Sie wollen Kindern eine Lern-Alternative geben

Artikel vom 22.11.2021

Arne Jürgens

Engagieren sich für eine Freie Schule in Bad Zwischenahn: (v.li.) Hanna Schlüter, Ilka Bünting, Katja Neumann und Dr. Sebastian Hermann sind allesamt Eltern aus der Gemeinde Bad Zwischenahn. Bild: Privat

Viele Kinder kommen im Schulsystem nicht klar. Für sie wollen Eltern aus Bad Zwischenahn eine Alternative schaffen: Sie planen, eine Freie Schule in der Gemeinde aufzubauen

Wer sich an seine Schulzeit zurückerinnert, wird meist auch an Zeiten denken, in denen man keinen Spaß hatte. Viele Kinder kommen in der Schule nicht mit, der Stoff geht an ihrer Lebensrealität vorbei, sie sind über- oder unterfordert. Im streng durchregulierten Schulalltag bleibt für solche „Ausreißer“ oft kein Platz.

Ein „alternatives Lernen“ wollen nun Eltern aus Bad Zwischenahn mit einer Freien Schule in der Gemeinde für alle Kinder ermöglichen. Dafür suchen sie Unterstützung. „Im staatlichen Schulsystem gibt es wenig Möglichkeiten für die Kinder, sich selbst zu entfalten“, erklärt Ilka Bünting, die sich mit Gleichgesinnten dafür einsetzt, eine Alternative nach Bad Zwischenahn zu holen: „Wir wollen eine andere Schulform anbieten, in der Punkte wie Lernfreude, neue Formen der Wissensvermittlung, empirisches Lernen, aktuelle Themen und Entfaltungsfreiheit im Mittelpunkt stehen.“

Keine Lust auf Schule

Das ging auch Unterstützerin Katja Neumann so. Als ihr Sohn fünf Jahre alt war und bald eingeschult werden sollte, machte sie sich Sorgen. Mit dem aktuellen Schulsystem ist sie nicht zufrieden, darin bestärkte sie auch ihr Pädagogik-Studium. Nun will sie mit ihren Mitstreitern selbst eine Alternative anbieten. „Es geht darum, die natürliche Freude der Kinder am Lernen aufrechtzuerhalten. Das kommt in der staatlichen Schule oft zu kurz“, so Neumann. Bereits nach wenigen Jahren hätten viele Kinder keine Lust mehr, zur Schule zu gehen.

Anfang 2020 startete Ilka Bünting einen Aufruf, um sich über das Interesse an einer Freien Schule in Bad Zwischenahn auszutauschen. „Die Resonanz war gleich riesengroß“, sagt sie. Dort traf Bünting auch zum ersten Mal auf Katja Neumann und Dr. Sebastian Hermann, Schulleiter der Freien Schule in Oldenburg. Inzwischen arbeiten sie als Interessengemeinschaft gemeinsam mit Hanna Schlüter an ihrem Ziel: eine Freie Schule in Bad Zwischenahn einrichten.

Unterschiede im Lernen

Mit Dr. Hermann ist jemand dabei, der als Schulleiter bereits viele Erfahrungen aufweist. Er hat drei große Unterschiede zu staatlichen Schulen ausgemacht: Das sind zum einen die Individualität im Lernen: „Jedes Kind bekommt seinen eigenen Lernplan, um seine eigenen Interessen und Neigungen zu verfolgen.“

Ein weiterer Punkt ist die Projektarbeit: „Lerninhalte sollen fächerübergreifend in Projekten vermittelt werden.“ Statt Politik, Erdkunde und Geschichte gibt es dann Gesellschaftslehre; aus Chemie, Bio und Physik werden Naturwissenschaften – so, wie man es auch aus Integrierten Gesamtschulen kennt.

Drittens sind die Jahrgänge übergreifend: „Die ersten und zweiten Klassen werden zusammen unterrichtet. So bringen die älteren Kindern den kleineren etwas bei und lernen dabei selbst noch etwas.“

Interesse bekunden

Um ihre Idee zu verwirklichen, braucht das Quartett sogenannte Interessensbekundungen zur Aufnahme. „Diese sind unverbindlich und stellen noch keine Anmeldung dar“, stellt Bünting klar. Es gehe darum, den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, um so in die konkrete Planung einzusteigen.

Wer Fragen zur Freien Schule hat oder die Interessensbekundung unterzeichnen möchte, findet diese auf der Homepage der Freien Schule Bad Zwischenahn. Die E-Mail-Adresse lautet info@freieschule-bz.de. Die Gruppe ist auch bei WhatsApp und Instagram aktiv.

KOSTEN UND KLASSEN

Eine Freie Schule ist eine Privatschule, für die Schulgeld bezahlt werden muss. Sie befindet sich in freier Trägerschaft, daher kommt auch der Name. Zum Vergleich: Der Sockelbetrag liegt bei der Freien Schule Oldenburg bei monatlich 140 Euro für Grundschüler, in den höheren Klassen sind es 20 Euro mehr. Dazu kommt ein nach Einkommen der Eltern gestaffelter Individualbetrag von monatlich 0 bis 250 Euro.

In Bad Zwischenahn sollen einmal alle Klassenstufen von der Einschulung bis zum Abitur angeboten werden. An der Freien Schule könnten staatliche Abschlüsse erzielt werden. Die Interessengemeinschaft ist bereits auf der Suche nach passenden Gebäuden. Die Schule könnte bereits mit einer geringeren Schülerzahl starten. Als Einzugsgebiet wird das gesamte Ammerland betrachtet.


 

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