Zeichen setzen für Menschlichkeit und Zusammenhalt

Artikel vom 22.11.2023

Frank Jacob

Kranzniederlegung am Volkstrauertag in Rastede: Auf dem Ehrenfriedhof wurde der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Bild: Frank Jacob

Im Ammerland fanden viele Gedenkfeiern zum Volkstrauertag statt. In Rastede nannte Bürgermeister Lars Krause den Angriff der Hamas auf Israel „den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust“.

Rastede/Ammerland - „Setzen wir heute gemeinsam ein Zeichen für Menschlichkeit und Zusammenhalt.“ Mit diesen Worten schloss Rastedes Bürgermeister Lars Krause am Sonntag seine Rede zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof. Dort fand eine der vielen Gedenkfeiern statt, mit denen im ganzen Ammerland der Opfer von Kriegen und Gewalt gedacht wurde.

Erschütternde Aktualität


Mit Blick auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine und im Nahen Osten machte Krause in seiner Ansprache deutlich: „Der Volkstrauertag ist inzwischen mehr als 100 Jahre alt – und hat in der jüngeren Vergangenheit in erschütternder Weise an Aktualität gewonnen.“

Laut Zählungen des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte habe der Krieg in der Ukraine bisher mehr als 9800 Todesopfer allein in der ukrainischen Zivilbevölkerung gefordert, darunter mindestens 560 Kinder, sagte Krause. „Wir werden mit Bildern aus der Ukraine konfrontiert, von denen wir gehofft hatten, dass sie sich gerade auf unserem Kontinent niemals wiederholen: Menschen, die vor Bomben und Kugeln fliehen, die sich an der Grenze von ihren Familien trennen oder gar für immer Abschied nehmen müssen an langen, frisch ausgehobenen Grabreihen.“

Die Bilder aus dem Nahen Osten bezeichnete Krause als „erschütternd“. Er beschrieb den Angriff der radikalislamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel als „den größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust“. Das Tragische: Ein Ende der Gewalt sei in beiden Kriegen nicht in Sicht, geschweige denn eine Perspektive für einen verlässlichen Frieden, so Krause weiter.

Vorurteile abbauen


In seiner Rede rief Krause dazu auf, „Vorurteile abzubauen und freiheitliche sowie menschenwürdige Lebensbedingungen dort zu erkämpfen, wo es sie nicht gibt, und sie dort zu verteidigen, wo sie angegriffen werden.“ Er sagte: „Seien wir also gemeinsam wachsam, treten wir gemeinsam ein für Freiheit, Demokratie und Frieden.“

Dem schloss sich auch Pastorin Birgit Grohs an. Sie verwies auf die Hoffnung einer „Versöhnung zwischen den Menschen in unserem Land und in der Welt“.

In ihrem Aufruf zum Besuch einer der Gedenkfeiern zum Volkstrauertag im Ammerland hatte auch Landrätin Karin Harms appelliert: „Auch wenn es manchmal aussichtslos erscheint, dürfen wir im Einsatz für den Frieden nicht nachlassen.“

Volksbund sammelt


Die Landrätin warb in ihrer Funktion als Vorsitzende des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Ammerland auch um Unterstützung für die Spendensammlungen, die in diesen Tagen erfolgen. Die Spenden würden unter anderem eingesetzt für den Umbettungsdienst, der allein für Osteuropa immer noch von knapp einer Million nicht geborgener Toten ausgeht, für den Erhalt und Pflege von mehr als 830 bestehenden Kriegsgräberstätten in 46 Ländern, für die Jugend- und Bildungsarbeit, die von der Bewahrung der Kriegsgräber als Orte der Trauer und des Gedenkens die eindringliche Mahnung zum Frieden ableitet, und für die Betreuung von Angehörigen und Betroffenen der geborgenen Kriegstoten.

Unter dem Motto „Kriegsgräber mahnen zum Frieden“ hatte der Volksbund in diesem Jahr zum Besuch einer der Veranstaltungen zum Volkstrauertag aufgerufen. Karin Harms: „Kriegsgräber wirken als Mahnmale und erinnern unmissverständlich an die Grausamkeit und Gnadenlosigkeit von Kriegen und im Einzelnen daran, was Menschen anderen Menschen antun können.“ Mit einer Teilnahme an den Gedenkfeiern könnten die Menschen ein Zeichen gegen Krieg und Intoleranz und für Demokratie und Menschenrechte setzen.


 

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