Aufgereihtes Wir-Gefühl

Sven Hunger-Weiland

Katrin Karafiat (mit Tochter Emma) hat am Zwischenahner Meer im wahrsten Sinne des Wortes den Stein ins Rollen gebracht. Praktisch täglich wächst die kreative Steinkette gegen die Langeweile und für das Wir-Gefühl.     Foto: hun

Dreibergen. Was tun gegen den „Lagerkoller“, der sich gerade bei Kindern während der Corona-Krise schnell einstellen kann. Katrin Karafiat aus Elmendorf musste sich diese Frage auch stellen um Tochter Emma zu beschäftigen. So entstand die Idee der „Zwischenahner Steinkette“, ein kreatives Symbol der Hoffnung, das stetig weiter  aus unzähligen liebevoll gestalteten Steinen wächst.

Wer auf dem Rundweg ums Zwischenahner Meer spazieren geht und in Höhe des Hotels Seerose in Dreibergen startet, der wird ganz zwangsläufig auf die Steinkette aufmerksam. Anfang April hatte sie dort die erste Steine, die sie zusammen mit Ehemann Wolfgang und Tochter Emma angemalt hatte, entlang des Weges aufgereiht. Mittlerweile erstreckt sich die Reihe über 50 Meter und besteht aus rund 800 kleinen Kunstwerken – Marienkäfer und Gesichter, Regenbögen oder sogar Steine, die im Dunkeln leuchten – der Phantasie ist praktisch keine Grenze gesetzt.

„Die Idee stammt aus Kirchhellen, dort hatte eine Familie die Idee, um ihren Kindern die Langeweile zu vertreiben“, erklärt sie. Dankbar nahm sie die Idee auf, nicht ahnend, dass es hier so große Resonanz geben könnte. Eigens für die Aktion hat sie eine eigene Facebook-Gruppe eingerichtet, die unter „Zwischenahner Steinkette“ erreicht werden kann. In kürzester Zeit sind über 200 Mitglieder beigetreten. „Aus einer Idee gegen die Langeweile ist irgendwie eine Aktion geworden, die das Wir-Gefühl in diesen schwierigen Zeiten stärkt und die auch über die Distanz ein Gemeinschaftsgefühl weckt“, freut sich Katrin Karafiat.

Dabei beteiligen sich mittlerweile längst nicht nur mehr Kinder an der Aktion: „Als ich davon erfahren habe, musste ich auch gleich Steine gestalten“, gibt Maren Riedeger zu. Auch sie hatte von der Aktion per Zufall über Facebook erfahren. Mittlerweile dokumentieren auch viele Nutzer ihre Kreationen auf dem Fotobereich der Seite. Und auch Katrin Karafiat wird nicht müde, die Kette regelmäßig zu dokumentieren und schöne Beispiele ins Netz zu stellen.

Ziel sei es, dass die Kette über die Zeit der Krise stetig weiter wachse, soweit sie kann. Ob sie einmal ums Zwischenahner Meer reichen wird, sei zwar bei zwölf Kilometer umfang recht schwer vorstellbar – aber das sie noch erheblich wachsen wird, sei gewiss. In diesem Zusammenhang bittet sie auch alle Passanten, die schönen Steine liegen zu lassen – einige seien bereits mitgenommen worden.

Was im Anschluss, wenn Corona irgendwann einmal Geschichte ist, mit den Steinen passiert, weiß Sie noch nicht: „Ich hoffe, das möglichst viele Steine die Witterung überstehen. Sicher ist, dass mit den Steinen etwas passiert, sie sind ja auch so etwas wie ein Zeitdokument zur Corona-Krise. Aber darum werden wir uns zu gegebener Zeit kümmern“, erklärt sie. Und bis dahin sind alle Bürger aufgerufen, noch den einen oder anderen Stein beizusteuern – natürlich nicht nur aus Dreibergen oder Elmendorf.


 

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