Lust auf Veränderung in der Gemeinde

Vor dem Pfarrhaus: der neue Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Großenkneten Dr. Sven Evers (links) mit seinem Vorgänger Dietrich Jaedicke. BILD: STEIN

Großenkneten – Erst kürzlich hat er mit seinem Ehemann das Pfarrhaus bezogen, am 1. September war dann Dienstantritt: Dr. Sven Evers ist der neue Pastor in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Großenkneten. „Ich habe große Lust, Dinge in Angriff zu nehmen“, sagt Evers. Dabei gehe es um grundsätzliche Fragen: „Wie feiern wir Gottesdienste? Wie können wir rausgehen zu den Menschen?“ Der 49-Jährige wurde vom Kirchengemeinderat am 9. Juni gewählt und übernimmt die Nachfolge von Dietrich Jaedicke und Christiane Geerken-Thomas, die sich bislang die Stelle geteilt hatten. Geerken-Thomas ist bereits im Februar ins Kreispfarramt Wesermarsch gewechselt, Jaedicke geht Ende Oktober in den Ruhestand.

Veränderung „von innen“

Sven Evers ist promovierter Theologe und hat bereits sieben Jahre als Gemeindepfarrer in der Wesermarsch gearbeitet. Seit 2001 ist er Landesjugendpfarrer in Oldenburg. In seinen ersten beiden Dienstmonaten in Großenkneten wird ihm Dietrich Jaedicke zur Seite stehen. „Es ist schon etwas Besonderes, dass es eine solche Überlappung gibt“, sagt Jaedicke. „Das freut uns sehr.“  „Es ist hilfreich, wenn man sich an einem 26 Jahre erfahren Kollegen orientieren kann“, meint Evers. Zum einen, weil seine Zeit als Gemeindepfarrer schon eine Weile her sei und zum anderen, weil die Stelle nun zum ersten Mal von einer Person alleine getragen wird. „Meine Erfahrungen werde ich gerne weitergeben“, sagt Jaedicke. „Aber es sollen gerne neue Impulse gesetzt werden.“

Dem Studium der evangelischen Theologie in Münster, Dublin und Heidelberg folgte von 1998 bis 2004 ein Vikariat in der Kirchengemeinde Hude. Von 2004 bis 2011 war Evers Pfarrer in den Kirchengemeinden Großenmeer und Strückhausen (Landkreis Wesermarsch). 2011 trat er seinen Posten als Landesjuigendpfarrer an. Zwischen 2001 und 2004 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Oldenburg, 2005 folgte hier die Promotion. 

In seiner Arbeit als Landesjugendpfarrer hat Evers viele neuen Ideen und Perspektiven kennengelernt. „Das heißt nicht, dass ich alles holterdiepolter umkrempeln werde.“ Er wolle zunächst lernen, wie es momentan vor Ort läuft.  „Veränderung muss etwas von innen heraus sein.“ Kommunikation mit den Gemeindemitgliedern sei dabei ganz wichtig. Sorge, dass  ältere Gemeindemitglieder durch Neuerungen verschreckt werden, hat Evers nicht. „Lust auf Veränderung hat wenig mit Alter zu tun.“ 

Aus seiner jahrelangen Erfahrung in Großenkneten weiß Vorgänger Jaedicke: „Die Kirchengemeinde hier ist offen für Veränderungen. Das kennen sie auch aus den Jahren, wo ich hier Pastor war.“ Es habe immer wieder neue Impulse gegeben, auch gemeinsam mit Vikarinnen und Vikaren. „Ich freue mich von Herzen, dass jemand Junges kommt“, sagt der 65-Jährige. In 26 Jahren hätte sich vieles eingeschliffen, manches stehe auch Fortschritt im Wege. 

Evers ist überzeugt, dass sich in der Institution Kirche auch etwas verändern muss. „Manchmal können wir Leute nicht erreichen, weil institutionelle Regeln im Weg stehen.“ Vielleicht hätte sich auch nicht die mittlere und jüngere Generation von der Kirche abgewendet, sondern die Kirche von ihnen. 

Abschied fällt schwer

Die Übergangszeit bietet Dietrich Jaedicke die Gelegenheit, angefangene Projekte zu Ende zu bringen, beispielsweise die durch Corona verzögerten Konfirmationen. „Es ist schön, wenn ich das noch machen kann.“ Der Abschied werde ihm schwer fallen. „Ich bin mit Leib und Seele Pastor. Die Verkündigung liegt mir am Herzen. Gerade in Großenkneten habe ich mich sehr wohl gefühlt. Ich habe hier eine ungeheure Vielfalt erleben dürfen.“


 

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