Abschied nehmen ist sein Beruf

Artikel vom 19.01.2022

Michael Diederich

Fabian Reinke ist seit Anfang des Jahres Inhaber des Reinke Bestattungsinstituts. Bild: Privat

Der Tod gehört zum Alltag von Fabian Reinke. Denn er ist Bestatter von Beruf. Warum er sich für diese Arbeit entschieden hat, verrät er im Gespräch mit unseren Kollegen der NWZ. 

Von einer geliebten Person Abschied zu nehmen, fällt vielen Menschen schwer. Zu intensiv und prägend sind die Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Zu tief sitzt noch die Trauer über den Verlust. Für den 37-jährigen Fabian Reinke gehört der Umgang mit dem Tod zu seinem Alltag. Denn er ist Bestattungs-Meister und seit Anfang des Jahres Inhaber des Reinke Bestattungsinstituts.

Der Beruf

„Im Grunde ist der Großteil meines Berufs Büroarbeit“, sagt Reinke. So muss er sich bei einem Trauerfall um viele Formalitäten, wie Behördengänge, Abonnements und Urkunden kümmern. Deshalb verbringt er seinen Vormittag meistens im Büro. Für das Veranstalten einer Trauerfeier sei ein gewisses Planungsgeschick notwendig, so der Bestatter. „Wichtig ist vor allem der Respekt für den Verstorbenen und eine gute Trauerbegleitung.“ Deshalb achte er auch darauf, dass die Beerdigung den Wünschen der Angehörigen und des Verstorbenen entspreche. Der Beruf des Bestatters sei facettenreich, spannend und vielseitig und erfordere eine hohe Einsatzbereitschaft. Denn bei einem plötzlichen Todesfall müssen Reinke und sein Team erreichbar sein.

Tradition und Familie

Seit er 15 Jahre alt ist, arbeitet Fabian Reinke in dem Familienunternehmen, welches von seinem Großvater einst gegründet wurde. Nach seinem Abitur hat er eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und einen Master in Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn erworben. Doch sehr schnell wurde ihm klar, dass er in den Familienbetrieb zurückkehren möchte. Abschreckend findet er seinen Beruf nicht. Besonders wichtig im Trauerprozess sei, den Verstorbenen noch einmal zu sehen. „Es ist kein Hollywoodfilm, kein Tatort, sondern das echte Leben“, sagt Reinke.

Im Wandel der Zeit

Der Beruf des Bestatters befindet sich – wie viele andere Berufe – im Wandel. „Früher lebten Familien meistens noch mit ihren Großeltern in einem Haus. So gab es damals bei einem Trauerfall auch eine Hausaufbahrung, wo die Familie und Freunde Abschied nehmen konnten“, erzählt der Bestatter. Heutzutage sei der Zeitraum, in dem die gesamte Familie zusammenkommt, wesentlich kürzer. „Meistens ist die Trauerfeier inklusive Beisetzung der einzige Tag, an dem sich die gesamte Familie sieht und gemeinsam Abschied nimmt.“

Wichtiger Prozess fehlt

Auch die Wahl der Bestattungsform ist heutzutage vielseitiger. Betroffene können beispielsweise zwischen Sarg, Urne, einer Seebestattung oder einer Beisetzung im Waldfriedhof wählen. In der Corona-Zeit gibt es Einschränkungen bei Beerdigungen. Zwischenzeitlich wurde die maximale Personenanzahl für Beisetzungen begrenzt. Für die Trauerverarbeitung sei dies ein großer Nachteil, sagt Reinke. So würde vielen Trauernden ein wichtiger Prozess fehlen. Denn in einer Gruppe falle das Abschied-Nehmen leichter.


 

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