Bonbon-Kocher, Drehorgelspieler und der „stärkste Mann der Welt“

Artikel vom 13.07.2022

Reiner Kramer

Der „stärkste Mann der Welt“ bewies seine Kraft. Bild: Piet Meyer

Die Historische Dorfkirmes im Museumsdorf lockte am Wochenende zahlreiche Besucher an. Die Drehorgelspieler sorgten für musikalische Unterhaltung.

Jahrmarkt-Treiben im Museumsdorf: In der Raupenbahn hebt der Ansager die Stimmung der Fahrgäste, indem er kräftig „aufs Gas“ drückt und die Mitfahrenden in die Ecke gedrängt werden. Kuschelig wird es, als die Plane über die Wagen gezogen wird. In der Schießhalle legen die Besucher auf Sternchen an, während das Gelächter nebenan von der Heyderhoffmann-Puppentheaterbühne herüberweht. Auf dem Brink und im gesamten Museumsdorf herrscht reges Treiben mit vielen Besuchern auch aus der weiteren Umgebung.

„Stärkster Mann“

Der „stärkste Mann der Welt“, Georges Christen aus Luxemburg, findet den tosenden Applaus des Publikums, als er zunächst ein Kartenspiel, dann das 1250 Seiten dicke Telefonbuch von Luxemburg durchreißt. Dass ihm das keine allzu großen Probleme bereitet, wird klar, wenn man weiß, dass er einige Rekorde im Guinness-Buch hält. Unter anderem hat er einen 20 Tonnen Eisenbahnwaggon über 200 Meter mit den Zähnen gezogen.

Atemberaubend wird es, als er eine Frau auf einem Tisch nur mit seinen Zähnen trägt. Georges Christen, der schon einige Male die Dorfkirmes im Museumsdorf begleiten durfte, findet vor allem das Ambiente und die Atmosphäre passend für einen historischen Jahrmarkt. „Ich bin ja auch eher anachronistisch unterwegs“, sagt der starke Mann mit einem Lachen und fühlt sich schon von daher im Museumsdorf wohl.

Drehorgelfest

Zum Jubiläum des Museumsdorfs, das feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen, war parallel zur Kirmes auf dem Brink ein großes Drehorgelfest organisiert worden. Da trillerten Holzpfeifen, da drehten sich Notenwalzen und brachten Moritaten, Märsche und sogar moderne Pop-Songs zu Gehör.

Die wohl älteste Drehorgel steuerte Werner Tönjes aus Emden zum Fest bei: Seine 24-notige mechanische Zungenorgel stammt aus dem Jahr 1870. Schwarz und im Vergleich zu Drehorgeln neueren Fabrikats unscheinbar, rattert eine Lochkarte über die Orgel und lässt die Töne eines französischen Lieds erklingen.

Das Museumsdorf kennt er gut, hat er doch als Bonbon-Macher eigentlich auf der Kirmes einen Stand. Doch dieses Jahr habe er die Seiten gewechselt. Sein Steckenpferd ist aber nicht nur seine Drehorgel, sondern historische Jahrmärkte an sich. Eine umfangreiche Bibliothek kann er sein Eigen nennen.

Modernere Variante

An den vier Tagen der Dorfkirmes werden rund 20 Drehorgelspieler vor Ort sein. Eine modernere Variante, nämlich eine elektronische Orgel, dreht Ulrike Jaenisch, die aus der Nähe von Hannover kommt und gerne Volksfest im norddeutschen Raum mit ihrer Drehorgel besucht. Sie gehört dem Club Deutscher Drehorgelfreunde an. Auch alte Walzendrehorgeln sind zu sehen. Die 92er Konzertstraßenorgel, eine der schönsten der Niederlande, sorgte ebenfalls für musikalische Unterhaltung wie verschiedene Kirmesorgeln.

Die Dorfkirmes und das Drehorgelfest werden am kommenden Wochenende, 16. und 17. Juli, auf dem Gelände des Museumsdorfs fortgesetzt.


 

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