Gemalte Zeichen und eine gefärbte Leinwand

Die Möglichkeiten des Mediums ausschöpfen: Alexander Wolff stellt im Oldenburger Kunstverein aus.BILD: LUCIANO PERNA

OLDENBURG – Wer bei der Betrachtung dieses Gemäldes chinesische Schriftzeichen erkennt, liegt richtig. Wer überdies der Sprache mächtig ist, liest „Hongkong“, doch ebenso lassen sich Arbeiten wie diese als abstrakte Malerei auffassen. Für Alexander Wolff ist die Schrift schlichtweg „Ausgangsmaterial“ einer neuen Bildfindung. Die Ausstellung „Malen vor Ort/Painting before Time“ ist bis zum 7. November im Oldenburger Kunstverein, Damm 2a, zu sehen.

„Selbst dem abstrakten Expressionismus liegt doch immer eine Idee zu­grunde“, so der Künstler, der in der Ausstellung gleich eine ganze Reihe seiner neuen ­Werke zeigt. Als Mitherausgeber einer Zeitschrift befasst sich Wolff mit Typographie, und China lernte er kennen, als er 2019 in Peking ausstellte.

Dem „Freestyle“ mit dem Pinsel gehen Arbeiten voraus, die einer vielmehr konstruktivistischen Herangehensweise folgen. Sie bestehen aus zusammengenähten Leinwänden, die zuvor in Farbe getränkt und zuletzt auf Keil­rahmen gespannt werden. Wie „Module“ lassen sie sich zu großformatigen Kompositionen zusammensetzen. Die Nähte ergeben dabei ein serielles Muster aus Diagonalen, Horizontalen oder Vertikalen.

In der Korrespondenz verdeutlichen die beiden Werkgruppen die Arbeitsweise von Alexander Wolff: Wie in einem spielerischen Flow experimentiert er mit der Malerei, jedoch nicht, um zu einem künstlerischen Grundsatz zu kommen, sondern um die Möglichkeiten des Mediums auszuschöpfen. Er selbst spricht von „Aktivierung der Malerei“, wobei er unterschiedlichste Materialien nutzt.

Wie der Ausstellungs­titel „Malen vor Ort/­Painting bevor Time“ schon ankündigt, entsteht ein zentrales Werk im Oldenburger Kunstverein. „Die Räumlich­keiten lernte Alexander kennen, als er 2018 an einer Gruppenausstellung teilgenommen hat“, ergänzt die Vorsitzende Gertrude Wagenfeld-Pleister. Eigens für den ­Kubus, das bauliche Herzstück des Kunstvereins, schafft er ein Wandbild mit historischem Bezug. Inspirieren ließ sich Wolff von dem Architekten Peter Behrens, genauer von dessen Kunsthalle für die Oldenbur­gische Landesausstellung im Jahr 1905. Ab­bildungen fand Wolff in der Bibliothek des Kunstvereins. Behrens’ Anlage, zu der noch ein Musik-, ein Zigarren- und Linoleum­pavillon gehörten, war streng geometrisch gestaltet. Konturen der Kunsthalle lassen sich im Wandbild ebenso wiederfinden wie Anspielungen auf den Abriss von Immobilien generell: „Das Material ist größtenteils Müll vom Oldenburger Recycling-Hof, Laminat, Plane, Sperrholz, außerdem Farbreste aus der Werkstatt des Kunstvereins und ein Werbeplakat eines Immobilienhändlers“, erläutert Wolff. Durch weitere Elemente lässt er eine raumgreifende Installation entstehen, die einem Bühnenbild gleicht.

Für die Finissage hat der Künstler, der auch Musiker ist, eine Performance geplant.


 

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