Die Vereinigung zweier Welten

von Sönke Manns

Napal Lodh in seinem privaten Meditationsraum. Foto: Manns

Dötlingen – Wer Nepal Lodh begegnet, trifft auf einen Mann, der in sich ruht, der Würde, Ausgeglichenheit und Energie ausstrahlt. Das Interview entwickelt sich schnell zum Dialog, Nepal Lodh ist an seinen Mitmenschen aufrecht interessiert, möchte wissen, was sein Gegenüber denkt, macht, antreibt.

Nepal Lodh, der seit 1985 mit seiner Ehefrau in Dötlingen-Klattenhof lebt, ist Diplom Sozialwissenschaftler, Indischer Yoga-Meister, Lehrbeauftragter, spiritueller Lebensberater, Lehrer für Hinduismus und Yoga, Ausbilder für Yoga-Lehrer/innen und Gründer sowie Leiter der Hindu-Akademie in Bremen – die Aufzählung ist so beeindruckend wie unvollständig.

1943 in Indien geboren wollte Nepal Lodh nach dem indischen Abitur und ersten Berufserfahrungen als Inspektor mit 21 Jahren die Welt kennen lernen, andere Kulturen studieren. Während es viele junge Erwachsene aus Indien nach England zieht, wo die akademische Ausbildung einen hervorragenden Ruf genießt, fiel die Wahl von Nepal Lodh auf Deutschland.

Um in Deutschland seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nahm der junge Inder als ungelernter Kraftfahrzeug-Handwerker vorerst einen Job in einer Werkstatt in Verden an der Aller an. Bei einem Job als Dreher bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken (heute Airbus) in Bremen-Lemwerder lernte Nepal Lodh Studenten kennen und sein Wunsch nach einer akademischen Ausbildung wuchs.

Um ein Studium in Deutschland beginnen zu können, musste der junge Inder vorerst die deutsche Hochschulreife nachweisen, anschließend studierte Nepal Lodh anfänglich Betriebswirtschaft und Maschinenbau an der Fachhochschule in Bremen.

Als die Bremer Uni 1971 eröffnete, schrieb sich Nepal Lodh für Sozialwissenschaften ein und schloss das Studium mit dem Diplom ab. „Der Schwerpunkt des Studiums lag im Bereich der sozialen Probleme in der Bundesrepublik sowie der klinischen Psychologie“, berichtet Lodh.

Yoga ist für Nepal Lodh eine gelebte Praxis, die ihm bereits von seinen Eltern, die ebenfalls Yoga praktiziert haben, in die Wiege gelegt wurde. Und so begann der Yoga-Meister in Deutschland parallel zum Studium Yoga-Kurse an Volkshochschulen anzubieten. Das war 1972 und die Yogalehre, die neben dem Körper auch den Geist und die Seele schult, war in Deutschland noch weitgehend unbekannt – im Oldenburger Raum war Nepal Lodh einer der ersten, der die indische Kultur im Oldenburger Raum bekannt gemacht hat. „Als er Anfang der 70er Jahre begann, vereinzelt Yoga an der Volkshochschule zu unterrichten, verkörperte er ein exotisches, aber wohlgelittenes Angebot“, erinnert sich Ulla Voigt, damals stellvertretene Leiterin der Bremer Volkshochschule, in einer Festschrift aus dem Jahr 2003, die anlässlich des 60. Geburtstags das Engagement Nepal Lohds würdigt.

Doch Nepal Lodh ließ sich nicht beirren, bot sowohl an den Volkshochschulen als auch an den Universitäten Yoga-Kurse und -Vorträge an und engagierte sich beruflich als yogatherapeutischer Berater in einer Bremer Privatklinik. Yoga sei  eine praktizierte philosophische Lebensform, sagt Nepal Lodh, „Yoga bildet meinen Lebensinhalt und gibt mir innere Selbstzufriedenheit.“

Es folgten Lehraufträge in den Fachbereichen Sportwissenschaft und Religionswissenschaft/Religionspädagogik.

Aber auch die spirituelle Ebene kam nicht zu kurz: In seiner Hindu-Akademie, einen 1983 in Bremen gegründeten „Institut für Prävention und ganzheitliche Gesundheit“, unterrichtet Nepal Lodh Meditation und Yoga und bildet hier bis heute Yoga-Lehrerinnen und -lehrer aus. Neben der Unterweisung in die Yoga- und Meditationspraxis werden zudem alle Aspekte der Theorie und Philosophie des Yoga vermittelt.

Hinduismus ist für den heute 77-Jährigen eine Einheit in der Vielfalt. Es sei gleichgültig, an welchen Gott man glaube – alle Gottesvorstellungen hätten das gleiche, höhere  Ziel. Dabei gelte es, über die göttliche Fixierung zu überwinden. „Über dem Glauben steht eine höhere kosmische Idee“, ist Nepal Lodh überzeugt, der sich mit seiner grenzenlosen Toleranz und Achtung des Anderen für ein gewaltfreies Leben und ein friedliches Miteinander einsetzt. „Religiosität bedeutet für mich, die natürlichen Gesetzmäßigkeiten achten, eine ganzheitliche Selbstfindung durch meinen Körper, Geist und Seele zu erfahren und danach zu leben.“

Als Yoga-Meister und Diplom-Sozialwissenschaftler vereinigt Nepal Lodh zwei Welten in sich, er verstehe es, „die westliche und östliche Denkweise wunderbar zu verbinden“, wie es Ulla Voigt formuliert hat. Und so mag es nicht wundern, dass er auch als Lehrbeauftragter für interkulturelle Kommunikation an der Fachhochschule in Merseburg erfolgreich tätig war.

Er ist Mahatma Ghandi (als Vierjähriger) ebenso begegnet wie dem Dalai Lama oder Nelson Mandela – Begegnungen, die ihn nachhaltig beeindruckt haben. Neben dem Dalai Lama und Nelson Mandela war der Weltbürger Napal Lodh Referent im Parlament der Weltreligionen, das 1999 in Südafrika zusammentrat.

Nepal Lodh, der sich seit über 30 Jahren als Vorsitzender der deutsch-indischen Gesellschaft Oldenburg engagiert, ist auch Autor. So hat er in seinem Buch „Kastenlose Gesellschaft. Ein Inder in Deutschland“ (1991) seinen Werdegang beschrieben und unter anderem den Roman „Sat Prem – Reine Liebe“ (2000) publiziert. „Unter reiner Liebe verstehe ich ein Gefühl für alle Lebewesen. Ordnung der Dinge, das Leben umweltschonend zu planen und zu gestalten und in der Verhaltensweise achtsam zu sein und niemanden zu verletzten“, hat Nepal Lodh in einem Interview gesagt.

Vielfach ist das ehrenamtliche Engagement des Wahldötlingers gewürdigt worden, unter anderem wurde er 2004 für den Tag der Deutschen Einheit in Erfurt als Botschafter des Landes Niedersachsen auserwählt. Und als die Deutsch-Indische Gesellschaft im Jahr 1995 eine Ausstellung über Mahatma Gandhi zum Thema „Frieden und Toleranz“ präsentierte, fungierte Nepal Lodh als indische Botschafter in Oldenburg.

„Mit sich selbst zufrieden zu sein – das ist Glück“, ist eine Weisheit, die Nepal Lodh nicht müde wird zu vermitteln. Und wenn man den Yoga-Meister heute fragt, ob er glücklich sei, sagt er: „Ich bin sehr zufrieden – auf meine Art bin ich glücklich.“  


 

Liveticker

Weitere interessante Artikel

Baustein im Gesamtkonzept

Landkreis – Startschuss für den Aufbau einer IT-Systemadministration an den Schulen des Landkreises Oldenburg: Wie Kreisschulamtsleiter Maik Ehlers bei einem Informationstermin der ...

Luftnummern auf Weltniveau

Großenkneten – Bei der Abschlussvorstellung der Hochschule für Circus und Performance Art im niederländischen Tilburg, an der Lisa Rinne vier Jahre lang studiert und mit dem ...

Von Bienen und Blumen

GANDERKESEE – Vegetationskundler gehören mittlerweile zu einer seltenen Spezies. Friederike Meyer ist zurzeit eine von ihnen. In ihrem vegetationskundlichen Praktikum dokumentiert sie die ...