Heimische Erdbeeren, Spargel und Gemüse könnten knapp werden

Artikel vom 25.01.2023

Thorsten Konkel

Spargel und Erdbeeren, die will Liane Wempe im Hofladen des Spagelhofs Wempe in Neu-Holzkamp auch in diesem Jahr anbieten. Heimisches Obst und Gemüse könnte in Supermärkten aber knapp werden. Fotos: Christin Hufer Bild: Archiv/Christin Hufer

Gibt es trotz explodierender Lebensmittelpreise in den Supermärkten bald kein Obst und Gemüse mehr zu kaufen? Worauf sich Landwirte gerade einstellen und was Verbraucher befürchten müssen.

Nach Jahrzehnten im Lebensmittel-Überfluss droht Konsumenten möglicherweise schon bald eine krasse Kehrtwende bei Obst und Gemüse: Davor, dass zu wenig heimisches Obst und Gemüse in diesem Jahr in die Supermärkte kommen könnte, hatte Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied aus Anlass der Messe Grüne Woche gewarnt und hatte vor allem Erdbeeren und Spargel im Blick. Steigende Energiepreise und die Lohnkosten infolge der Anhebung des Mindestlohns, lassen die Lebensmittelpreise weiter ansteigen. Jetzt hat dies auch mehr und mehr heimische Ackerbauern zum Straffen ihrer Anbaustrategie bewogen. Bestimmte energie- und anbauintensive Sorten wollen sie 2022 gar nicht mehr anpflanzen oder die Produktionsmengen deutlich verringern.

Es kommt auf Importe an

Ganz leer werden die Regale der Discounter zwar auch dann nicht sein, wenn immer weniger deutsche Landwirte zu Bedingungen produzieren, die ihnen die Preisvorgaben der Discounter vorgeben. Aber ob dann fehlendes Obst und Gemüse auch in Mengen durch Importe ersetzt werden könnten, ist fraglich.

Vor allen Erdbeer- und Spargel-Produzenten denken derzeit um – einer davon ist Markus Wempe. Der Landwirt aus Vechta, der seit vielen Jahren auch in Ganderkesee Erdbeer- und Spargelfelder bewirtschaftet, hat schon vor zwei Jahren, also noch vor dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, damit begonnen, seine Produktion zu straffen – und ging damit voll ins Risiko. Zum Jahresbeginn ist Wempe nun froh, sich für „Klasse statt Masse“, also für seine Kundschaft im Hofladen und gegen den weiteren Anbau für den Großhandel entschieden zu haben.

Qualitativ nicht möglich

„Gleichzeitig für zwei verschiedene Märkte zu produzieren, ist qualitativ nicht möglich“, sagt der Direktvermarkter. Der Grund: „Der Handel fordert günstige Erdbeeren, die groß und mindestens eine Woche haltbar sein müssen. Der Geschmack ist nebensächlich.“ Die zu den Kunden des Direktvermarkters zählenden Verbraucher und gehobenen Gastronomien stünden dagegen auf bestimmte Qualitätsware und seien bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. „Gefragt sind Top-Erdbeeren wie Malling Centenary oder Sensation“, erklärt Wempe. Sein Entschluss: „Wir werden jetzt nur noch Top-Sorten, aber 50 Prozent weniger Erdbeeren produzieren als 2022.“ Und dies mit einem kleineren Team von 60 der einst 180 Erntehelfer. Auch der Selbstpflückbereich werde ausgebaut.

Weil Spargel eine mehrjährige Staude sei, würden die zehn Hektar Anbaufläche zunächst nicht verkleinert. Den arbeitsintensiven Anbau unter Folie, um zeitlich eher an den Markt zu kommen, will er überdenken. „Ich glaube nicht, dass es sich lohnt, eine Woche früher Spargel anzubieten.“ Inwieweit Kostensteigerungen überhaupt weitergegeben werden könnten, sei nicht abzusehen. „Irgendwann ist ja mal die Grenze“, beschreibt Wempe die Sorge, Kunden könnten preislich die Lust am Gemüse verlieren.

Auch Kartoffelproduzenten sind besorgt: „Wir verkaufen jetzt die Ernte vom vergangenen Jahr, doch bei der neuen müssen wir die Preise leicht erhöhen. Noch halten uns die Kunden die Treue“, sagt Insa Moorschlatt vom gleichnamigen Kartoffelhof in Hengsterholz.

Flächen stillgelegt

Wenig rosig scheint der Ausblick beim Spargel: Großproduzenten in der Region, etwa in Langförden, hätten bereits ganze Spargel-Anbauflächen stillgelegt, sagt Wempe. „Da rechne ich teilweise mit Mengenreduzierungen von 70 Prozent.“


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