Was Halter von Hund, Katze und Co wissen sollten

Artikel vom 20.11.2021

Frank Jacob

Nur ein kleiner Piks: Auch Haustiere sollten regelmäßig geimpft werden (Symbolbild). Auch hier gibt es aber Impfgegner unter den Haltern. Bild: 123RF

Impfgegner gibt es nicht nur bei Corona. Anlässlich des Impfaktionstages des Tierschutzvereins Ammerland haben wir mit Tierärztin Dr. Antje Brinkhoff über den Piks für Haustiere gesprochen

Impfen – Ja oder Nein? Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wird mehr als je zuvor über diese Frage gestritten. Impfgegner gibt es aber nicht nur, wenn es um den kleinen Piks für den Menschen geht. Anlässlich des Impfaktionstages des Tierschutzvereins Ammerland für Haustiere am 18. November hat unsere Redaktion mit der Westersteder Tierärztin Dr. Antje Brinkhoff über das Impfen von Kleintieren gesprochen.

Für welche Haustiere werden Impfungen empfohlen?

Für Haustiere wie Hund, Katze, Kaninchen oder Frettchen gibt es Impfempfehlungen, die von der Ständigen Impfkommission für Veterinärmedizin (StiKo Vet) ausgegeben werden. „Sinn und Zweck ist es, den Körper auf bestimmte Infektionskrankheiten vorzubereiten“, erläutert Antje Brinkhoff. In erster Linie handele es sich dabei um Viruserkrankungen, aber auch um einige bakterielle oder andere Erreger.

Welchen Impfungen sind ratsam?

„Ich halte die Empfehlungen der StiKo Vet für sinnvoll, weil so Infektionen verhindert oder Krankheitsverläufe abgemildert werden können“, sagt Antje Brinkhoff. Für Hunde würden z.B. Impfungen gegen Staupe, Parvovirose, Zwingerhusten, Leptospirose oder Tollwut empfohlen. Bei einer Katze hingen die empfohlenen Impfungen indes davon ab, ob sie auch raus geht oder nur drinnen bleibt.

Warum sollte man Haustiere impfen lassen?

Bei der Parvovirose (Hundeseuche), an der ein Welpe oder Junghund sterben kann, gibt es nur ein Virus, das diese Krankheit auslöst. „Wenn man dagegen impft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier diese Infektion bekommt, sehr sehr gering“, sagt Antje Brinkhoff. Allerdings sei nicht jedes Immunsystem in der Lage, auf diese Impfung zu antworten, weshalb man nie einen 100-prozentigen Impferfolg bezogen auf die Population habe. Dies gelte auch für andere Impfungen. Beim Zwingerhusten seien hingegen mehrere Erreger beteiligt, die zum Teil regional unterschiedlich sein können. Hier könne nur gegen einzelne Bestandteile geimpft werden. Die Impfung würde hier aber dazu beitragen, schwere Verläufe drastisch zu reduzieren. Ob es möglich ist, einen Impfstoff zu entwickeln, hängt von den Eigenschaften des Erregers ab. Manche Erreger verhalten sich variabel und anpassungsfähig und können so das Immunsystem austricksen.

Wie sieht es mit der Impfquote aus?

Wie gerade in der Corona-Pandemie, wird auch bei Tieren von einer Herdenimmunität gesprochen. „Wir brauchen die Impfung der Population, damit Infektionen gar nicht erst weitergetragen werden“, erläutert Antje Brinkhoff. 70 bis 80 Prozent der Tiere sollten geimpft sein, damit Krankheiten sich nicht verbreiten und keine Epidemien ausbrechen. Diese Impfquote ist allerdings nur knapp einzuhalten, weil nicht alle Leute ihre Tiere impfen lassen. Eine höhere Impfbereitschaft wäre wünschenswert. „Ich überrede aber niemanden dazu, sein Tier impfen zu lassen. Ich berate nur, weise auf die Empfehlungen der StiKo hin und sage, warum diese sinnvoll sind. Es wird keiner angegangen, weil er sein Tier nicht impfen lässt“, so Antje Brinkhoff.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Nebenwirkungen sind im Laufe der Jahre immer weniger geworden. Das liegt auch daran, dass die Impfstoffe immer besser werden. Früher enthielten sie auch Begleitstoffe und Konservierungsstoffe, die Nebenwirkungen ausgelöst haben. „Heute haben wir vielleicht mal ein Tier, das ein oder zwei Tage etwas ruhiger ist oder leichtes Fieber bekommt. Auch eine leichte Schwellung an der Injektionsstelle kann vorkommen. Das ist aber eine Reaktion des Körpers, die erwünscht ist. Da entsteht die Immunität, der Körper reagiert und bildet Antikörper“, sagt die Tierärztin.

Wann wird von einer Impfung abgeraten?

Sehr alte Tiere sollte man unter Umständen besser nicht mehr impfen. Eine Reaktion des Körpers ist schließlich nötig, um den Impfschutz zu erreichen. Bei hochbetagten Patienten könne der Körper jedoch beeinträchtigt werden. „Dann ist eine Impfung nicht mehr von Vorteil, sondern von Nachteil“, sagt Antje Brinkhoff. Eine pauschale Aussage, ab welchem Alter eine Impfung eher schadet als hilft, lasse sich aber nicht treffen.

Welche Alternativen gibt es?

„Statt einmal im Jahr pauschal zu impfen, gehen wir inzwischen häufig dazu über, eine Blutprobe zu entnehmen, um zu prüfen, ob das Tier noch einen Impfschutz hat oder nicht“, erläutert Antje Brinkhoff. Ältere Tiere, die regelmäßig geimpft wurden, hätten häufig noch einen sehr guten Impfschutz. Diese Art der Impfkontrolle sei eine schöne Sache, die von immer mehr Haltern begrüßt werde.

DER IMPFAKTIONSTAG

Impfen für den Tierschutz: Unter diesem Motto laden Tierarztpraxen im Ammerland zu einem Impftag für Kleintiere am Donnerstag, 18. November, ein. Die Hälfte der Impfeinnahmen geht als Spende an den Tierschutzverein Ammerland. Die Impfung wird zum regulären Preis durchgeführt und kostet die Tierhalter somit keinen Cent mehr.

Diese Tierarztpraxen beteiligen sich an der Aktion:
• 
Apen: Kleintierpraxis Augustfehn (Mozartstr. 1, Tel. 04489/9411880), Tierärztin Dr. Rena Dörnemann (An der Wiek 4, Apen, Tel. 04489/5356), Dr. Habben in Augustfehn II (An den Wiesen 15, Tel. 04489/405789).
• 
Barßel: Dr. Heike Papenhagen, Tideweg 3, Tel. 04499/921535.
• 
Rastede: Tierarzt Christoph Dinse (Richtweg 26, Tel. 04402/2208) und Kleintierpraxis Rastede (Oldenburger Straße 209, Tel. 04402/9722910).
• 
Westerstede: Meine Kleintierpraxis Dr. Antje Brinkhoff & Frauke Rohde (Poststr. 9, Tel. 04488/8604074).
• 
Wiefelstede: Tierarztpraxis in Spohle, Werner Schomaker (Wiefelsteder Str. 31, Tel. 04458/666), Drs. Wilms-Eilers und Drs. Gleumes (Feldtange 18a, Tel. 04402/960111), Tierarztpraxis Metjendorf, Dr. Katja Schmidt (Mühlengrund 19b, Tel. 0441/96038338).


 

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