Von anfänglichen Zweifeln zu einer Erfolgsgeschichte

Artikel vom 18.04.2022

Lars Ruhsam

Blühender Auftakt: Der Park der Gärten startet am Freitag in die Saison. Bild: Park der Gärten/Hans-Jürgen Zietz

Der diesjährige Saisonstart des Parks der Gärten ist ein besonderer. Denn vor 20 Jahren begann mit der Landesgartenschau in Bad Zwischenahn die Erfolgsgeschichte der Anlage.

Pünktlich zu den Ostertagen startet der Park der Gärten am Karfreitag, 15. April, in die neue Saison. Und diese ist eine ganz besondere, denn es gibt ein kleines Jubiläum zu feiern. Vor 20 Jahren, am 19. April 2002, eröffnete der damalige Ministerpräsident Sigmar Gabriel auf dem ehemals militärisch genutzten Gelände in Rostrup die erste Landesgartenschau in Niedersachsen. Sie war der Grundstein für den heutigen Park der Gärten.

Ein Anruf und Zweifel

Die Geschichte beginnt jedoch bereits zwei Jahre früher. „Mitte Januar 2000 erhielt ich einen Anruf aus Hannover mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, für Niedersachsen die erste offizielle Landesgartenschau in Bad Zwischenahn durchzuführen. Etwas überrascht und völlig unvorbereitet habe ich sofort ja gesagt“, erinnert sich Zwischenahns damaliger Bürgermeister Jan-Dieter Osmers. Es folgten Gespräche über Finanzierung und Konzept, über eine Garantie des Landes, einen eventuellen Verlust zu übernehmen. Erst im August, so Osmers, habe die Entscheidung zur Durchführung endgültig getroffen werden können. Bedenkenträger habe es reichlich gegeben, sagt auch Peter Schulze, damals Bad Zwischenahns Kurdirektor. Bis hin zu einer kompletten Ablehnung der Anfrage hätten die Stimmen gereicht.

Auch auf Kreisebene war zunächst Zurückhaltung angesagt, vor allem wegen der Kosten. Im Laufe des Jahres wendete sich das Bild allerdings. „Nach der Abschlussveranstaltung konnte man sich nur bei dem Mut von Bürgermeister Osmers und dem Zwischenahner Gemeinderat bedanken, dieses Wagnis eingegangen zu sein“, sagt Jörg Bensberg, von 2001 bis 2021 Ammerländer Landrat. Heute, sagt er, könne und möge er sich Bad Zwischenahn und das Ammerland ohne den Park der Gärten nicht mehr vorstellen.

Warum gerade Bad Zwischenahn? Die Wahl sei bewusst getroffen worden, blickt Uwe Bartels, 2002 Niedersächsischer Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zurück. „Das Gartenkulturzentrum in Rostrup ?bot sich als Keimzelle für die Landesgartenschau, wie auch die von Baumschulen im Ammerland bewirtschafteten Flächen hervorragend an“, so Bartels.

Großer Erfolg

Am 6. Oktober 2002 schloss die Landesgartenschau nach 171 Veranstaltungstagen ihre Tore. Und der Erfolg war größer als gedacht. Mit 550?000 Besuchern wurde kalkuliert, am Ende waren es mehr als 980?000. Den befürchteten finanziellen Misserfolg gab es nicht, ganz im Gegenteil. Unterm Strich stand ein Gewinn von rund 600?000 Euro, der in die Gestaltung des Geländes floss. Denn die Entscheidung, das Gelände nicht wie bei ähnlichen Schauen wieder zurückzubauen, wie es bei anderen Schauen der Fall war, war schnell getroffen. Aus der Landesgartenschau sollte eine Dauereinrichtung werden, der „Park der Gärten“.

Saisonstart

Und dieser startet am Freitag in seine neue Saison. Derzeit bestimmen die Frühjahrsblüher im Blumenband das Bild, die wie ein buntes Band durch den Park führen. Im Rhododendronpark stehen derzeit noch die Freilandkamelien in Hochblüte, ab Mai steht der Rhododendron hier im Mittelpunkt, wenn die über 2000 verschiedenen Arten und Sorten ihre Blütenpracht zeigen. Hinzu kommen verschiedene Mustergärten, in denen der „Rhodo“ im Zentrum steht.

Apropos Mustergärten. Auch hier gibt es neu gestaltete Anlagen, die sich unter anderem dem Motto „Wohnen im Grünen“ dem seit Jahren anhaltenden Trend, das Leben mehr und mehr nach draußen zu verlegen, widmen. Dazu passt auch das neue „Wohngewächshaus-Loungegarten“, in dem die Nutzung des Gartens als verlängertes Wohnzimmer offenkundig wird.

Frank Bullerdiek, Geschäftsführer der Ammerland-Touristik, bezeichnet die Vergabe der Landesgartenschau nach Bad Zwischenahn aus touristischer Sicht als eine glückliche Fügung. „Sie bereitete den Boden für unsere Region, erstmals große mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und markierte den Beginn einer großartigen touristischen Entwicklung“, so Bullerdiek. Von einer „konstanten Erfolgsgeschichte“ spricht Dr. Norbert Hemken, Bad Zwischenahns Kurdirektor, im Bezug auf den Park der Gärten. „Mit Stolz kann ich sagen, dass dieser ein wunderbarer Teil Bad Zwischenahns geworden ist. Für unsere Besucher ist ,Deutschlands größte Mustergartenanlage’ ein Magnet mit außergewöhnlicher Strahlkraft – weit über unsere Region hinaus.“

RUND UM DEN PARK

Die Saison 2022 im Park der Gärten geht vom 15. April bis zum 9. Oktober und umfasst damit 178 Tage.

Geöffnet ist die Anlage täglich von 9.30 Uhr bis 18.30. Die Ausgänge sind bis 21.45 Uhr geöffnet, bei Sonderveranstaltungen gibt es auch längere Öffnungszeiten.

Der Park bietet ein Programm mit Führungen und Sonderveranstaltungen und Sonderöffnungen an, unter anderem die „Pflanzenwelten“, die „Illumination“ oder den Herbstmarkt.

Auch als Ort für Kulturveranstaltungen hat sich der Park etabliert. Die Veranstaltungsagentur „mitunskannman.reden“ist im Sommer mit der Reihe „Zu Gast im Park“ vertreten, in diesem Jahr unter anderem mit Tocotronic, Dietmar Wischmeyer und Klaus Hoffmann.

Das Parkgelände umfasst rund 14 Hektar. Auf die 44 Mustergärten entfallen rund 10?600 Quadratmeter. Auf knapp 55?000 Quadratmetern finden sich Bäume und Gehölze, die Rasenflächen umfassen etwa 28?700 Quadratmeter.

Im vergangenen Jahr verzeichnete der Park 173?100 zahlende Gäste, dazu 27?000 Gäste, die keinen Eintritt zahlen mussten. 7330 Jahreskarten wurden 2021 verkauft. Das sind gut 1000 mehr als im Vorjahr.


 

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