Tierisches Leben in der Versuchsstation

Artikel vom 21.11.2021

Klaus-Peter Jordan

Dem „DigiSchwein“-Projektteam – hier Lena Münzebrock in der neuen Ferkelaufzucht – geht es um eine tiergerechte und ressourcenschonende Schweinehaltung. Bild: Ziegeler/LWK Niedersachsen

Beim Projekt „DigiSchwein“ in Bad Zwischenahn hat die Praxisphase begonnen. Erstmals wurden jetzt 120 Ferkel eingestallt

In die Versuchsstation für Schweinehaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) in Wehnen (Bad Zwischenahn/ Kreis Ammerland) ist in diesen Wochen nach einjähriger Aufbauzeit tierisches Leben eingekehrt. Mitte Oktober wurden erstmals 120 vier Wochen alte Ferkel im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Verbundprojekts „DigiSchwein“ eingestallt. Nach Erreichen eines Gewichts von 25 Kilogramm ziehen die Tiere in eines der beiden benachbarten „DigiSchwein“-Mastabteile um. Dort läuft derzeit bereits der zweite Mastdurchgang.

Mehr Wohlbefinden

Ziel des Digitalisierungsprojekts „DigiSchwein“ ist eine passgenaue Farmmanagement-Software, die schweinehaltende Betriebe dabei unterstützen soll, Veränderungen im Bestand deutlich früher zu erkennen und damit das Wohlbefinden von Sauen, Ferkeln und Mastschweinen nachhaltig zu verbessern. Das Frühwarnsystem soll Tierhaltende z.B. in die Lage versetzen, schneller auf Krankheiten, auf aggressives Verhalten sowie auf bevorstehende Geburten zu reagieren. Die digitale Anwendung soll außerdem die Betriebsmitteleffizienz steigern und die Umwelt durch Nährstoffreduktion, wie Gülle, schonen helfen.

Welche Sensoren dazu im Betrieb einzubauen sind, welche Daten gesammelt werden und wie sie ausgewertet und in der Software eingesetzt werden müssen, will die LWK in ihrer Versuchsstation in Wehnen zusammen mit Projektpartnern aus Wissenschaft und Wirtschaft klären.

Kamera und Mikro an

„Übergeordnet geht es uns um die Weiterentwicklung der tiergerechten und ressourcenschonenden Schweinehaltung mithilfe digitaler Ansätze“, sagt Dr. Marc-Alexander Lieboldt, Koordinator des Experimentierfelds „DigiSchwein“, „ein großer Teil des Projekts umfasst hierbei die Verhaltens- und Gesundheitsüberwachung der Tiere mittels Kamera- und Mikrofontechnik.“ Über jeder Bucht hängt mittig eine Sensoreinheit, die detailliert das Stallklima überwacht. „So haben wir neben der Temperatur und Luftfeuchtigkeit auch stets die Lichtintensität sowie die Schadgase CO2 und Ammoniak im Blick“, erklärt Projektmitarbeiterin Lena Münzebrock. In jeder Bucht gibt es außerdem vor den Tränken zwei Messstationen: Diese können ein Ferkel über dessen Ohrmarke individuell erkennen und gleichzeitig das Körpergewicht des Tieres mittels 3D-Kameras bestimmen. Anhand von Durchflusssensoren in den Tränkeleitungen weiß das Projektteam, welches Ferkel wie viel Wasser verbraucht hat.

All diese Informationen kommen gemeinsam mit Daten zu den Nährstoffgehalten der Futtermittel, der Gülle und der Abluft nicht nur den Schweinen, sondern auch der Umwelt zugute. „Die Digitalisierung kann durch automatisierte Erfassung und Dokumentation helfen, die innerbetrieblichen Nährstoffströme in der Schweinehaltung transparenter und effizienter zu gestalten“, erläutert Gerold Tammen, Projektmitarbeiter im LWK-Fachbereich Energie, Bauen, Technik.

Viele Projektpartner

Zur zusätzlichen Beschäftigung der Langschwanz-Ferkel fallen viermal pro Tag in jeder Bucht Luzernepellets aus einem Rohr auf eine Kunststoffmatte. „Am Anfang erschrecken sich die Ferkel darüber noch etwas – aber sie gewöhnen sich schnell daran und beginnen interessiert, in dem Material zu wühlen“, weiß Münzebrock.

Zum Projektverbund zählen neben der LWK die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, OFFIS e.V., das Johann Heinrich von Thünen-Institut, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und die Georg-August-Universität Göttingen. Anfang 2023 sollen die Projektergebnisse vorliegen.


 

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