Mit Fachwissen gegen Schottergärten und Alibi-Insektenhotels

Artikel vom 29.06.2022

Karoline Schulz

So schön kann ein insektenfreundlich gestalteter Garten sein: die Landschaftsökologen Dr. Klaus und Pia Handke geben Interessierten am Beispiel des eigenen Gartens in Ganderkesee ganz praktische Tipps. Bild: Karoline Schulz

Sie möchten dazu anregen, im Garten mehr Natur zuzulassen: Zwei Ganderkeseer Insekten-Experten geben in einem Seminar praktische Tipps – und erklären, warum die meisten Insektenhotels nichts bringen.

Das Sortiment vieler Gartencenter empfindet er als „deprimierend“ und die Ecke mit den bienenfreundlichen Pflanzen erfüllt seiner Ansicht eher eine Alibi-Funktion: Der Ganderkeseer Landschaftsökologe Dr. Klaus Handke hat festgestellt, dass viele Menschen zwar den Wunsch haben, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen, die Umsetzung dann aber getreu dem Motto „Gut gemeint – aber schlecht gemacht“ null Effekt hat, weil schlichtweg biologische Grundkenntnisse fehlen.

Das möchte Handke zusammen mit Ehefrau Pia, ebenfalls Landschaftsökologin, ändern: Unter die Überschrift „Natur am Gartenteich“ haben die beiden ein dreistündiges Seminar gestellt, bei dem sie am Beispiel des eigenen Gartens in Ganderkesee zeigen, wie mit oft einfachen Mitteln und der richtigen Pflanzenauswahl Leben aufs eigene Grundstück geholt werden kann. Auch dem Trend zu Schottergärten und Zäunen aus Metallgittern mit Kunststoffeinlage möchten sie so etwas entgegensetzen.

Rasen weicht Teich

Den eigenen Garten hat das Ehepaar über 22 Jahre hinweg insekten- und vogelfreundlich gestaltet, um dann im vorigen Jahr die Rasenfläche (Handke: „Man braucht keinen Rasen.“) zu einem großen Schwimmteich mit bewachsenen Uferzonen umzugestalten. Rundherum finden sich ausschließlich heimische Pflanzen- und Gehölzarten – mehr als 300 insgesamt. Überall summt und zwitschert es, Libellen schwirren über der Wasseroberfläche umher.

Seit 2000 haben Handkes in ihrem Garten mehr als 125 Vogel-, 29 Tagfalter, 30 Libellen-, acht Heuschreckenarten und jede Menge Wildbienen und Hummeln nachgewiesen. Gerade nistet eine Schleiereule am Haus, regelmäßig zeigt sich eine Zwergfledermaus. Auch Arten wie Buntspecht, Heckenbraunelle, Grauschnäpper, Kleiber, Stieglitz, Gimpel, Kernbeißer und Stare sind aktuell aus nächster Nähe zu beobachten.

Beobachten sollen auch die Seminarteilnehmer bei den Seminaren: Leihferngläser und Bestimmungsführer stellen die Landschaftsökologen zur Verfügung, genauso ihre eigenen Erfahrungen und wertvolle Praxistipps. Bei Kaffee und Kuchen sollen sich maximal sechs Teilnehmer pro Termin austauschen und die Umgebung auf sich wirken lassen.

Wasser bringt Leben

„Wir können an vielen Stellen zeigen, was möglich ist, und die Teilnehmer können sehen, was ihnen gefällt“, so Pia Handke. Auch auf kleinem Raum, etwa Balkonen, könne etwas für die Insekten getan werden. „Jede noch so kleine Wasserstelle bringt Leben“, ergänzt Klaus Handke. Beide räumen ein, dass zu einer naturnahen Gartengestaltung freilich dazugehöre, auch etwas wildere Ecken zuzulassen. Denn das schönste Insektenhotel bringe nichts, wenn Insekten keine Nahrung finden. „Unsere Insektenhotels sind dauerhaft ausgebucht“, sagt Pia Handke.

Mit ihren Seminaren wollen die beiden interessierte Laien ansprechen, die den ernsthaften Wunsch haben, etwas zu verändern. Auch Lehrer und Gartenbaufachleute oder Vertreter von Firmen, die ihre Flächen im Siedlungsraum naturnäher gestalten wollen, heißen sie ausdrücklich willkommen.

BEITRAG ZUM „BIENENGLÜCK“

Die Seminare zur naturnahen Gartengestaltung bieten die Landschaftsökologen Dr. Klaus und Pia Handke ehrenamtlich an: Der Kostenbeitrag von 50 Euro pro Person für das dreistündige Seminar fließt in voller Höhe in das Ganderkeseer Artenschutzprojekt „Bienenglück“, das mit rückläufigem Spendenaufkommen zu kämpfen hat. Für 50 Euro kann dort die Blühfläche um 50 Quadratmeter erweitert werden. Auch als Geschenk eigne sich das Seminar, betont das Ehepaar.

Die ersten vier Termine – alle finden im Privatgarten der Handkes am Riedenweg 19 in Ganderkesee statt – sind bereits fixiert: die Sonntage, 17. Juli (14.30 bis 17.30 Uhr), 28. August (14.30 bis 17.30 Uhr), 4. September (14 bis 17 Uhr) sowie 18. September (14 bis 17 Uhr). Die Anmeldung ist telefonisch unter 04222/70173 oder per E-Mail (k.handke@oekologische-gutachten.de) möglich. Auch individuelle Termine für Gruppen von vier bis sechs Personen können vereinbart werden.

Geboten werden neben einem kurzen Einführungsvortrag unter anderem Erläuterungen zu den Beobachtungen im Garten, Praxistipps zur Förderung der Fauna im eigenen Garten, Literatur- und App-Hinweise, Kaffee und selbst gebackener Kuchen sowie fachkundige Betreuung durch zwei Personen.

Weitere Termine unter www.oekologische-gutachten-handke.de


 

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Neues Kursheft liegt bereit

Rund 200 Angebote finden sind im neuen Kursheft der Volkshochschul-Außenstelle Wardenburg und Hatten. Auch eine Reihe neuer Angebote ist darin zu entdecken. Nach den vielen ...

Leistungsstarkes Glasfasernetz für Huntlosen

Anzeige

Telekom hat mit der Vorvermarktung für den Glasfaserausbau im Ausbaugebiet in Huntlosen begonnen.

Warum Familie Wachtendorf ihre Erzeugnisse selbst vermarktet

Familie Wachtendorf aus Immer vermarktet die Produkte vom eigenen Hof ab sofort selbst. Was sie in ihrem Hofladen anbieten und warum dieser Schritt auch eine politische Dimension hat. Einen Teil ...

Von der Hunte in die Unterwasserwelt

Die ehemalige Wildeshauserin Dr. Theresa Rüger arbeitet mittlerweile als Juniorprofessorin an der Newcastle University in Großbritannien. Ihr Themengebiet ist die Meeresbiologie. An ...

Huder spenden schon mehr als 100 Fahrräder für den guten Zweck

Der Kulturhof Hude hat um die Spende von gebrauchten Fahrrädern gebeten, um sie über die eigene Fahrradwerkstatt an geflüchtete Menschen weiterzugeben. Die Resonanz ist enorm. Es ist ...

Leistungsstarkes Glasfasernetz für Oldenburg-Ohmstede

Anzeige

Telekom hat mit der Vorvermarktung für den Glasfaserausbau im Ausbaugebiet Ohmstede in Oldenburg begonnen.

Besuchsdienst verschafft pflegenden Angehörigen eine Auszeit

Seit 25 Jahren bieten Ehrenamtliche pflegenden Angehörigen in Ganderkesee mit ihrem Besuch eine kurze Erholungspause. Was ihre Arbeit ausmacht – und wer sich bei der Annahme der Hilfe ...

Wie der Flugplatz umweltfreundlicher wird

Auch das Engagement für die Umwelt gehört zur Zukunftsentwicklung des Flugplatzes Ganderkesee. Wie die Betreiber an der Otto-Lilienthal-Straße ihrer gesellschaftlichen Verantwortung ...

So gelingt der Sommerurlaub mit Haustier

Für Haustier-Besitzer kann der Sommerurlaub zu einer Herausforderung werden. Wie er mit Tier gut gelingt und welche Alternativen es gibt, erklären zwei Expertinnen aus Ganderkesee. Wer ...

Drei Wochen voll magischer Klänge!

Anzeige

Vom 20. August bis zum 10. September präsentieren in 42 Konzerten Stars und entdeckungswürdige Newcomer*innen fesselnde Interpretationen von Musik verschiedener ...

Gemeinde mahnt zu besserem Parken

Frauke Asche von der Gemeinde Großenkneten mahnt: Viele Besucher des Badesees Westrittrum parken falsch oder ungenau – auf Kosten von Einsatzfahrzeugen. Die Gemeinde bemüht sich um ...

Spielzeugspende für Kinder

Der Förderverein Sonnenblumenzeit aus Wildeshausen setzt sich für Kinder ein: Bei der Wildeshauser Tafel haben Mitglieder jetzt Spielzeug verteilt. Der in diesem Jahr gegründete ...

So wirken sich Hitze und Trockenheit auf die Ernte aus

Hohe Preise für Diesel und Dünger, eingeschränkte Versorgungslage bei Getreide – und jetzt auch noch Hitze und Trockenheit. Wer dieser Tage einen landwirtschaftlichen Betrieb ...

Mehr als du denkst!

Anzeige

Die Ulrich Zimmermann GmbH kann auf eine 40-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Gegründet im Jahre 1982 in Oldenburg am Alexanderhaus, hat sich der ...

Ortsgruppe besichtigt Bauhof

Bei einer Besichtigung des Bauhofes lernte die Großenkneter Ortsgruppe Grüne, Kommunale Alternative und Linke die Arbeit des Gemeindebauhofes kennen. Diskutiert wurde auch über ...