Hündin Lotta läuft von Dötlingen bis Nordrhein-Westfalen

Artikel vom 20.01.2022

Verena Sieling

Wurde nach tagelanger Suche gefunden: Lotta Bild: privat

Plötzlich stand sie auf der Straße: Einen Tag vor Heiligabend büxte Hündin Lotta in Dötlingen aus. Acht Tage später wurde sie gefunden – in 100 Kilometern Entfernung.

Mit einer größeren Überraschung hätte das Jahr 2022 für Talea Mansholt und ihren Freund Kevin Geweiler wohl kaum anfangen können: Sie haben ihren Hund Lotta gefunden – nach tagelanger Suche, gut 100 Kilometer vom Landkreis Oldenburg entfernt.

Das Verschwinden

Die Geschichte hatte am 23. Dezember in Dötlingen begonnen: Dort besuchte das Paar, das in Berlin wohnt, die Familie von Kevin Geweiler. Mit dabei: Lotta. Die Hündin aus Polen, vermutlich zwischen zwei und drei Jahre alt, kam zu einer Vermittlerin nach Berlin, die wiederum das Tier an das Paar weitervermittelte.

Zu was Lotta imstande ist, erlebten Talea Mansholt und ihr Freund nun einen Tag vor Heiligabend: Plötzlich stand die Hündin auf der Straße. „Sie hat wohl selbstständig die Tür geöffnet“, vermutet die 24-Jährige. Eine Situation, die viele Hundebesitzer für fast unmöglich halten würden, „jedoch vor allem Auslandshunde sehr gut können“, sagt Alina Burgdorf von der Hundesicherung Bremen und Umzu, mit der Mansholt und Geweiler noch am selben Tag Kontakt aufnahmen. Dort gingen sie die weiteren Schritte durch: Polizei und Jägerschaften informieren, Flyer erstellen und verteilen. Und Talea Mansholt weiß nun auch: Entlaufene Hunde sollten nicht aktiv eingefangen werden. „Damit verängstigt man sie.“

Die Suche

Erst wurde Lotta in Dötlingen gesichtet, erzählt Mansholt, dann in Wildeshausen – naheliegend. Und dann teilte die Hundesicherung Minden-Hannover-Hildesheim auf einmal mit, dass der Vierbeiner vor einem Hotel in Petershagen gesehen wurde. Nicht nur für das Paar war dies nahezu unvorstellbar: Innerhalb von nicht einmal sieben Stunden legte Lotta eine Strecke von rund 100 Kilometern nach Nordrhein-Westfalen zurück. Das Sicherungsteam fuhr nach Petershagen, um Futterstellen für den Hund aufzubauen.

Die Futterstellen blieben jedoch unberührt – und Lotta wurde stattdessen im jeweils rund 30 Kilometer entfernten Stemwede und Espelkamp gesehen. Konnte das sein? Die Suchenden holten Tanja Weidler hinzu, eine sogenannte Pettrailerin. Weidlers Hund bestätigte: Lotta musste sich dort aufgehalten haben. In Espelkamp sagte Nadine Gehrmann, Betreiberin einer Hundeschule, ihre Unterstützung zu, richtete Futterstellen ein und betreute diese. Mansholt und Geweiler verschickten derweil weitere Flyer per E-Mail, informierten umliegende Tierheime, blieben mit den Suchteams über Whatsapp in Kontakt.

Das Finden

An Silvester sah es so aus, als ob Lotta zurück Richtung Dötlingen laufen würde – und machte dann doch wieder kehrt. Diepenau, Espelkamp, Wagenfeld, Dickel, Goldenstedt – in diesen und weiteren Orten waren mittlerweile Flyer ausgelegt. Am Neujahrstag wurde Lotta erneut gesehen – wieder kurz vor Petershagen. Mansholt und Geweiler machten sich am selben Tag auf gut Glück auf den Weg. Zum Hotel, wo ihre Hündin schon einmal gesehen wurde. Und dann passierte es: Mit Nadine Gehrmann unterhielten sie sich gerade auf dem Parkplatz über Lotta, erinnert sich Mansholt: „Was ist, wenn wir sie sehen würden? Würde sie uns wiedererkennen? Dann auf einmal lief sie an uns vorbei.“ Die Pettrailerin gab vor Ort den Rat: Warten, bis Lotta auf ihr Frauchen zukommt. Nach drei Versuchen klappt es: Lotta lief schwanzwedelnd auf die 24-Jährige zu, holte sich ihre Frikadelle – und lag kurz darauf schlafend bei Herrchen und Frauchen im Auto.

Der Dank

Talea Mansholt ist froh, dass sie Lotta eine Lebendfalle ersparen konnte. Und sie ist sich sicher: Dass so viele Menschen mithalfen, Flyer in Restaurants und Arztpraxen aushängten, war keine Selbstverständlichkeit. „Ohne so viel Hilfe hätten wir Lotta immer noch nicht.“ Ein Hund, der gerade neu in die Familie gekommen ist, sei nicht zu unterschätzen: „Man weiß nicht, was er erlebt hat.“ Und: Auch kleinere Hunde sind dazu imstande, Türen zu öffnen.


 

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