Ganderkeseer Firma entwickelt Übersetzer-App für medizinische Notfälle

Artikel vom 26.04.2022

Karoline Schulz

Wollen die kostenfreie Ersthelfer-App schnell bekannt machen: Marketing-Managerin Christiane Uhlir und Ascora-Geschäftsführer Henning Seedorf. Bild: Karoline Schulz

Was tun, wenn sich bei medizinischen Notfällen Ersthelfer und Patient nicht verständigen können? Der Ganderkeseer Software-Entwickler Ascora hat eine einfache Lösung parat. Wie sie funktioniert.

Es sind ganz grundlegende Informationen, die Ersthelfer und Rettungskräfte in Notfällen benötigen, um angemessen handeln zu können. Die Antwort auf Fragen wie „Wo tut es Ihnen weh?“, „Ist Ihnen schwindelig?“ oder „Sind Sie schwanger?“ können bereits beim Absetzen des Notrufs relevant sein – spätestens dann, wenn es um die medizinische Erstversorgung geht, sind sie essentiell. Was aber tun, wenn der Patient nicht die eigene Sprache spricht? Eine Lösung hat jetzt der Ganderkeseer Software-Entwickler Ascora auf den Markt gebracht: „Übersetzer für Ersthelfer“ heißt eine Handy-App, die seit Februar in allen App-Stores verfügbar ist und in den nächsten Tagen um die ukrainische Sprache erweitert wird.

Wie funktioniert die Ersthelfer-App?

Am Montag hat ein aus der Ukraine stammender Mediziner aus Oldenburg die Texte im Tonstudio der Softwareschmiede an der Birkenallee in seiner Muttersprache eingesprochen. Denn die App übersetzt die gängigen Fragen nicht nur, sondern sie liest sie dem Patienten auch in dessen Sprache vor.

Sieben Sprachen – neben Ukrainisch sind das Englisch, Arabisch, Polnisch, Rumänisch, Bulgarisch und Russisch – sind aktuell hinterlegt. Alle wurden von Muttersprachlern eingelesen. Neben den „Erstkontaktfragen“ können Rettungskräfte und Ersthelfer dem Patienten in einem zweiten Schritt via App erklären, was gerade mit ihm passiert – mit vorformulierten Sätzen wie „Ich desinfiziere jetzt Ihre Wunde“ oder „Wir bringen Sie jetzt ins Krankenhaus“.

Einen großen Vorteil sehen die App-Entwickler auch für Laienretter: „Man ist in der Notfallsituation nicht alleine, sondern kann vor Eintreffen des Rettungsdienstes wichtige Informationen abfragen“, erklärt Christiane Uhlir, Marketing-Managerin bei Ascora. Die Rettungskräfte würden so wertvolle Zeit gewinnen.

Wie kam es zur Entwicklung der App?

Über die Mitwirkung an einem Forschungsprojekt, das sich mit der Digitalisierung in der Pflege beschäftigt, sind die Ascora-Entwickler mit einer Rettungssanitäterin ins Gespräch gekommen, die von Verständigungsschwierigkeiten bei Einsätzen berichtete. Mit der Zuwanderung Geflüchteter aus der Ukraine nähmen diese weiter zu, so erfuhren sie. Die Ganderkeseer Software-Experten begaben sich umgehend ans Werk. Nicht zum ersten Mal standen sie vor der Herausforderung, schnell eine Lösung für ein aktuell drängendes Problem zu finden.

Vor knapp fünf Jahren beispielsweise hatten sie spontan die App „Faules Ei“ aufgelegt, nachdem mit einem Insektizid verseuchte Eier in den Handel gelangt waren, die es nun zu identifizieren galt. Henning Seedorf, seit Februar Geschäftsführer von Ascora, fasst derartige Lösungen unter dem Schlagwort „kleine Helferlein“ zusammen – überschaubare Anwendungen, die das Unternehmen speziell für Endanwender ohne große IT-Kenntnisse entwickle. Dass solche Produkte recht kurzfristig aufgelegt werden könnten, sei auch der Unternehmensgröße von Ascora mit aktuell rund 40 Mitarbeitern zu verdanken. „Sie ermöglicht uns, immer agil und flexibel zu bleiben“, so Seedorf.

Wer kann die App herunterladen?

Die Ersthelfer-App ist für alle Nutzer kostenfrei erhältlich. Jetzt gelte es, sie in der Öffentlichkeit sowie bei Multiplikatoren wie Rettungsdiensten und Kliniken publik zu machen, betonen Seedorf und Uhlir. Auch die Braubranche, Fluggesellschaften und den ADAC wollen sie mit ins Boot holen. Der Ascora-Geschäftsführer wünscht sich, die App zu einem Utensil zu machen, das ganz selbstverständlich zur Grundausstattung von Verkehrsteilnehmern gehöre. „Ich sehe die App wie einen Verbandskasten“, sagt Seedorf.


 

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