Abschied von Büffel Amos rückt näher

Vertrauensverhältnis: Peter Biel züchtet seit 21 Jahren Wasserbüffel. Zum Jahresende schließt die Hatter Büffelfarm. Foto: Werner Fademrecht

Hatten – Ein letztes Mal Bulle Amos und seine Herde rufen. Die sich neugierig nähernden schwarzen Riesen freundlich begrüßen, ihnen übers Fell fahren. Sie sanft, aber bestimmt von der Weide lotsen. Dieser Zeitpunkt rückt unaufhaltsam näher.

Für Peter Biel (77) geht mit dem Jahr 2020 ein wichtiges Kapitel zu Ende. Der Streekermoorer züchtet seit 21 Jahren Wasserbüffel – genauer gesagt „Bubalus bubalis“, eine robuste und klimaresistente europäische Mittelmeerrasse, die vor 9000 Jahren domestiziert worden ist. Doch nun heißt es, Abschied zu nehmen – „altersbedingt“, wie Peter Biel sagt. Leicht fällt es ihm nicht, das ist zu spüren, doch rechtzeitig den Absprung zu schaffen, einen geordneten Übergang zu gewährleisten, das ist ihm wichtig.

Hilfe für Paraguay

Begonnen hat die erstaunliche Geschichte in Hatten 1994 mit der Gründung des Selbsthilfevereins „Panap“ für Menschen mit Hautkrankheiten. Das Ehepaar Rita und Peter Biel kommt so mit dem Mediziner Dr. Theodor Binder, einem Freund Albert Schweitzers, in Kontakt. Als dieser Unterstützung für ein Projekt in Paraguay sucht, um dort der indigenen Bevölkerung zu helfen und den Tropenwald zu schützen, ist klar: „Er hatte uns geholfen, jetzt helfen wir ihm“, erinnert sich Biel.

Der Plan, Wasserbüffel den Indianern als natürliches Arbeitsgerät und Lebensmittelquelle zur Verfügung zu stellen, scheitert an Widerständen der staatlichen Behörden Paraguays. Fünf Tiere aus dem Berliner Zoo hat der Verein da allerdings schon über einen Vorbesitzer in Osnabrück erhalten. „Keinen blanken Schimmer“ habe man damals gehabt, was nun werde, erinnert sich der Streekermoorer. Mit Hilfe des Wissenschaftlers Professor Dr. Hilmar Zeigert (Oldenburg) kann zum Glück ein wegweisendes Konzept erarbeitet werden.

Am 22. Januar 1998 erscheint in der NWZ der erste Bericht. Im gleichen Jahr erblickt das erste Büffelbaby in Hatten das Licht der Welt. Während anfängliche Mitstreiter vor allem auf die Zucht der Tiere zur Fleischproduktion setzen, konzentriert sich Biel, gestützt durch Zeigert, auf andere Qualitäten: Wasserbüffel können monotone, karge Biotope für andere Lebewesen öffnen, Wasserstellen erweitern und damit neuen Lebensraum u.a. für Wiesenvögel, Amphibien und seltene Insekten – unter anderem den Kurzflügelkäfer Emus hirtus – schaffen.

Dafür engagiert sich Peter Biel seit 2008 als Präsident des Internationalen Förderverbandes zum Einsatz des Wasserbüffels als Landschaftspfleger mit dem Präsidiumsteam über Grenzen hinaus. Tiere der Hatter Büffelfarm sind in vielen Regionen Deutschlands und im europäischen Ausland angesiedelt worden.

Häufig alleingelassen

Das klingt nach einer reinen Erfolgsgeschichte. Doch Peter Biel hat auch die Erfahrung machen müssen, dass Neues nicht immer willkommen ist. „Trotz vieler Schulterklopfer“, so Biel, ging er bei der Suche nach zusätzlichen Flächen im Landkreis Oldenburg für seine wachsende Büffelherde immer wieder leer aus. Umso mehr ist er dem Huntloser Förster Karl-Heinz Freese und Forstamtsleiterin Regina Dörrie für deren Unterstützung dankbar.

Bulle Amos, 2010 in Huntlosen geboren, wird künftig mit seinen Kühen in Brandenburg leben. Vorstandskollege und Wissenschaftler Dr. René Krawczynski, übernimmt die Herde. Der Großteil der zeitweilig bis zu 80 Tiere starken Büffelherde lebt bereits seit zwei Jahren auf dem Bio-Hof Müller bei Mönchengladbach. Das freut Peter Biel besonders: „Die Tiere sind in guten Händen und nicht aus der Welt. Ich werde einige bestimmt wiedersehen.“


 

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