viele Probleme für den schwerkranken Besitzer aus Bad Zwischenahn mit sich.

Hunde und Menschen können eine besondere Verbindung aufbauen. Beim schwerkranken Torsten Krüger aus Bad Zwischenahn ging es sogar soweit, dass der Hundebesitzer sagt: „Ich hatte heftige Depressionen. Als ich meinen Hund Ben bekommen habe, bin ich da schnell wieder rausgekommen.“ Der 55-jährige gelernte Küchenchef ist seit 2011 krank geschrieben. Er leidet unter einer Fibromyalgie. Dabei handelt es sich um eine chronische Schmerzerkrankung, die sich durch Schmerzen in verschiedenen Körperregionen äußert.

Gefährlich eingestuft

Doch nun gibt es ein Problem. Seit einigen Monaten gilt Ben als „gemeingefährlich“. Laut Veterinäramt stelle der schwarz-graue Mischlingsrüde eine „Gefahr für Mensch und Tier“ dar. Das bedeute viele Einschränkungen: Nur noch der schwerkranke Krüger darf mit dem Hund rausgehen, seine beiden Töchter nicht mehr. Zudem muss dieser immer an einer kurzen Leine geführt werden. Dabei habe im Veterinäramt nie jemand Ben zu Gesicht bekommen. Grund für die Einstufung sei ein Vorfall mit einer Katze.

Torsten Krüger und Ben waren am 8. September mit Nachbarin Christine Schier und deren Hündin spazieren. „Normalerweise lasse ich Ben nicht los, aber die Leinen hatten sich verheddert“, sagt Krüger. Denn Ben sei zwar ein tolles Tier, laufe aber Katzen hinterher. Diesmal nutzte der Hund die Gelegenheit und rannte durch ein Gebüsch auf eine schneeweiße Katze zu. „Ben ist stehengeblieben. Dann ist ihm die Katze ins Gesicht gesprungen. Daraufhin hat er sie gepackt und zur Seite geworfen“, meint Nachbar Simon Förster, der die Situation beobachtet habe. Der Hund habe aber nicht zugeschnappt oder zugebissen.

Vorfall mit Katze

Die Katzenbesitzerin meldete den Vorfall am 16. September beim Veterinäramt des Landkreises Ammerland. Belege für mögliche Verletzungen von einem Tierarzt gab es angeblich nicht. Durch einen tragischen Trauerfall in der Familie habe Krüger daraufhin einen Termin verpasst, um sich mit Ben beim Veterinäramt vorzustellen. In einem Schreiben wurde er dann aufgefordert, sich unverzüglich bei einer Hundeschule anzumelden. „Da ich nur Hartz IV bekomme, konnte ich das nicht sofort machen“, so Krüger. Den theoretischen Teil seines Hundeführerscheins habe er schon absolviert.

Er sei von Anfang an der Lüge bezichtigt worden, was seinen Hund angeht, behauptet Krüger. Der Landkreis Ammerland hatte zu den Vorwürfen keine Stellung bezogen. Ein vereinbarter Termin sei dann von einer Hundeschule wieder abgesagt worden. Wahrscheinlich wegen der Einstufung von Ben als „gemeingefährlich“, vermutet Krüger.

Hund aufgenommen

Besitzer und Hund haben einen bewegenden Weg hinter sich. „Ben brauchte dringend ein Zuhause. Er kommt aus dem Hundeschutz und wurde in Spanien gerettet“, erklärt Krüger. Am 21. Juli nahm er den ungefähr sieben Jahre alten Mischling bei sich auf. Nachbarin Christine Schier hatte Kontakt zum Verein „Wir für Hunde in Not“ hergestellt.

Sie setzte sich dafür ein, dass der schwerkranke Krüger den Hund bei sich aufnehmen konnte. Denn auch Ben ist nicht gesund: Der Hund leidet nach dem Stich einer Sandmücke unter einer sogenannten Mittelmeerkrankheit und braucht deshalb spezielles Futter. Für Torsten Krüger und Ben war das eine glückliche Fügung, denn die beiden fanden schnell zueinander. „Ich weiß, wie es ist, wenn man krank ist und einen keiner mehr will“, sagt der Bad Zwischenahner. Nun kämpft er weiter für seinen Hund.


 

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