Da hängt ein Motorrad im Flur

Mit Michael Schumacher (vorne) 2001 auf der IAA in Frankfurt (von links): André Mierke-Laube, Joachim Schäfer, Oliver Nicolai, Schumacher-Manager Willi Weber und Motorsportfunktionär Jean Todt. Hängt heute im Wildeshauser Hof: das Motorrad (kleines Bild). Foto: Privat/SIELING

Wildeshausen – Wer ein Hotel betritt, rechnet wohl nicht damit, dass im Eingang ein Motorrad hängt. Die rote Harley-Davidson, die im Wildeshauser Hof über den Köpfen der Besucher schwebt, hätte in den Verkauf gehen sollen. Doch es kam anders. Die Maschine erinnert Betreiber Oliver Nicolai an eine Begegnung mit einem legendären Rennfahrer: Michael Schumacher. Wegen einer aktuellen Netflix-Dokumentation ist der 51-Jährige, der sich 2013 bei einem Skiunfall schwere Kopfverletzungen zugezogen hat, wieder im Gespräch.

Vor 20 Jahren hat Nicolai gemeinsam mit dem Ganderkeseer André Mierke-Laube das Gefährt dem damaligen Formel-1-Weltmeister auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) präsentiert. „Wie ein kleiner Junge, der vor einem Weihnachtsbaum steht“, erinnert sich Nicolai an Schumachers Reaktion. Von 1999 bis 2003 war der 55-Jährige Schumachers Marketing-Manager. Das Motorrad war ein Prototyp. Die Idee von Mierke-Laube und Nicolai: „Für jeden Formel-1-Sieg ein Motorrad.“ Der Hintergrund: Die Rennfahrer-Legende sei privat gern Motorrad gefahren, erzählt Nicolai.

Die Geschäftsgespräche wurden allerdings unterbrochen. Denn der Tag, an dem die beiden den Prototypen präsentierten, war der 11. September 2001 – der Tag, an dem die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York verübt wurden.

11. September 2001

Er habe zunächst gedacht, er sehe einen Action-Film, erinnert sich Nicolai. Bis er realisierte, dass die Bilder auf den Bildschirmen echt waren.

An der Unterbrechung lag es nicht, dass das Geschäft nicht zustande kam: Mierke-Laube und Nicolai hatten eine Lizenz erworben. Erst, als der Kauf über die Bühne gegangen sei, habe Schumachers Ex-Manager Willi Weber gemerkt, dass es sich dabei um eine sogenannte Exklusiv-Lizenz gehandelt habe. Offenbar habe Weber daraufhin den Verkauf am liebsten wieder rückgängig machen wollen: „Und dann kam es zum Rechtsstreit“, erzählt Nicolai. Angeblich seien die Lizenzverträge – Mierke-Laube und er kauften noch eine weitere dazu – gestohlen worden. „2006 oder 2007“ sei das Urteil vor Gericht schließlich gefallen, erzählt Nicolai: „Wir durften nichts mehr machen.“ Den Namen Schumacher durften sie nicht mehr verwenden, die Verträge wurden rückgängig gemacht.

Weltweites Unikat

Dabei hätten Mierke-Laube und Nicolai noch weitere Pläne gehabt: Krafträder „und Zubehör“ hätten sie auf den Markt bringen wollen. Geblieben ist der Prototyp. „Bis 2015 stand er in meinem Wohnzimmer.“ Natürlich habe er Angebote von Fans erhalten. Käme ein adäquates Angebot, würde er auch verkaufen, sagt er. Unter 500.000 Euro würde er die Maschine aber nicht hergeben. „Es ist ein weltweites Unikat.“ Von der ersten Zeichnung bis zur Fertigstellung seien damals eineinhalb Jahre vergangen. Schlechte Erinnerungen verbinde der 55-Jährige mit dem Motorrad in Ferrari-Rot nicht: „Für mich war es eine der aufregendsten Zeiten meines Lebens.“


 

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