Zugpferd und Stimmengarant

Hört als Kommunalpolitiker auf: Detlef Sonnenberg (SPD) aus Tungeln.BILD: BETTMANN

TUNGELN – Nach mehr als 40 Jahren in der Wardenburger SPD darf man sicherlich – unabhängig vom Alter – von einem „Urgestein“ reden. Auf Detlef Sonnenberg aus Tungeln passt diese Beschreibung, denn er hat sich nicht nur 35 Jahre lang im Wardenburger Gemeinderat politisch engagiert, sondern auch noch 30 Jahre im Kreistag des Landkreises Oldenburg. Nun ist der Sozialdemokrat 78 und will sein Privatleben künftig ohne Terminzwänge und Verpflichtungen genießen. Bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag steht er für kein politisches Amt mehr zur Verfügung.
Detlef Sonnenberg mutet dieser neue Lebensabschnitt noch irgendwie komisch an: „Zuerst denkt man, jetzt bist du von der ganzen Verantwortung erlöst, und dann fühlt es sich an wie fristlos entlassen, obwohl ich ja aus freien Stücken nicht wieder antrete“, sagt das scheidende Ratsmitglied schmunzelnd. Im Jahr 1980 war Sonnenberg in die SPD eingetreten, hatte damals aber noch kein politisches Amt ins Auge gefasst. Erst als kurze Zeit später in der unmittelbaren Nachbarschaft eine große Flutlichtanlage auf den Dorfplatz gebaut werden sollte und sich Widerstand gegen die Dimension dieses Projekts regte, wurde Sonnenbergs Interesse geweckt, Politik selbst aktiv zu gestalten.

Seit 1977 in Tungeln

„1981 trat ich das erste Mal zum Gemeinderat an, bekam aber nicht genügend Stimmen“, erinnert sich der SPD-Mann, der  1977 mit Ehefrau Edith nach Tungeln gezogen war. Fünf Jahre später hatte es dann geklappt. 1991 schaffte er dann auch den Sprung in den Kreistag. „Überraschenderweise hatte ich damals viele Stimmen aus Hundsmühlen bekommen.“ In den nachfolgenden Wahlen entwickelte sich Sonnenberg zum „Zugpferd“ und „Stimmengarant“. Mehr als einmal holte er das beste Einzelergebnis aller gewählten Ratsmitglieder. 2016 war der im Harz aufgewachsene Diplom-Ingenieur der Einzige, der mit 1.389 Stimmen die 1.000er-Marke knackte. Das zweitbeste Ergebnis lag mit 804 Stimmen bei den Grünen.
Sein gutes Abschneiden bei den zurückliegenden Gemeinderatswahlen sei eventuell, so vermutet Sonnenberg, auch auf seine zehnjährige Tätigkeit als stellvertretender Bürgermeister zurückzuführen: „Da vertritt man die Gemeinde bei vielen Geburtstagen und Jubiläen und kommt mit vielen Menschen ins Gespräch.“
Rückblickend auf die Arbeit in der Kommunalpolitik stellt der studierte Elektrotechniker fest: „Die Ratsarbeit ist im Laufe der Jahre immer komplexer und der Bürger anspruchsvoller geworden.“ Um immer gut im Thema zu sein, müsse schon viel Freizeit geopfert werden, gibt der Ruheständler zu bedenken. „Man muss schon eine persönliche Befriedigung aus diesem Ehrenamt schöpfen, denn einen Dank bekommt man selten“, zieht Sonnenberg Bilanz.

Mehr Zeit für Enkelin

Prägende Ereignisse der  Jahre als Ratsmitglied und Kreistagsabgeordneter waren für ihn die Verlegung des Kreissitzes von Oldenburg nach Wildeshausen in den 80er Jahren und später die Erweiterung der Kindergärten und die Schaffung von Krippenplätzen sowie die Einrichtung der Integrierten Gesamtschule „Am Everkamp“   in Wardenburg.
Seine neu gewonnene Freizeit will der Vater eines 41-jährigen Sohnes am liebsten mit der fast dreijährigen Enkeltochter verbringen sowie auf Radtouren mit seiner Frau. Auch als Ratgeber für Fragen aus der SPD, sofern gewünscht, stehe er immer gerne bereit.


 

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