Frauen im Handwerk sollen sichtbar werden

Artikel vom 04.10.2021

von Hergen Schelling

KENNEN SICH MIT TECHNIK AUS: MERCEDES SERVIN (VON RECHTS) UND TINA SCHWERTER HABEN SICH FÜR DAS HANDWERK ENTSCHIEDEN. FIRMENCHEF INGO HERMES FREUT SICH DARÜBER. BILD: HERGEN SCHELLING 

Betriebe wünschen sich mehr weibliche Auszubildende und Mitarbeiterinnen – Porträt-Kampagne gestartet

Bei der letzten Freisprechungsfeier im Bereich Automatisierungstechnik erhielten 38 Auszubildende ihre Zeugnisse. „Darunter war genau eine Frau“, erinnert sich Sven Jochims. Nicht nur der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land wünscht sich viel mehr Frauenpower im Handwerk.

Auch Unternehmer wie Ingo Hermes unterstützen das: „Frauen, die sich für einen Handwerksberuf entscheiden, sind darin zu 99 Prozent erfolgreich“, sagt der Geschäftsführer der Firma Hermes Systeme in Wildeshausen. Warum? „Weil sie ganz bewusst ihrer Passion nachgehen“, so Hermes. Soll heißen: Junge Frauen, die es in eher männlich geprägte Berufe zieht, tun das, weil sie es unbedingt wollen – und nicht, weil zum Beispiel der Vater schon in dem Beruf war oder weil sie sich nichts anderes vorstellen konnten.

Gute Beispiele

Tina Schwerter ist so einen Weg gegangen: Eigentlich war in der Berufsschule der Technik-Kurs eher zweite Wahl für sie, aber als sie dann doch darin landete, kam sie auf den Geschmack. „Zuerst hatte ich Bammel, aber als es losging, fand ich es schnell sehr cool.“ Die junge Frau aus Vechta machte in Langförden eine Ausbildung als Elektronikerin für Automatisierungstechnik, danach sammelte sie auf Baustellen praktische Erfahrung und hatte als Bauleiterin auch schnell personelle Verantwortung. „Dann wollte ich aber noch was anderes sehen“, erzählt die 26-Jährige. Sie bewarb sich bei Hermes und wurde aufgrund ihrer Qualifikation sofort genommen.

Langer Weg

Noch länger war der Weg von Mercedes Servin: Die 32-jährige Mexikanerin hatte sich zunächst für ein International-Business-Studium entschieden und war vor allem in Asien unterwegs. Dort stellte sie fest: Business-Leute gibt es schon so viele, im IT-Bereich könne sie sich besser entwickeln. Sie studierte in Nürnberg Wirtschaftsinformatik, blieb in Deutschland und ist seit zwei Jahren als Softwareentwicklerin und Programmiererin bei Hermes: „Hier ist es phänomenal“, schwärmt sie.

Tina Schwerter und Mercedes Servin sowie ihre Hermes-Kollegin Frederike Bootsmann sind Teil einer neuen Kampagne: „Wir wollen Frauen im Handwerk sichtbar machen“, sagt Claudia Körner, Geschäftsführerin des Unternehmensverbundes Frauen und Wirtschaft. Gemeinsam mit der Kreishandwerkerschaft und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Landkreis Oldenburg (WLO) hat der Verbund eine Porträtreihe gestartet: Junge Frauen in Handwerksberufen haben sich an ihren Arbeitsstellen fotografieren lassen und dazu Fragen nach ihrer Motivation und ihren Erfahrungen im Beruf beantwortet.

Sieben Porträts

Bisher sind sieben Porträts entstanden, unter anderem auch mit einer Tischlerin und einer Kfz-Mechatronikerin. Die Fotos hat Raissa Wischnewski von der WLO aufgenommen, die als Fotografen-Gesellin selber eine Handwerkerin ist. Die Gespräche mit den abgebildeten Frauen führte Claudia Körner. Die Porträts werden nun Unternehmen und Verbänden zur Verfügung gestellt, damit sie damit werben können, um möglichst viele weitere junge Frauen für die handwerklichen Berufe zu begeistern.

Sven Jochims und die stellvertretende Kreishandwerksmeisterin Melanie Heuer appellieren an die Betriebe in ihrem Bereich, sich an der Aktion zu beteiligen. Das sollten sie schon aus eigenem Interesse, denn mit mehr Frauen im Handwerk ließe sich auch der zunehmende Fachkräftemangel leichter kompensieren.


 

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