Arztpraxen können Impfnachfrage im Landkreis Oldenburg kaum stemmen

Artikel vom 24.11.2021

Imke Harms

Große Nachfrage: Bei einer kurzfristig anberaumten Aktion in Wildeshausen kamen viele Impfwillige. Künftig könnte es solche mobilen Angebote häufiger geben. Bild: Christoph Koopmeiners

Bei vielen sind die sechs Monate nach der zweiten Corona-Impfung gerade vergangen. Die Nachfrage nach der „Booster-Impfung“ steigt. Das führt im Landkreis Oldenburg zu Problemen

Impfquote, Booster, 2-G oder 3-G, Inzidenz: Das sind die Begriffe dieser Zeit. Und jetzt kommt auch wieder einer dazu, der im Laufe der Corona-Zeit schon etwas in Vergessenheit geraten war: überfüllte Terminkalender von Arztpraxen. Mehrere Leserinnen und Leser meldeten unserer Redaktion Schwierigkeiten, in ihrer Hausarztpraxis einen Impftermin zu erhalten. Helmut Scherbeitz von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) hat dafür eine Erklärung: „Die Impfzentren, die im März und April eine große Anzahl von Menschen mit der Corona-Impfung versorgt haben, wurden inzwischen geschlossen. Und diese Massen können die Arztpraxen einfach nicht auffangen.“

Praxis in Neerstedt

In der Landarztpraxis Dötlingen, die in Neerstedt ansässig ist, teilt sich ein Team die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Dr. med. Silke Schumann und Dr. med. Christina Hundhausen werden von fünf medizinischen Fachangestellten sowie Dr. Norbert Kaiser unterstützt. Und die Telefone stehen nicht mehr still. „Jedes zweite Telefonat, das wir annehmen, handelt von der Corona-Impfung, meistens geht es um den Booster“, berichtet eine der Praxismitarbeiterinnen. „Wir müssen viel beachten. Je nachdem, mit welchem Impfstoff die Menschen

als erstes geimpft wurden, müssen wir darauf Rücksicht nehmen. Und das Vakzin von Johnson & Johnson ist dann nochmal ein Sonderfall“, fügt sie hinzu. Mit den Terminen rutsche man derzeit auf Mitte oder Ende Dezember. Daher kläre man am Telefon meist schon auf: „Es ist nicht notwendig, auf den Tag genau nach sechs Monaten nach der letzten Impfung die nächste Spritze zu erhalten. Man hat weiterhin Impfschutz.“

Praxis in Wildeshausen

Arzthelferin Nadine Iaquinta aus der allgemeinmedizinischen Praxis von Conrad Windeler nennt die Nachfrage nach der Booster-Impfung eine „Mammut-Aufgabe“. „Viele der Patientinnen und Patienten möchten die dritte Spritze schon vor Ablauf der sechs Monate, um ganz sicherzugehen. Dann müssen wir ganz genau schauen, wer wirklich schon dran ist“, berichtet sie. Es sei viel Aufklärungsarbeit notwendig und in so manchem Telefonat habe es auch schon Diskussionen gegeben. In der Praxis gibt es zwei Helferinnen beim Impfen „deshalb kommen wir kaum hinterher“, so Iaquinta. Derzeit müsse man die Terminvergabe bis in den Januar ausweiten. Die Praxis setze nun auf die Angebote der mobilen Impfteams.

Das sagt die KV

Scherbeitz dazu: „Es gibt von der Ständigen Impfkommission die klare Empfehlung, dass vorerst nur Personen über 70 sich boostern lassen sollten.

Das Impfschutzgesetz gibt jedoch her, dass alle diese dritte Impfung in Anspruch nehmen können.“ Und die Erfahrung habe jetzt deutlich gemacht, dass einige Menschen, deren Impfung auf den Tag genau sechs Monate zurückliegt, schon nervös um einen Termin bitten. „Das ist nicht notwendig“, beruhigt Scherbeitz. Dieses Zeitfenster sei lediglich der Mindestabstand zwischen den Impfungen, aber „der Impfschutz erlischt nicht. Man kann problemlos noch einige Monate warten und sollte denen den Vortritt lassen, die über 70 Jahre alt sind.“

Für alle, die nicht mehr mit der Impfung warten wollen, gibt Scherbeitz einen Tipp: Über die Webseite „Arztauskunft Niedersachsen“ könne man unter den Reitern „Besonderheiten/Corona-Impfung“ seine Postleitzahl eingeben und bekomme alle Praxen angezeigt, die noch freie Kapazitäten haben.


 

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