Bürger wollen Brücke behalten

Artikel vom 24.09.2021

Der Hundsmühler Heinrich Böckermann nutzt die Radfahrer- und Fußgänger-Brücke am Querkanal fast täglich.   BILD: BETTMANN

HUNDSMÜHLEN – Sie ist klein und unscheinbar – wird aber rege genutzt. Dennoch: Die Radfahrer- und Fußgänger-Brücke über den Querkanal, die Hundsmühlen und Südmoslesfehn verbindet, soll ersatzlos verschwinden. So hat es die Gemeindeverwaltung an diesem Donnerstag dem Ausschuss für Hoch- und Tiefbau vorschlagen.
Als Argument führt die Verwaltung eine Liste von Mängeln an: eingerissene und verrostete Träger, abgeplatzte Beschichtungen, Holzüberbau und Holzschrammbord sind teilweise morsch oder verfault und „die Abstände der Absturzsicherung zum Bauwerk sind teilweise zu groß“. Ihr Fazit: „Eine Sanierung macht keinen Sinn, so dass nur ein vollständiger Neubau oder ein Rückbau in Frage kommt.“ Die Kosten für einen Neubau werden mit 120 000 Euro angegeben, für einen Rückbau 6000 bis 8000 Euro.

Häufige Nutzung

Dass die Brücke nach Einschätzung der Gemeinde „keine ortsübergreifende und wichtige Verbindung darstellt“, sehen etliche Hundsmühler und Südmoslesfehner ganz anders. „Ich nutze diese Brücke fast täglich“, sagt Heinrich Böckermann aus Hundsmühlen. „Der Radweg an der Diedrich-Dannemann-Straße ist nämlich eine Katastrophe.“ Auch mit seinen Enkeln sei er viel am Naturdenkmal Querkanal unterwegs, weil dort viel Natur und wenig Verkehr sei. Eine Bewohnerin aus dem Nordkamp kann auch nicht verstehen, warum die Verlängerung des Postweges künftig am Querkanal enden soll: „Ich gehe hier oft spazieren.“
An der Brücke selbst hat der Ortsverein Hundsmühlen eine Unterschriftenliste gegen den Rückbau der Brücke ausgehängt. „Der Ortsverein hat erst aus der Tagesordnung des Fachausschusses davon erfahren, dass die Brücke weg soll“, wundert sich Winfried Koslowski (Arbeitsgruppe Ortsentwicklung im Ortsverein). Eiligst wurde die Unterschriftenaktion gestartet. Koslowski: „Wir haben bereits mehr als 300 Unterschriften.“

Brief des Ortsvereins

In einem Brief an den Bürgermeister schreiben die Ortsvereins-Vorsitzenden Frank Stargardt und Daniela Appelt: „Die Brücke ist ein zentraler Punkt und nicht weg zu denkender fester Bestandteil in dem System ,Freizeit, Tourismus und Naherholung’ für Hundsmühlen und umzu.“ „Unserer Meinung nach ist eine Sanierung der Brücke durchaus machbar“, sagt Winfried Koslowski.
Im Jahr 2014 dachte die Gemeinde offenbar noch ganz anders über das 1970 errichtete Bauwerk. Ein Prüfingenieur hatte etliche Mängel und Schäden festgestellt, so dass die Gemeinde bereit war, die Brücke komplett zu ersetzen. Bei der Frage, ob die Brücke überhaupt notwendig sei, antwortete die damalige Verwaltungschefin laut Niederschrift der Sitzung des Hoch-/Tiefbau-Ausschusses vom 20. Februar 2014: „Bürgermeisterin Noske führt hierzu aus, dass die Brücke sehr häufig benutzt wird und sie die Lebensqualität in Hundsmühlen erhöht.“ Der Ausschuss empfahl damals, die Brücke abzureißen und durch ein neues Bauwerk zu ersetzen. Dieser Empfehlung scheint der Rat nicht gefolgt zu sein.
Der Ortsverein schreibt: „Der bauliche Zustand wird seit Jahren immer wieder thematisiert, ohne dass nachhaltige Reparaturarbeiten am Unterbau vorgenommen worden sind. Es darf nicht sein, dass der Reparaturstau nunmehr zum Abriss der Brücke führen soll.“


 

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