Besuchsdienst verschafft pflegenden Angehörigen eine Auszeit

Artikel vom 03.08.2022

Thorsten Konkel

Der Besuchsdienst zur Entlastung pflegender Angehöriger in Ganderkesee besteht seit 25 Jahren. Bei der Feier im Garten des ev.-luth. Gemeindehauses freuten sich darüber Aktive und Gründungsmitglieder: (v.l.) Hildegard Kluttig, Erika Haase, Antje Jacobs, Christa Duesmann, Evelyn Linnemann, Zita und Fritz Hobbensiefken sowie Saskia Kamp, Geschäftsführerin Diakonisches Werk Delmenhorst/Oldenburg-Land. Bild: Thorsten Konkel

Seit 25 Jahren bieten Ehrenamtliche pflegenden Angehörigen in Ganderkesee mit ihrem Besuch eine kurze Erholungspause. Was ihre Arbeit ausmacht – und wer sich bei der Annahme der Hilfe schwertut.

Fritz Hobbensiefken und seine Frau Zita haben es selbst erlebt: Rund um die Uhr hat das Paar aus Hestern einst die Schwiegermutter sowie die Schwester von Zita parallel betreut. Erst nach dem Tod der Schwiegermutter und dem Ruhestand Fritz Hobbensiefkens kam das Paar zum Besuchsdienst für pflegende Angehörige des Diakonischen Werks in Ganderkesee. Dort konnte es seine Erfahrung einbringen. Das ist nun mehr als 25 Jahre her.

Schon im vergangenen Jahr war die einst unter dem Dach der Diakonie als „Sitterdienst“ gegründete Hilfe 25 Jahre alt geworden. Coronabedingt konnte das Jubiläum erst am vergangenen Sonntag im ev.-luth. Gemeindehaus am Ring nachgefeiert werden.

Soziale Kontakte leiden

Die Zusammenkunft bot Helfenden sowie der Geschäftsführerin des Diakonisches Werks Delmenhorst/Oldenburg-Land, Saskia Kamp, Anlass für einen Rück- und Ausblick. Umbenannt worden war das Angebot 2021 in „Besuchsdienst zur Entlastung pflegender Angehöriger“. Der alte Name habe falsche Assoziationen geweckt. Kamp: „Man denkt da ans Babysitten.“

Wie kräftezehrend die Pflege von Angehörigen sein kann, wie sehr eigene soziale Kontakte darunter einbrechen, berichtete Fritz Hobbensiefken: „Irgendwann wird die Luft knapp“, beschrieb der 78-Jährige das Gefühl, keinen Platz mehr für sich und die kleinste persönliche Auszeit zu haben.

An Bedeutung, wurde rasch klar, hat das kostenlose ehrenamtliche Angebot nichts eingebüßt. Ein Schicksal wie einst das der Hobbensiefkens teilen auch heute noch viele Angehörige, die sich aufopferungsvoll um ihre Lieben kümmern. Hobbensiefken: „Bekannte ziehen sich zurück, irgendwann ist man isoliert.“

Auch Gesprächskreis

Über ein weiteres Diakonieangebot, den Gesprächskreis für pflegende Angehörige, fand das Paar später zu seiner Aufgabe. Besuche werden immer von ein und derselben Person durchgeführt, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Das gute Verhältnis spreche sich im kleinen Ganderkesee herum: „Oft bringen wir unsere eigenen Kunden mit“, erklärte Hobbensiefken die „Wucht“ der Mundpropaganda. Beim Einkaufen mitten in der Schlange an der Kasse könne es schon mal eine Anfrage geben. Nur eine Gruppe traue sich nicht so richtig, sich einzugestehen, dass sie Hilfe braucht: „Pflegende Männer sind eher verschlossen, sie sollten sich aber ruhig mitteilen“, warb Hobbensiefken.

Nachwuchs gesucht

Viele der heutigen Aktiven gehören zu den Gründungsmitgliedern, auch die Hobbensiefkens. Doch so schön ihr langjähriges Engagement ist, eines vermögen auch sie nicht zu ändern: „Die Gruppe ist überaltert, wir brauchen Nachwuchs“, sagte Kamp. Es reiche schon, wenn sich Helfende einmal pro Woche zwei bis zweieinhalb Stunden engagierten. Wer sich interessiert, kann sich in einem Kurs an zwei Abenden über alles Wissenswerte aufklären lassen. Auch versichert sind Helfende bei ihrer Tätigkeit. Die habe nichts mit einem Pflegedienst zu tun. Kamp: „Eine Versorgung kann der Besuchsdienst nicht leisten, vielleicht aber ein Getränk anreichen oder beim Hinsetzen helfen.“

EHRENAMTLICHE GESUCHT

Wer ehrenamtlich beim Besuchsdienst mitwirken möchte oder wer Hilfe in Anspruch nehmen will, erreicht das Diakonische Werk telefonisch unter der Rufnummer 04222/806213 oder per E-Mail an zentrale@ diakonie-doll.de.

Der Besuchsdienst übernimmt keine Aufgaben eines Pflegedienstes. Er versorgt Pflegebedürftige nicht.

Helfende ermöglichen dagegen pflegenden Angehörigen, stundenweise das Haus zu verlassen, um etwa zum Einkauf, zum Arzt oder zum Friseur gehen zu können, oder um einfach mal durchzuatmen.


 

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