Tourismus ist hart getroffen

Sven Hunger-Weiland

Gerade bei Radfahrern ist das Ammerland beliebt. Hier hofft die Ammerland-Touristik auf neue inländische Reise-Impulse.      BILD: HELMUT BEHRENDS

AMMERLAND – Corona trifft die Wirtschaft hart – aber am meisten leiden die Gastronomen oder auch Hotels und andere Unterkünfte. Und das treibt den Touristikern gerade die Schweißtropfen auf die Stirn. Auch Frank Bullerdiek, Chef der Ammerland-Touristik, macht sich Sorgen und sieht sich immer häufiger Fragen ausgesetzt, die er noch nicht beantworten kann, darunter über den neuen Begriff der „Wiederbelegungsfrist.“

Gewisse Dramatik

„Nach den aktuellen Plänen dürfen die Gastgeber ab dem 11. Mai wieder öffnen. Sie müssen aber eine Wiederbelegungsfrist von sieben Tagen einhalten. Diese Umsetzung stellt praktisch alle Touristiker vor ein Rätsel, weil es noch keine Ideen über die Umsetzung gibt“, erläutert Frank Bullerdiek.  Problem: Das Ammerland lebt von vielen Kurztouristen – durchschnittlich 3,2 Übernachtungen verbleibt jeder Gast im Landkreis. „Da ist die Sieben-Tage-Regelung nur schwer umsetzbar“, fürchtet Bullerdiek, zumal die Gastgeber den Gästen erklären müssten, warum sie trotz freier Plätze zuhause bleiben müssten. „Wir erhalten zurzeit täglich Anrufe, die wir nicht beantworten können“, klagt er.
Die ersten Monate müssen die Gastronomen abschreiben und insgesamt geschätzte 300.000 Übernachtungsgäste weniger verkraften. Durchschnittlich werden im Ammerland alljährlich rund 3,5 Millionen Übernachtungen gezählt: „Die Monate Januar bis März war eigentlich auf Rekordkurs: Wir waren ausgebucht wie nie – das beste Jahr überhaupt.“

Hoffnung auf neue Ausrichtung

Auch wenn das Defizit sicher beachtlich wird, so hofft Frank Bullerdiek auch auf positive Corona-Effekte: „Der Outdoor-Gedanke hat an Fahrt aufgenommen – 75 Prozent der Deutschen bleiben im Urlaub im eigenen Garten oder könnten sich einen Aktivurlaub vorstellen.  Während Fliegen teuer und umständlich wird und auch bei den Kreuzfahrten Einbrüche zu verzeichnen sind, stehen Radfahren und Wandern im Inland höher im Kurs. Und da hat das Ammerland ja seine Stärken.“ Die Einbußen seien zwar nicht mehr einholbar, aber es könnte – je nach Witterung – eine gute Nebensaison mit einem äußerst buchungsstarken Oktober geben. „Da wäre ein zweite starke Infektionswelle auch für die Tourismuswirtschaft ein Supergau“, fürchtet er.
Auch Wirtschaftsförderer Fred Carstens sieht den Tourismus unter besonderem Druck. Insgesamt sieht er jedoch auch die Möglichkeit, dass das Ammerland mit einem „Blauen Auge“ davonkommt: „Wir haben hier einen sehr leistungsstarken Branchenmix mit vielen familiengeführten Mittelständlern, die schon länger am Markt gefestigt sind und die sehr professionell mit der aktuellen Situation umgehen. Das hat auch bei der großen Finanzkrise 2008 geholfen.“
Probleme gäbe es allerdings bei den Solo-Selbstständigen und den Existenzgründern. Diese würden schnell in eine wirtschaftlich bedrohliche Situation geraten. Allerdings würden die kommunalen Förderprogramme auch in der Krise weiter laufen, um Gründer bei notwendigen Investitionen für den Neustart zu unterstützen.


 

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