Warum das Frauen- und Kinderschutzhaus überfällig war

Artikel vom 30.12.2021

Jasper Rittner

Das Spielzimmer: Weil viele Kinder mit ihren Müttern im Schutzhaus aufgenommen werden, gibt es auch für sie Räumlichkeiten zum Spielen und Toben. Bild: Kempermann/Diakonie

Seit eineinhalb Jahren gibt es das Frauenhaus. Die Einrichtung zeichnet sich durch ein besonderes Wohnkonzept aus - und wurde für das Ammerland und die Wesermarsch wirklich gebraucht.

Seit Juli 2020 gibt es das Frauen- und Kinderschutzhaus der Landkreise Ammerland und Wesermarsch. Wie überfällig eine solche Einrichtung war, zeigen die hohen Belegungsraten. In diesem Jahr wurden bereits 61 Frauen mit 25 verschiedenen Nationalitäten aufgenommen und erhielten gemeinsam mit ihren Kindern Schutz. Die meisten kommen überwiegend aus Weser-Ems. Das Einzugsgebiet ist prinzipiell deutschlandweit gegeben. Schutzbedürftige mit Hochrisikoprognose werden in der Regel sehr wohnortfern aufgenommen, teilt der Landkreis mit.

Betrieben wird das Haus von der Diakonie als Kooperationspartner. Was die Einrichtung besonders macht, ist, dass die Frauen in separaten Wohnungen leben. Üblicherweise sind solche Einrichtungen oft als Wohngemeinschaft mit Gemeinschaftsbad konzipiert.

Was auch besonders ist: Die Wohnungen können variabel vergrößert oder verkleinert werden – je nach Bedarf. Denn manchmal müssen Frauen ohne Kinder untergebracht werden, manchmal kommen sie aber auch mit vier oder fünf Kindern.

Seit Bestehen lebten schon mehr als 110 Kinder (nicht zeitgleich) in dem Haus. Wie lange sie in der Einrichtung leben, ist individuell sehr unterschiedlich. Insgesamt sieht das Konzept zwölf unterschiedlich große Appartements vor. Und die sind nicht selten ausgebucht. „Seit unserer Eröffnung sind die Plätze des Frauen- und Kinderschutzhauses kontinuierlich in Anspruch genommen worden. Es kommt vor, dass wir Frauen an andere Schutzeinrichtungen vermitteln müssen, weil bei uns alle Plätze belegt sind“, berichtete die Leiterin unlängst im November.

Während sich die Diakonie um das „operative Geschäft“ kümmert, gibt ein Beirat weitere Unterstützung. Vorsitzende ist Anja Kleinschmidt, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Ammerland. Die Betreuung der oft traumatisierten Frauen übernehmen u.a. Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen.

Wo sich das Haus befindet, wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt. Auch eine öffentliche Telefonnummer gibt es nicht. Ansprechpartner für Frauen in Notsituationen können neben der Polizei auch Jugendhilfeeinrichtungen und Sozialarbeiter am jeweiligen Wohnort sein. Je nach Gefährdungslage erfolgt dann nach Absprache eine Unterbringung in möglichst sicherer Distanz zur bisherigen Wohnung.


 

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