Stadtmuseumsfassade kommt unter den Hammer

Artikel vom 24.10.2021

Chelsy Haß

Unter dem Hammer: Der charakteristische Stadtmuseums-Schriftzug sowie drei Schieferkunstwerke wurden am Mittwoch für den guten Zweck versteigert. Bild: Torsten von Reeken

Teile der Fassade und der Schriftzug des Oldenburger Stadtmuseums sind versteigert worden. Es geht dabei um einen wertschätzenden Umgang mit dem Stadtmuseum und seiner Geschichte

Wer kann schon von sich behaupten, ein Stück des Oldenburger Stadtmuseums, das in den nächsten Jahren erneuert werden soll, an der Wand hängen oder im Garten stehen zu haben? Seit dieser Woche können das zumindest einige wenige. Die Abbrucharbeiten an der Fassade haben begonnen. Dabei sollen die portugiesischen Schieferplatten nicht zerstört, sondern wiederverwendet werden. Am Mittwoch und Donnerstag konnten sie deshalb gegen eine Spende beim Museum abgeholt werden.

Einzigartige Auktion

Auch die großen, plakativen Buchstaben, die bis vor kurzem als Schriftzug über dem Eingang des Stadtmuseums hingen, wurden verkauft. Eigens dafür hatte das Museum am Mittwochabend eine einzigartige Versteigerung veranstaltet. „Wir wollen würdigen, was seit 1968 in diesem Museum geschehen ist“, sagte Museumsleiter Steffen Wiegmann.

Dabei standen neben den großen Lettern drei weitere Schätze auf der Liste: Die Akteure des Projektes „Neue Konturen“, die Anfang des Jahres die Fassade des Museums neu gestalteten, steuerten Kunstwerke zur Versteigerung bei. Zwei bunte Schieferplatten von „The Hidden Art Project“ und „Die Jungs Wandgestaltung“ sowie eine vom Oldenburger Künstler Udo Reimann gestaltete Platte wurden versteigert. „Er ist wohl einer der profiliertesten Künstler Oldenburgers. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir heute eine seiner Arbeiten versteigern dürfen“, so der Museumsleiter.

Erinnerungen an Museum

Rund 40 Personen waren gekommen, um ein kleines Teil des Stadtmuseums zu ersteigern. Lediglich die beiden „M“s fehlten. „Eines befindet sich in unserer Sammlung. Das andere war der Hauptgewinn unserer Aktion ,Das verschwundene M’“, erklärte Wiegmann.

Die Auktion übernahm schließlich Stadtmuseums-Mitarbeiter Claudius Mertins, der, wie sollte es bei einer Aktion anders sein, den Hammer schwang. Für 70, 80, 90 oder 100 Euro wurden die Buchstaben nach und nach an den jeweils Höchstbietenden verkauft. „100 Euro für ein U. Möchte da noch jemand drüber gehen?“, fragte Mertins in die Runde. Den Zuschlag bekam ein Oldenburger, der den Buchstaben U für seine Frau ergattern wollte. „Ich hatte es von Anfang an darauf abgesehen. Mal gucken, vielleicht kommt das U an die Hauswand oder ins Büro“, sagte er. Gerne etwas ersteigert hätten auch zwei Mitarbeiterinnen des Stadtmuseums, die aber leer ausgingen. „Das wäre eine Erinnerung an das Museum gewesen. Aber es ist nicht so schlimm, dass wir nichts bekommen haben“, erklärten die Frauen.

550 Euro für Platte

Den Höhepunkt der Auktion bildeten jedoch die drei Kunstwerke: Für 150 und 225 Euro gingen die ersten beiden Schieferplatten unter den Hammer. Die von Udo Reimann gestaltete Platte wurde für 550 Euro an Kunstvermittlerin Geraldine Dudek verkauft. „Für ein Werk von Reimann ist das ein Schnapper“, freute sie sich.

Bis Donnerstagabend kamen so mehr als 2500 Euro zusammen. Die Erlöse spendet das Stadtmuseum zu gleichen Teilen an die Flüchtlingshilfe Oldenburg, Fridays for Future Oldenburg und die Gemeinnützige Kulturgenossenschaft Globe. Weil es so viel Nachfrage nach den Fassadenplatten gab, wolle man noch weitere Platten abnehmen und die Warteliste abarbeiten.


 

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