Der Mann, der James Cameron feuerte

Bei „Piranha 2“ sollte eigentlich James Cameron Regie führen, doch Assonitis feuerte den jungen Regisseur und übernahm selber. BILD: FILMFEST

OLDENBURG/red –  Mit dem in Alexandria geboren Produzenten und Regisseur Ovidio G. Assonitis ehrt das diesjährige Filmfest Oldenburg einen authentischen und unabhängigen Geist, dessen Filme Fans und Cineasten als »Guilty Pleasure« feiern und viele Filmemacher inspiriert haben.
Die reinste Form eines unabhängigen Filmemachers kann vielleicht nur aus dem Verständnis des unauflöslichen Zusammenhangs zwischen filmischer Umsetzung und finanziellem Aufwand entstehen. In diesem Sinne ist Assonitis seit über 50 Jahren einer der wenigen wirklich eigenständigen und unabhängigen Filmemacher geblieben.

Vom Verleih zum Regisseur

In Ägypten geboren, in Griechenland aufgewachsen und in Italien lebend – ein Bürger des Mittelmeerraums – so bezeichnet sich der Filmemacher selbst. Ovidio G. Assonitis erste Verbindung zum Kino und der Filmbranche an sich entstand durch seinen Vater, Romeo Assonitis. Mitte der 1960er Jahre begann Assonitis aus einem kleinen Büro heraus seinen eigenen Vertrieb von Filmen der Genres Western, Thriller, Horror und Action. Bis 1976 verlieh er mehr als 1.000 kommerziell erfolgreiche Filme vor allem im südostasiatischen Raum. Gegen Ende der 1960er Jahre begann Assonitis seine ersten Independent Filme zu produzieren.
In seiner erfolgreichsten Zeit in den 1970ern wurde er oft geringschätzig »King of the Rip Offs« genannt. Aber darin zeigt sich auch sein großes Talent für kommerzielles Gespür gepaart mit der filmischen Sensibilität, die seine mit so viel geringerem Budget als ihre Blockbuster Vorbilder umgesetzten Werke wie »Tentacles« (1977) oder »Beyond the Door« (1974) auszeichnen und manchmal sogar zu einer Bedrohung für Hollywood machten.
Seine Berührungen mit Hollywood sind legendär. Mit »Beyond the Door«, einem eigenwilligen und ganz eigenen Mix aus »The Exorcist« und »Rosemaries Baby«, gelang ihm ein so großer kommerzieller Erfolg, dass Warner ihn, aus Angst auf Verletzung von visuellem Copyright verklagte. Ein aussichtsloses Unterfangen, das Assonitis Film nur erfolgreicher machte und damit endete, dass Warner ihm einen Deal offerierte seine nächsten vier Filme auszuwerten.

Begegnung mit Cameron

Einer dieser Filme wurde dann »Piranha 2 – The Spawning«, das Debüt von James Cameron, und dessen Produktionsgeschichte ebenso legendär, wie die folgende Karriere Camerons ist. Assonitis feuerte den jungen Regisseur nach zwei Wochen Dreh und übernahm selbst die Regie, als Cameron Drehplan und Budget schon weit überschritten hatte.
Die atmosphärischen Unterwasseraufnahmen bei »Tentacles«, seinem von »Jaws« inspiriertem Epos um einen mutierten Riesenkraken an der kalifornischen Küste, setzte der italienische Kameramann Roberto D’Ettorre Piazzoli um. Assonitis arbeitete mit ihm auch bei fünf anderen Filmen zusammen. Für »Beyond the Door« und »Out of Control« war Piazzoli unter dem Pseudonym Robert Barrett sein Ko-Regisseur.

Im (Un-)Ruhestand

Nach seinem letzten Film im Jahr 2003 »Red Riding Hood« ist der heute 78-jährige weit von seinem Ruhestand entfernt. Seither widmet Assonitis sich der Entwicklung neuer Kino- und Serienproduktionen und arbeitet an Remakes seiner Kultfilme. Zu alledem ist er seit 2003 erneut im Distributionsgeschäft für Südostasien und Malaysien.
Ovidio G. Assonitis wird vom 15. bis zum 19. September in Oldenburg beim Filmfest zu Gast sein.


 

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