Dokufilm über Franz Radziwill

Artikel vom 03.05.2023

Friebo-Redaktion

Bild: Franz Radziwill

Der Dokumentarfilm Konsequent Inkonsequent – Der Maler Franz Radziwill (1995) lädt dazu ein, Radziwill in zahlreichen Interviews aus Sicht der ihm nahestehenden Menschen kennenzulernen. Dabei bleiben die Widersprüche in ihrer jeweiligen Wahrnehmung bestehen. Der rote Faden in Radziwills Biografie sind seine Bilder. Von sich selbst sagte er: „Was mich zutiefst berührt hat, beglückt oder erschüttert, ist in meinen Bildern zu sehen, ich habe es mir von der Seele gemalt...“

Seit dem Auftauchen eines nicht autorisierten Interviews mit dem Maler aus dem Jahr vor seinem Tod, dass im derzeitigen Theaterprojekt des Oldenburgischen Staatstheaters Radziwill oder der Riss durch die Zeit thematisiert wird, ist wieder die Frage aufgekommen: Wie stand Franz Radziwill zum Nationalsozialismus?
1933 trat Radziwill in die NSDAP ein und erhielt an der Kunstakademie Düsseldorf eine außerordentliche Professur für Malerei. 1935 wurde er nach der Entdeckung früherer Werke und wegen fehlenden Engagements im Sinne nationalsozialistischer Kunstpolitik wieder entlassen. Zudem waren NS-Studenten in sein Düsseldorfer Atelier eingebrochen und hatten die dort entstandenen Bilder als Beweis für seine fehlende Linientreue fotografiert. Denunziatorische Schreiben von Kollegen und Kunstkritikern führten trotz Radziwills Protest zum endgültigen Rauswurf.

1937 prangte das Porträt, das Otto Dix 1928 in Dresden von ihm gemalt hatte, an der Stirnwand der berüchtigten Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ mit der Unterschrift: „Kulturbolschewist Radziwill, wie kann man sich so malen lassen?“ Über 50 seiner Arbeiten wurden beschlagnahmt und zum Teil vernichtet. Jedoch wurde Radziwill auf Betreiben des Oldenburger Gauleiters Carl Röver rehabilitiert und Kulturbeauftragter der Dangaster Ortsgruppe der NSDAP, woraufhin er Ausstellungsbesuche und Lesungen klassischer Autoren organisierte.

Seit 1937 stand er in Kontakt mit regionalen Vertretern der Bekennenden Kirche, die sich zu Versammlungen in seinem Dangaster Atelier trafen. Ab 1938 hatte er Ausstellungsverbot für Einzelausstellungen.

Die Teilnehmenden des Filmgesprächs: Gerburg Rohde-Dahl, arbeitet als Regisseurin und Filmemacherin und Filmproduzentin in Berlin und Bremen. Sie studierte angewandte und freie Grafik an der Werkkunstschule Bremen und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin. 1959 nahm sie an der Dokumenta 2 in der Abteilung Druckgrafik teil und studierte 1974 bis 1979 Deutsch und Geschichte (Lehramt) an der Bremer Universität. 1974 bis 1997 produzierte sie mehr als 20 Spielfilme (20 bis 30 Min. Buch, Regie) für das ZDF-Vorschulprogramm und ab 1995 Dokumentarfilme, unter anderem EIN WEITED FELD (2009) über das Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin und DIE AUFSEHERIN (2019) mit Wladek Jurkow über eine SS-Oberaufseherin (2020-21 in rrb, MDR, ARD und 3-sat). Gerburg Rohde-Dahl erhielt zahlreiche Preise, unter anderem 2010 8th Festival International du Film sur l‘Art (FIFA) Montreal Award Best Reportage, 2010 SHAHAMA Filmfestival New Spirit Award, 2019 RIFFA International Film Festival Canada) Best International Documentary, 2019 NURT 25th Documentary Form Festival, Poland, Award of Ministry of Culture & National Heritage of Poland.

Konstanze Radziwill entschied sich nach einem Studium der Literatur-, Kunst-, Politik- und Religionswissenschaft für den Beruf der Autorin und Filmemacherin. Sie profilierte sich als Regisseurin von Dokumentarfilmen, zum Beispiel Warum starb Nirmala Ataie?, Ein langes Leben – Olga Bontjes von Beek und den dokumentarischen Teil des Doku-Dramas Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque sowie Trassenkampf über die Verhinderung einer Bremer Stadtautobahn. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Bremer Dokumentarfilmpreis, den Robert-Geisendörfer-Preis und den Lübecker Filmpreis Gewalt im Geschlechterverhältnis.

Parallel zu ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sich die gebürtige Dangasterin seit Gründung der Franz Radziwill Gesellschaft 1986 für den Künstlerort Dangast und die Auseinandersetzung mit dem Werk ihres Vaters Franz Radziwill.
Prof. em. Dr. Eberhard Schmidt ist Politologe. Nach einem Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie sowie Politikwissenschaft und Soziologie wurde er promoviert und erhielt 1973 eine Professur für Geschichte der Arbeiterbewegung an der Universität Marburg. 1974 wurde er als Professor für Politikwissenschaft an die neu gegründete Universität Oldenburg berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2004 lehrte und forschte.

Seine Hauptarbeitsgebiete sind Parteien, Gewerkschaften und Umweltpolitik. Politisch engagierte sich Schmidt auch im sozialistischen Büro Offenbach, der Gewerkschaftsbewegung, und in verschiedenen kulturellen und sozialen Projekten in Oldenburg. Er lebt in Bremen, engagiert sich weiterhin für soziale und kulturelle Projekte und publiziert Romane und Sachbücher. Einer seiner Schwerpunkte sind Biografien über Künstler und Widerstandskämpfer im Umkreis des Nationalsozialismus.

„Konsequent Inkonsequent – Der Maler Franz Radziwill“ zu sehen im Casablanca Kino Oldenburg am Sonntag, 7. Mai, um 11 Uhr. Abschließend gibt es ein Gespräch mit den Filmemacherinnen und dem Radziwill-Biografen Eberhard Schmidt.
Weitere Informationen unter ? 0441/884757 oder www.casablanca-kino.de.

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