Lernort-Idee wird nach 17 Jahren endlich Realität

Artikel vom 25.05.2022

Karoline Schulz

Sprachen bei der Eröffnung des Informations- und Dokumentationszentrums: stv. Landrätin Christel Zießler, Fördervereins-Vorsitzender Dietmar Mietrach und Bürgermeister Ralf Wessel (rechts). Bild: Karoline Schulz

Schon oft war in Presseberichten getitelt worden, die Eröffnung des Informations- und Dokumentationszentrums (IDZ) Stedingsehre stehe kurz bevor – erstmals im Jahr 2005. Doch die „Motoren“ des Projekts waren oft mit neuen Widrigkeiten konfrontiert und mussten einen langen Atem beweisen. Jetzt endlich, 17 Jahre später, darf die Zeile lauten: „Das IDZ ist eröffnet“. Am Samstagnachmittag ist der Lern- und Geschichtsort auf dem Gelände des INN-tegrativ Berufsförderungswerks Weser-Ems in Bookholzberg offiziell seiner Bestimmung übergeben worden.

Offizieller Start

Vertreter aus Politik und Verwaltung, wissenschaftliche Begleiter, Sponsoren und Förderer sowie natürlich die Initiatoren – der Arbeitskreis Stedingsehre und der Förderverein Informations- und Dokumentationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg – kamen am Haus 21 des einstigen Kulissendorfs zusammen, um den Start zu feiern. Nachdem das 2019 durch die Gemeinde Ganderkesee erworbene denkmalgeschützte Gebäude umfangreich saniert wurde, soll noch in diesem Jahr auch der Garten nach historischem Vorbild umgestaltet werden. Bürgermeister Ralf Wessel zeigte sich zuversichtlich, dass die erforderlichen Mittel aus dem Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ kurzfristig bewilligt würden.

 Propagandastätte

In seiner Ansprache blickte Wessel auf die Geschichte der früheren Propagandastätte der Nationalsozialisten zurück. Die Freilichtbühne und das Kulissendorf – zur Zeit der Errichtung in den 1930er-Jahren insgesamt zwölf Hektar groß – seien „ein Ort, der darauf angelegt war, Menschen zu beeindrucken – aber auch zu beeinflussen“, so Wessel. Zwar sei die Tribünenanlage noch bis 1982 genutzt worden – unter anderem für Auftritte von Spielmannszügen, niederdeutsches Theater, Heimattage von Vertriebenen. Doch viele Ganderkeseer würden das Gelände heute nicht mehr kennen, so der Bürgermeister.

Auseinandersetzung

Die stellvertretende Landrätin Christel Zießler stellte die historische Verantwortung heraus, die ein solcher Ort bedeute. Das IDZ mache die Vergangenheit für heutige Generationen greifbarer. „Es war nicht alles weit weg – es war hier“, so Zießler. Auch Dietmar Mietrach, Vorsitzender des IDZ-Fördervereins, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung des Ortes für eine zeitkritische Auseinandersetzung mit der Historie. Sowohl für Schüler als auch für Studierende und Historiker werde das IDZ eine wichtige Anlaufstelle sein. Noch offen sei unterdessen die Zukünftige Nutzung des ehemaligen Spieldorfs. In Richtung der Vertreter der INN-tegrativ gGmbH, die die Gebäude inzwischen nicht mehr benötigt, erneuerte Mietrach seinen Appell, für eine Nachnutzung zu sorgen, „die dem geschichtsträchtigen Ort angemessen“ ist.

Zukunft des dorfs

„Wir sind auf dem Weg, den Wunsch von Herrn Mietrach zu erfüllen“, sagte INN-tegrativ-Geschäftsführer Lars Pallinger auf die Frage, ob bereits ein Investor für das Spieldorf gefunden ist, ohne jedoch konkret zu werden. Man wolle sich in Kürze zur Zukunft des Areals äußern, das sich im Eigentum der Stiftung des Landes Niedersachsen für berufliche Rehabilitation, eine von zwei Gesellschafterinnen der INN-tegrativ gGmbH, befindet.

Von der künftigen Nutzung des Spieldorfs hängt auch ab, ob die Oldenburger Kulturetage ihr Theaterstück „Visionen für einen Unort“ im September dieses Jahres wiederaufnehmen wird. Das Stück war im September 2021 auf dem Gelände aufgeführt worden und hatte sich satirisch mit der Nazi-Vergangenheit der Freilichtbühne auseinandergesetzt. Laut Kulturetage-Geschäftsführer Bernt Wach stehen die erforderlichen Fördermittel für die Wiederaufnahme schon bereit.


 

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